EU-Milchpreise weiter auf dem Höhenflug der weltweiten Nachfragekräfte
Trotz zunehmender Inlandserzeugung oberhalb des Inlandsverbrauchs halten sich die Milchpreise mit erstaunlicher Zähigkeit auf einem Preisniveau, das doppelt so hoch ist, wie die staatliche Absicherungsgarantie der EU.
Diese grundlegende Neuorientierung hat im Jahre 2007/08 begonnen. Aber schon das Jahr 2009 brachte einen tiefen Einbruch der Kurse bis auch die Sicherheitsnetzintervention von rd 22 cent/kg. Wesentliche Ursache dieses Preisabschwungs war die weltweite Finanzkrise, die zu einer vorübergehenden Einschränkung des steigenden Verbrauchs geführt hat. Zeitgleich befand sich die Milcherzeugung in einer leichten Aufschwungperiode. In der EU wurden staatliche Interventionsmaßnahmen zur Preisstützung ergriffen, die im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten nicht zu einer Dauererscheinung wurden sondern vergleichsweise zügig abgewickelt wurden.
Trotz einiger Schwankungen wurde das Absicherungsniveau nicht wieder erreicht, sondern seit rd. 3 Jahren ein Durchschnittsmilchpreisniveau oberhalb der 30 cent Marke erzielt. Allerdings stehen den hohen Milchpreisen auch beachtliche Steigerungen der Futterkosten gegenüber, die einen beachtlichen Beitrag zu einer moderaten Angebotsentwicklung beigetragen haben.
Die entscheidenden Weichenstellungen gehen von der weltweiten Nachfragesteigerung der 3 klassischen Milchprodukte Butter, Magermilchpulver und Käse aus.
In einer Studie der EU-Kommission schätzt man die Entwicklung bis zum Jahre 2022 weiterhin positiv ein. Auf Weltebene soll Butter in den nächsten 10 Jahren um knapp 25 % zunehmen. Dabei wird die indische Erzeugung mit über 35 % eine herausragende Stellung einnehmen. Die steigenden Buttermengen sind ausschließlich für den Inlandsverbrauch bestimmt. Im Gegensatz werden die prognostizierten Buttermengen mit annähernd 30 % Steigerung im Iran zu großen Teilen importiert werden müssen.
Im Falle der Nachfrageänderungen für Magermilchpulver bleibt die USA mit einer Zunahme von über 40 % weiter der Spitzenreiter. Die US-Ausfuhren gehen vorrangig ins benachbarte Mexiko und nach China. Im asiatischen Raum sind allerdings Neuseeland und Australien auch mit von der Partie beim Milchproduktangebot.
Beim Käsegeschäft wird weltweit zwar nur ein Plus von 15 % vorausgesehen, aber die EU ist in besonderem Maße engagiert. Das naheliegende Russland bleibt ein steigendes Einfuhrland für europäischen Käse. Die um 60 % geschätzten Steigerungen der Käseeinfuhren Saudi Arabiens locken zwar alle Erzeuger an, die europäische Gemeinschaft dürfte mit einem nicht unbeträchtlichen Anteil dabei sein. Die Steigerungen der Käsenachfrage in den USA wird zu einem beträchtlichen Teil durch die Eigenerzeugung gedeckt werden, aber die Einfuhren von Käsespezialitäten erreichen durchaus beachtliche Mengen.
Für die europäische Union erwartet man eine Steigerung des Exportanteils an der gesamten Milchanlieferung von rd. 10 auf über 11 % in den nächsten 10 Jahren. Der EU-Marktanteil am globalen Butterhandel soll sich zwischen 15 und 20 % einpegeln. Im Falle von Vollmilchpulver sollen die Handelsanteile nur noch 15 % Weltmarktanteil betragen. Beachtliche Steigerungen des EU-Exportanteils werden für Magermilchpulver und Käse in einer Größenordnung von 30 bis 35 % vorausgeschätzt. Die EU gehört mit zu den führenden Exportländern bei Milchprodukten, die die steigende Weltmarktnachfrage mit ihrem großen Produktionspotenzial bedienen kann. Auf die Exportabhängigkeit sollte man gelegentlich auch hinweisen.