27.
12.13
Ausblick auf Getreidemarkt 2014: Stabilisierungstendenzen erkennbar, aber das Wetter . . .

Getreide Cockpit, 27.12.2013

Bullish
  • nicht ausschließbare ungünstige Wetterperioden in zentralen Anbaugebieten
  • zunehmende Nachfrage aus dem Futtersektor infolge wieder steigender Viehbestände
  • weiterhin Zunahme in Bereich der unmittelbaren menschlichen Ernährung
  • Chinas neues Importverhalten
Bearish
  • ausreichend hohe Anfangsbestände
  • wider Erwarten eine nochmalige Rekordernte
  • abflauende Nachfrage aus dem Bioethanolsektor
  • mögliche Schwäche der Weltkonjunktur

Der Getreidemarkt zum Jahreswechsel 2013/14

Die Weltgetreideernte 2013/14 wird auf 1,97 Mrd. t geschätzt, das höchste Ergebnis, das je erzielt wurde. Die entscheidenden Beiträge lieferten dazu eine ungewöhnlich hohe Erntefläche von 541 Mio. ha, rd. 8 Mio. ha mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Mit 3,6 t je ha erreicht der globale Durchschnittsertrag ebenfalls einen Rekordwert, der in den vorhergehenden 5 Jahren nicht über 3,4 t/ha hinauskam, häufiger eher darunter lag.

Wesentliche Gründe für das weltweit günstige Ergebnis sind geringe Ernteausfälle in den wichtigsten Erzeugungsgebieten. In den USA wurden trotz zwischenzeitlicher Bedenken Rekordernten mit Schwerpunkt beim Mais eingefahren. In China war die Getreideernte trotz einiger Probleme mit dem Weizen noch nie so hoch. In den Schwarzmeergebieten Russland, Ukraine und Kasachstan fiel die Ernte trotz einiger Abstriche in Russland gut durchschnittlich aus. Die EU erreichte mit fast 300 Mio. t ihr bisher zweitbestes Ergebnis. Nur knapp durchschnittlich wird die australische Ernte eingeschätzt. Der einzige größere Ausfall wird aus Argentinien mit einer Weizenernte um die 9 bis 10 Mio. t gemeldet.  Von dort fehlen verkraftbare 4 bis 6 Mio. t, die üblicherweise von Brasilien importiert werden.  

Auf der Verbrauchsseite haben die Steigerungsraten vor dem Hintergrund eines Nachholbedarfs infolge des schwachen Vorjahres ebenfalls erheblich zugelegt. Im Falle des direkten Nahrungsverbrauchs nimmt die Nachfragemenge recht kontinuierlich um 10 bis 15 Mio. zu. Beim Futterverbrauch ergibt sich eine starke Zunahme um rd. 40 Mio. t zum Vorjahr, weit oberhalb der sonst üblichen Erhöhungen zwischen 10 und 15 Mio. t. Die Nachfrage aus dem industriellen Sektor bewegt sich allerdings auf ermäßigten Niveau. Die große Boom-Periode der Mais- und sonstige Getreideverwendung zur Bioethanolherstellung von 2004 bi 2010 ist vorbei. Eine Stagnationsentwicklung ist in diesem Bereich eingetreten.

Der globale Getreidemarkt 2013/14 gilt als durchschnittlich versorgt. Bisherige Einschränkungen im Weizensektor wurden durch die zwischenzeitlichen Höherschätzungen in Kanada und Australien wieder ausgeglichen. Im Futtergetreidesektor hat die US-Maisernte zu  einer überdurchschnittlich guten weltweiten Versorgungslage beigetragen.

Der Versorgungslage entsprechend sind die durchschnittlichen Getreidepreise im Vergleich zum knapp versorgten Vorjahr kräftig gefallen. Der deutlichste Preiseinbruch wurde für US-Mais beobachtet, der von umgerechnet 22 €/dt auf 12,20 € /dt  abrutschte. Die Dollar-notierten Weizenpreise gaben in der Nachernteperiode anfangs nur zögernd nach, fielen dann aber nach Bekanntwerden der kanadischen und australischen Weizenernten in weniger als 2 Monaten von 19 €/dt auf unter 17 €/dt. Noch ist kein Boden gefunden.

