Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) werden alterntige Speisekartoffeln zunehmend durch einheimische Frühkartoffeln ersetzt. Die Lagerbestände der letztjährigen Ernte sind in den Erzeugerbetrieben nahezu aufgebraucht. Übermengen wurden in den vergangenen Tagen überwiegend einer alternativen Verwertung zugeführt – vorrangig als Futterkartoffeln oder in Biogasanlagen. Damit sind die Läger nun frei für die beginnende Frühkartoffelsaison, die in den kommenden Tagen bundesweit in größerem Umfang anläuft.
Für die neue Ernte werden durchweg gute bis sehr gute Qualitäten und Erträge erwartet. Auf den Feldern richten sich die Maßnahmen derzeit verstärkt auf den Pflanzenschutz, insbesondere auf die Kontrolle der Kraut- und Knollenfäule. Durch warme Temperaturen und wiederholte Niederschläge steigt der Infektionsdruck deutlich.
Die inländische Ernte schreitet zügig voran, wodurch die Verfügbarkeit heimischer Speisefrühkartoffeln weiter zunimmt. Mit der Sorte Glorietta tritt eine weitere gefragte Varietät in den Markt ein. Die hohe Marktzufuhr führt regional zu Preisdruck, da die Nachfrage nicht überall mit dem gestiegenen Angebot Schritt halten kann. Diese Abschläge betreffen auch Importware, insbesondere aus Italien und Zypern.
Im Segment der Speiselagerkartoffeln nimmt die Sortenvielfalt kontinuierlich ab; lediglich in Berlin war zuletzt noch ein breiteres Angebot verfügbar. Preislich zeigten sich hier jedoch kaum Veränderungen.
Besonders hervorzuheben ist, dass in diesem Jahr nahezu alle deutschen Frühkartoffelregionen gleichzeitig über marktfähige Ware verfügen. Laut REKA müssen sich die rheinischen Frühkartoffeln daher im Wettbewerb vor allem über ihre Qualität behaupten. Der Preisdruck im Bereich der Industriekartoffeln bleibt unterdessen unverändert bestehen.
ZMP Live Expertenmeinung
Kurzfristig ist der Markt bei Frühkartoffeln eher bärisch, da das Angebot rasch zunimmt und die Nachfrage dem nicht in vollem Umfang folgt.
Langfristig oder selektiv (z. B. Premiumware, Bioware, regional bevorzugte Sorten) können sich jedoch bullishe Chancen ergeben, sofern die Qualität stimmt und die Nachfrage durch den LEH angekurbelt wird.