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12.14
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Agrarmärkte zum Jahreswechsel: Milchmarkt 2015

Agrarmärkte 2015:  Milchmarkt im zyklischen Preistief

Das zurückliegende Jahr 2014 ist durch  einen weltweit starken Abschwung der Milchpreise um fast 50%  geprägt. Ursache waren starke Produktionssteigerungen infolge überdurchschnittlicher Preise in den vorhergehenden Jahren. Gleichzeitig ging die weltweite Nachfrage mit den Schwerpunkten  China und Russland zurück. Im Grundsatz bestätigte sich der typische Milchproduktions- und Preiszyklus auf dem Weltmarkt, der schon seit Jahrzehnten nachzuweisen ist. In der EU kam dieser Marktmechanismus in früheren Jahrzehnten nicht zum Tragen, weil sowohl die Interventionspreis- als auch die Quotenregelung starke Mengen- und Preisschwankungen ausglichen bzw. auch verhinderten. Während sich der Weltmarkt im Durchschnitt der Jahre expansiv entwickelt, wäre ein isolierter EU-Markt von Stagnation und stabilen, aber niedrigen Preisen auf dem Absicherungsniveau oberhalb von 0,22 € je kg geprägt.

Das Jahr  2015 hält für die Milchwirtschaft mehrere entscheidende Fragestellungen für die weitere Entwicklung bereit.

  • Wird die globale Milcherzeugung bei  fallenden Milchpreisen und Futterkosten ihr Wachstum in 2015 fortsetzen?
  • Welche Produktionsdynamik entwickelt sich in der EU nach der Quotenaufgabe?
  • Kommt die chinesische Importnachfrage wieder zu bisherigen Wachstumsraten zurück? Welchen Einfluss nimmt die Wirtschaftsentwicklung auf die Nachfrage nach Milch- und Milchprodukten im Jahre 2015?
  • Was wird aus der russischen Importsperre?
  • Wie entwickeln sich die Milchpreise 2015?

Die gestiegenen Produktionskapazitäten aus den zurückliegenden Jahren werden auch im Jahre 2015 Nachwirkungen hinterlassen. Nach Schätzungen des USDA soll die Steigerungsrate jedoch von rd. +4 % bzw. rd. +15 Mio. t im Vorjahr auf +1,9 % bzw. + 9 Mio. t fallen. In der größten Milcherzeugungsregion der EU schätzt das USDA ein Nullwachstum, während die EU-Kommission eine 1,5 %-ige Steigerung bzw. rd. 2,5 Mio. t  prognostiziert. Im zweitgrößten Produktionsgebiet die USA werden + 3 % bzw. rd. 3 Mio. t veranschlagt. Gesunkene Kraftfutterpreise gleichen einen Teil des gefallenen US-Milchpreises wieder aus. Indiens Milcherzeugung soll um rd. 5 % wachsen, dient aber fast ausschließlich der Eigenversorgung.  Das weltweit größte Exportland Neuseeland soll seine Milchproduktion um +2 % bzw. rd. 0,5 Mio. t steigern. Russlands Milcherzeugung wird wie schon seit Jahrzehnten seinen Umfang wieder um -2 % zurückfahren. Die Hälfte der russischen Milchkuhbestände stehen in wenig wettbewerbsfähigen Kleinhaltungen überwiegend zur Eigenversorgung.

Die bisherige Begrenzung der individuellen Milcherzeugung in der EU wird Anfang April 2015 entfallen. Damit könnte der Weg zu einer ungebremsten Produktionssteigerung frei gemacht werden. Eine solche Entwicklung ist jedoch wenig wahrscheinlich. Die gefallenen und anhaltend  niedrigen Milchpreise dämpfen weitere Expansionspläne. Die Milchquote hat nur noch in wenigen EU-Ländern die Produktion begrenzt. Im Durchschnitt der EU-28 wurden die Kontingente nur noch zu 90 % erfüllt, in den östlichen Ländern teilweise unter 80 %. Insofern wird der Wegfall der Quote eine kaum spürbare Auswirkung auf die Gesamtmenge der EU haben. Die weltweite Preis- und Absatzentwicklung hat längst die Marktführerschaft übernommen.

Ausschlaggebend für den globalen Milchmarkt ist das chinesische Importverhalten. Noch Anfang des Jahres lagen die Steigerungsraten der Milchprodukteinfuhren bei 25 bis 30%, fielen aber Mitte 2014 auf bzw. unter Vorjahresniveau. Ausreichende Vorratsbestände, eine nachlassende Wirtschaftskonjunktur und begrenzt zur Verfügung gestellte Finanzmittel hat zu dieser Entwicklung geführt.  Das politische Bestreben, eine größere eigene Milcherzeugung aufzubauen, führt zu verhaltenen Importeinkäufen. Mit dem Abbau der Vorratsbestände in China werden bei günstiger Konjunkturentwicklung die chinesischen Einfuhren 2015 wieder zunehmen, möglicherweise nicht mehr mit ganz so großen Steigerungsraten wie bisher.

Eine denkbare Aufhebung der russischen Importsperre ab August 2015 weckt wenig Hoffnung auf große Absatzmöglichkeiten, wie sie vor der Sperre bestanden haben. Die schwache Einkommenslage und die um 70 % verringerte Kaufkraft des Rubel schränkt die Einfuhrmöglichkeiten für Milchprodukte aus dem Westen auf einen geringen Bruchteil ein. Es müssten schon der Ukraine-Konflikt in absehbarer Zeit gelöst sein, der  Rohölpreis wieder in Richtung 100 $ je barrel steigen und die russische Währung auf die frühere Kaufkraft zurückkehren. Nicht zuletzt muss der politische Wille zur Grenzöffnung dahinter stehen.

Die Preisentwicklung für Milch und Milchprodukte werden im 1. Halbjahr 2015 noch unter dem Druck hoher Angebotsmengen bei gleichzeitig zurückhaltender Nachfrage stehen. Eine saisonal nachlassende Produktion in den Frühjahrs- und Sommermonaten auf der Südhalbkugel wird durch steigende Erzeugung infolge der frühsommerlichen Hochphase („Weideaustriebseffekt“) auf der Nordhalbkugel abgefangen. Für das 2. Halbjahr 2015 lassen sich bei günstiger Wirtschaftsentwicklung von der Nachfrageseite her wieder neue Impulse für festere bis leicht steigende  Milchpreise herleiten. Unkalkulierbare politische Entscheidungen spielen noch eine wesentliche Rolle für den tatsächlichen Markt- und Preisverlauf.

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