In der EU hat die Preisentwicklung ihren eigenen Weg genommen. Die zur Ernte abgefallenen Kurse stiegen in der nachfolgenden  Phase mit einigen Hin und Her wieder bis auf 21 €/dt. Dabei ist die europäische Weizenernte recht gut ausgefallen. Entscheidend für den überraschenden Notierungsanstieg waren die außergewöhnlich starken EU-Weizenexporte in Richtung nordafrikanischer Importstaaten. Die sonst üblichen billigen Ausfuhren aus dem Schwarzmeergebiet sind in beträchtlichem Umfange ausgeblieben. Die Preis-, Mengen- und Qualitätsvorstellungen der Einfuhrländer konnten nur unterdurchschnittlich befriedigt werden. US-Weizen war ebenfalls zu teuer im Angebot. Dadurch kam vor allem französischer Weizen, teilweise auch deutsche Ware zum Zuge und führten rasch zu einem ungewöhnlich hohen Abbau der EU-Vorratsbestände sehr früh im Getreidewirtschaftsjahr.

Beim Mais hat die EU traditionell einen Importbedarf zwischen 6 bis 9 Mio. t, der relativ preiswert aus Übersee beschafft werden können. Bei stabilen Einstandspreisen fob US-Golf von 15,50 €/dt und Überseefrachtraten von rd. 3 €/dt können hafennahe EU-Verbrauchsstandorte günstig mit Futtergetreide beliefert werden. Der EU-Maispreis erreicht auf diese Weise eine Größenordnung, die zum hohen EU-Weizenpreis passt.

Die Perspektiven auf das kommende Jahr 2014 sind für das 1. Halbjahr recht überschaubar abzuleiten. Da die Versorgung des Getreidewirtschaftsjahres 2013/14 mittlerweile ausreichend zuverlässig beurteilt werden kann, wird sich an der gut durchschnittlichen Bedarfsdeckung nur wenig ändern. Das liefert den hinreichenden Grund, davon auszugehen, dass die derzeitigen Preisniveaus sich nur in geringer Bandbreite bewegen werden. Für nennenswerte Preiserhöhungen in den Frühjahrsmonaten besteht wenig Anlass, genauso wenig wie für Preiseinbrüche. Nicht zuletzt darf man nicht vergessen, dass China mit rd. 19 Mio. t Getreideeinfuhren ein zu beachtender neuer Player auf dem Getreidemarkt geworden ist. Inwieweit sich das in der EU abgesetzte hohe Preisniveau halten wird, ist nach dem jüngsten US-Weizenpreisminderungen jedoch zu bezweifeln. Eher sind Abstriche zu machen, denn mittlerweile ist US-Weizen durchaus wettbewerbsfähig geworden und zwingt den EU-Weizen zur Anpassung nach unten.

Die im 2. Halbjahr 2014 anstehenden neuen Ernten werfen bereits ihre Schatten voraus. Ausreichend hohe Preisanreize führen regelmäßig zu einer Ausdehnung der Anbauflächen. Allerdings ist bereits ein hohes Flächenniveau erreicht worden und das verbleibende mobilisierbare Potenzial wird enger. Erste korrigierte Anbauschätzungen zu den Wintersaaten in Russland, der EU und in den USA signalisieren bereits, dass die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt werden dürfen. Ein entscheidender Einfluss wird von den Sommersaaten - speziell Mais - ausgehen. Dabei wird es im kommenden Jahr stark auf das Soja-Mais-Preisverhältnis ankommen, das derzeit eindeutig zugunsten der Sojapflanze ausfällt. In den südamerikanischen Staaten sind die Auswirkungen teilweise schon eingetreten. Inwieweit in den USA eine starke Verlagerung in Richtung Sojabohne stattfinden wird, wird derzeit kontrovers diskutiert. Ersten Schätzungen zufolge wird die US-Sojafläche zwar spürbar ausgedehnt werden, aber die Maisfläche wird nur geringfügig zurückgefahren. Die Last tragen die sog. kleinen Getreidearten wie Gerste, Roggen, Triticale u. ä.

