Russlands Milchwirtschaft trotz steigender Milchpreise weiter auf absteigenden Ast
Die russische Milchwirtschaft geht seit Jahrzehnten zurück. Noch im Jahre 1989 wurden fast 54 Mio. t Milch erzeugt. Im Jahre 2016 kann Russland mit 30 Mio. t nicht mehr das Vorjahresniveau halten.
Die Kuhzahlen haben sich seit der Jahrtausendwende auf 7,3 Mio. Tiere halbiert. Die steigende Milchleistung je Kuh mildert den Erzeugungsrückgang, erreicht allerdings erst die durchschnittliche Marke von 4.125 kg je Kuh und Jahr.
Die Milchanlieferung an die Molkereien beträgt nur 19,5 Mio. t, bzw. rd. 2/3 der Erzeugung. Das restliche Drittel dient vorrangig dem Eigenverbrauch bzw. der lokalen Versorgung vor Ort.
46 % der Milchkühe stehen in sog. Selbstversorgerwirtschaften. 40 % befinden sich in privaten kleinbäuerlichen Betrieben und nur 14 % werden in größeren kommerziell betriebenen Milcherzeugungsunternehmen gehalten.
Die Milcherzeugung konzentriert sich zu 33 % im Wolgagebiet und 18 % in Zentralrussland, 17,5 % der Produktion verlieren sich im weitläufigen Sibirien mit vorherrschenden Selbstversorgerbetrieben.
Die staatliche Unterstützung konzentriert sich vorrangig auf die kommerziellen Unternehmen. Kleinere Erzeugerbetriebe sollen vorrangig von der seuchenbelastenden Schweinehaltung auf die Rindviehhaltung umsteigen. Der Einsatz leistungsfähiger genetischer Rindviehrassen findet ebenfalls Unterstützung. Der Gesamteffekt bleibt jedoch gering.
Das Importverbot Russlands hat zu einer deutlich schwächeren Versorgungslage im Inland geführt. Der in früheren Jahren steigende Käseverbrauch wird nicht mehr durch zunehmende Importe gestützt und stagniert seit rd. 4 Jahren. Rückläufige Buttereinfuhren bremsen ebenfalls den Verbrauch.
Insgesamt haben die Verbraucherpreise überproportional zugenommen. Einen Beitrag dazu hat auch der schwache Rubelkurs geliefert. Inwieweit der in jüngster Zeit wieder ansteigende Rohölkurs und damit verbunden eine steigende Kaufkraft der russischen Währung der Inflation entgegen wirkt, hängt entscheidend davon ab, wie wirksam die angekündigte Kürzung der Ölfördermengen durchgezogen wird. Es bestehen erfahrungsgemäß berechtigte Zweifel.