Die Terminbörse Euronext erweitert ab Montag, 13. April, die Handelszeiten für ihre Agrarfutures. Künftig können Kontrakte auf Weizen, Mais und Raps bis 20:15 Uhr Pariser Zeit gehandelt werden. Der maßgebliche Abrechnungspreis (Settlement) bleibt jedoch weiterhin um 18:30 Uhr fixiert.
Mit der Maßnahme reagiert die Börse auf die zunehmende Internationalisierung der Agrarmärkte und rückt näher an die Handelszeiten der US-Terminmärkte heran. Vor allem die Chicago Board of Trade, die abends aktiv bleibt, setzt bislang wichtige Preisimpulse, auf die der europäische Markt erst am Folgetag reagieren konnte.
Schnellere Preisbildung nach Nachrichtenlagen
Durch die Verlängerung des Handelsfensters können Marktteilnehmer künftig unmittelbar auf wichtige Ereignisse reagieren – etwa auf USDA-Berichte, Wetterentwicklungen in den USA oder geopolitische Nachrichten. Damit dürfte sich die Preisbildung deutlich beschleunigen und die Gefahr größerer Kurssprünge zu Handelsbeginn am Folgetag verringern.
Eingeschränkter Handel nach 18:30 Uhr
Allerdings gilt die Ausweitung nicht uneingeschränkt: In der verlängerten Abendphase sind Optionen, Blockgeschäfte sowie EFP- und EFA-Transaktionen ausgeschlossen. Der Handel beschränkt sich damit im Wesentlichen auf das elektronische Orderbuch der Futures.
Zudem wird der jeweils nächstfällige Frontmonat in den letzten drei Handelstagen vor Fälligkeit vom Abendhandel ausgeschlossen, was die Liquidität in dieser Phase zusätzlich begrenzen dürfte.
Mehr Volatilität bei geringerer Liquidität
Marktbeobachter erwarten, dass sich die Liquidität in den Abendstunden zunächst deutlich unter dem Tagesniveau bewegen wird. In Kombination mit der direkten Reaktion auf internationale Impulse könnte dies zu spürbar höheren Kursschwankungen und zeitweise größeren Spreads führen.
Ein besonderer Aspekt ist die künftig entstehende Diskrepanz zwischen Settlementpreis und tatsächlichem Marktpreis: Während die offizielle Bewertung um 18:30 Uhr erfolgt, kann sich das Kursniveau danach weiter verändern. Für Händler, Verarbeiter und Risikomanager gewinnt damit die Beobachtung der Abendkurse zusätzlich an Bedeutung.
Ein Schritt zu global integrierten Märkten
Insgesamt stellt die Anpassung einen weiteren Schritt hin zu stärker vernetzten Agrarterminmärkten dar. Die Euronext erhöht ihre Anschlussfähigkeit an den US-Handel und verbessert die kurzfristige Reaktionsfähigkeit des Marktes – nimmt dafür aber bewusst eine höhere intraday-Volatilität in Kauf.