Im Schwarzmeergebiet wird es stark auf die Auswinterungsschäden des laufenden Jahres ankommen. Darüberhinaus ist ein klarer Trend zum verstärkten Maisanbau in der Ukraine, aber auch in Südrussland zu erkennen. Das gilt auch für China.

Entscheidend für das Ernteergebnis bleiben die nicht beeinflussbaren witterungsbedingten Flächenerträge in den entscheiden Vegetationsperioden. Das ablaufende Jahr 2013/14 mit einem bisherigen Rekordergebnis von 3,6 t/ha dürfte eher als Obergrenze für kommende Ertragserwartungen angesetzt werden. Realistischer sind leicht darunter liegende Durchschnittserträge von 3,55 t/ha.

Unterstellt man eine knapp gleichbleibende Getreidefläche von 540 Mio. ha und einen Ertrag von durchschnittlichen 3,55 t/ha errechnet sich eine Prognose zur Weltgetreideernte von rd. 1,91 Mrd. t, d.h. ca. 3 % weniger als im laufenden Wirtschaftsjahr.

Die mittelfristigen Schätzungen des internationalen Getreiderates im Dez 2013 kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Ernte 2014/15 nicht das Niveau des Vorjahres wird halten können. Der Rückgang bleibt jedoch mit -0,3 % im Rahmen des Schätzfehlerbereichs.

Auf der Nachfrageseite wird mit weiter steigenden Verbrauchszahlen zu rechnen sein. Der Verzehr für die direkte menschliche Ernährung wird um 8 bis 10 Mio. t höher veranschlagt. Beim Futterverbrauch werden infolge steigender Viehbestände weitere rd.8 bis 10 Mio. t mehr angesetzt. Im Industrieverbrauch sind nur + 5 Mio. t als Folge abnehmender Nachfrage aus dem Bioethanolsektor zu erwarten. Insgesamt errechnet sich die Verbrauchsschätzung auf zusätzliche 20 bis 25 Mio. t, deutlich unter früheren Verbrauchszunahmen.

Saldiert man Ernterückgang und Verbrauchszuwachs ergibt sich ein Abbau der Endbestände, die etwa dem Bestandsaufbau des Vorjahres entsprechen. Daraus folgt eine Versorgungslage für das Jahr 2014/15, die überschlägig der des Jahres 2012/13 entspricht. Folgt man alten Marktregeln leitet sich aus dieser skizzierten Versorgungslage wieder Preise um die 20 € je dt -Marke ab.  Dass diese Vorhersage nicht ganz abwegig ist, zeigen die Terminkursentwicklungen für das Jahr 2014/15, die auf diesem Niveau agieren. 

Ausblick auf Getreidemarkt 2014: Stabilisierungstendenzen erkennbar, aber das Wetter . . .
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ZMP Live Expertenmeinung

Der Getreidemarkt hat dierch die Rekorernte 2013/14 die Vorratslücken weitgehend wieder auf durchschnittliches Niveau aufgefüllt. Im Futtergetreidesektor ist eine überdurchschnittliche Versorgungslage festzustellen. Die wieder aufgefüllten Vorratsbestände mindern das nicht auschließbare Risiko eine nachfolgend schwachen Ernte 2014/15.

Die Getreidepreise werden vorerst relativ stabil gesehen. Die Schwankungen sollten sich in vergleichsweise schmalen Bandbreiten auf derezitigen Niveau bewegen.

Nach überschlägigen Rechnungen und Plausibilitätsüberlegungen kann eine Ernte 2014/15 knapp auf dem gleichen Niveau wie das alte Jahr geschätzt werden. Allerdings sind noch erhebliche Risiken während der Produktion und bis zur Ernte dagegen zu halten.

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