Die laufenden Rodungen bringen weiterhin gute Erträge, sodass der Markt mit Speisekartoffeln nach wie vor mehr als ausreichend versorgt ist. Infolge des hohen Angebots gaben die Preise im Großhandelsgeschäft auch in dieser Woche weiter nach. Vor diesem Hintergrund wird den Erzeugern dringend geraten, besonderes Augenmerk auf die Qualitätssicherung bei der Einlagerung zu legen. Denn angesichts der umfangreichen Erntemengen ist davon auszugehen, dass auch in den Wintermonaten eine hohe Marktverfügbarkeit bestehen wird – mit entsprechend hohen Anforderungen an die Qualität. Nur makellose, lagerfähige Partien werden voraussichtlich am Markt bestehen können.
Bereits jetzt wird vermehrt überschüssige oder qualitätsmindernde Ware direkt ab Feld zur Verfütterung oder in Biogasanlagen abgegeben. Dieser Trend zeigt sich insbesondere bei Partien, die nicht den Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels oder der Verarbeitungsindustrie genügen. Auch überregionale Absatzmöglichkeiten oder Exportaktivitäten bleiben derzeit begrenzt, da in weiten Teilen Europas ebenfalls mit überdurchschnittlichen Erträgen gerechnet wird. Der europäische Binnenmarkt ist dementsprechend weitgehend gedeckt.
Im Bereich der Industrieware zeigt sich nach wie vor keine Entspannung. Die verarbeitende Industrie konzentriert sich derzeit ausschließlich auf die Abnahme von vertraglich gebundener Ware. Für freie Industriekartoffeln bestehen aktuell kaum Absatzchancen, was den Druck auf die Erzeugerseite zusätzlich erhöht.
Auf den regionalen Märkten wurde ein breit gefächertes Sortiment an Speisekartoffeln angeboten, bestehend aus zahlreichen Varietäten. Die Angebotsdominanz lag klar auf inländischer Ware, während Importe aus Frankreich und den Niederlanden das Bild punktuell ergänzten. Trotz des Ferienendes und daraus resultierender Belebung der Nachfrage – etwa in Hamburg – konnte die massive Angebotsflut Preissteigerungen verhindern. Vielmehr zeigten sich die Notierungen in Frankfurt und Berlin weiterhin rückläufig. Auch in München tendierten die Preise abwärts. Die Bewertung vieler Partien fiel auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau, das in einigen Regionen einem wirtschaftlich kritischen Punkt nahekommt.
Die REKA-Notierung für Speisekartoffeln blieb in dieser Woche unverändert, was am Markt vielfach als Zeichen dafür interpretiert wird, dass ein vorläufiger Preisboden erreicht sein könnte. Allerdings bleibt abzuwarten, ob dieser sich unter dem anhaltenden Angebotsdruck tatsächlich stabilisieren lässt.
Am Industriemarkt sind weiterhin keine preislichen oder strukturellen Veränderungen zu verzeichnen. Die Aufnahmekapazitäten der Verarbeiter sind begrenzt, und eine Wiederaufnahme des Interesses an freier Ware ist vorerst nicht in Sicht.
ZMP Live Expertenmeinung
Der Kartoffelmarkt bleibt deutlich überversorgt. Preisliche Erholung ist kurzfristig nicht in Sicht. Entscheidend für eine mittelfristige Stabilisierung wird sein, ob sich durch gezielte Vermarktung, exakte Sortierung sowie qualitätsorientierte Lagerhaltung Absatzkanäle sichern lassen. Für Erzeuger steht in den kommenden Wochen die konsequente Qualitätssicherung bei der Einlagerung im Vordergrund.