Die anhaltend stabile Schönwetterlage ermöglicht in weiten Teilen Deutschlands einen zügigen Start in die Haupternte. Auf den meisten Betrieben dürfte diese spätestens in der kommenden Woche beginnen. Die Ertragserwartungen sind durchweg positiv – doch genau das bereitet vielen Erzeugern Sorgen. Denn bereits die Frühkartoffelernte fiel überdurchschnittlich aus, während die Nachfrage aktuell schwach bleibt. In der Folge sind die Erzeugerpreise spürbar unter Druck geraten und haben ein sehr niedriges Niveau erreicht. Das Angebot übersteigt die Nachfrage deutlich, sodass kurzfristig keine Entspannung in Sicht ist.
Die Umstellung von Frühkartoffeln auf Lagerware ist abgeschlossen. Das Angebot ist umfangreich, insbesondere die Sorten Annabelle und Berber aus heimischer Produktion sind flächendeckend verfügbar. Die Nachfrage entwickelte sich uneinheitlich: Während das freundliche Wetter für Impulse sorgte, führten die Sommerferien regional zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung.
Auch der Einzelhandel versucht gegenzusteuern und setzt verstärkt auf Werbe- und Aktionsangebote, um den Absatz zu beleben.
Am Markt für Industriekartoffeln wurden die Notierungen in Westeuropa zuletzt ausgesetzt – mit Verweis auf mangelnde Umsätze und fehlende Markttransaktionen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die stabile Witterung ermöglicht einen reibungslosen Start der Haupternte, doch das hohe Angebot trifft auf eine schwache Nachfrage und setzt die Erzeugerpreise weiter unter Druck. Trotz einzelner Impulse durch LEH-Aktionen und freundliches Wetter überwiegen derzeit die bärischen Marktfaktoren, insbesondere im Industriekartoffelsektor. Mit 16 €/100 kg könnte bei Speisekartoffeln eine vorläufige Preisuntergrenze erreicht sein, bleibt die Nachfrage jedoch verhalten, drohen weitere Belastungen.