Schwache Erträge, Sorge um Durchwuchs, sehr später Erntebeginn
(AMI) Die Teils erhebliche Verspätung der neuen Ernte stellt die Frühkartoffelerzeuger in Flandern, Belgien, vor große Herausforderungen. Eigentlich müssten sie nun Flächen räumen, um wie üblich eine zweite Kultur anzulegen. Amora und Co. sind aber derzeit weder für die Frittenherstellung geeignet, noch lässt sich ein Käufer finden. So hatten 2 Fabriken mit dem neuen Rohstoff begonnen. Er war ihnen dann aber zu kleinfallend. Außerdem waren die Unterwassergewichte so groß, dass es Qualitätsprobleme mit dem Endprodukt gab. Nun ist der Saisonstart für die neue Ernte verschoben. Andere Fabriken hatten längst beschlossen, die neue Ernte weiter wachsen zu lassen.
Derzeit bringen früh gepflanzte Bestände rund 35 t/ha, was wenig ist, und das auch nur, wenn sie zu den wenigen gehören, die unter Beregnung stehen. Der überwiegende Teil des frühen Frittenrohstoffs wurde erst spät Anfang April gepflanzt und ist noch längst nicht so weit. Er kommt derzeit wegen Trockenheit und Hitze auch nicht im Wachstum voran.
Preiserwartung und Preisrealität gehen derzeit weit auseinander. Für Frittenkartoffeln wird in den kommenden Wochen ein sehr fester Markt angenommen, da wegen der Dürre Mengen fehlen. Erzeuger, die eine zweite Kultur bestellen wollen, drängen aktuell aber auf Absatz und müssen sich mit sinkenden Preisen zufrieden geben. Sie können allenfalls etwas an Schäler verkaufen und die haben bei weitem nicht den Bedarf, den die TK-Frittenhersteller normalerweise hätten.
ZMP Live Expertenmeinung
Der Terminmarkt hat sich von den Preiskorrekturen, welche der jüngsten Hausse folgten, wieder erholt. Je länger nun das trockene Sommerwetter anhält, desto wahrscheinlicher ist es, dass 2015/16 als ein Jahr mit hohen Rohstoffkosten für die Verarbeiter in die Geschichte eingeht. Derzeit können sie sich noch auf den Resten der Lagerware ausruhen, die es überraschend lange gibt. Irgendwann müssen dann aber Premiere, Amora und Co. aus der neuen Ernte ran. Die stehen im Rheinland nicht schlecht, müssen für die europäischen Frittenhersteller aber auch umfangreich aus dem Westen Belgiens kommen – und da fangen die Probleme dann an. Für die Zeit nach der aktuellen Hitzewelle scheinen heute 2 Szenarien sehr wahrscheinlich: Es bleibt trocken, die Kartoffeln verspäten sich weiter und bringen nur kleine Erträge oder es gibt genügend Regen und die Kartoffeln melden sich mit Zwiewuchs und Kindelbildung zurück ins Leben. Aus beidem resultiert alles andere als ein normales Jahr.