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07.14
16:31

USDA-Einschätzung des globalen Milchmarktes 2014 - kritisches 2. Halbjahr

Milchmarkt 2014: ein herausragendes Absatzgeschäft im 1. Halbjahr  -  fallende Preise in den Sommermonaten  -  und der Rest des Jahres?

Die halbjährlichen Einschätzungen des US-Agrarministeriums (USDA) zum Milchmarkt 2014 gehen von einer doppelt so hohen Steigerung der globalen Milcherzeugung von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr aus. Dabei spielt gegenüber früheren Jahren die Zunahme der Kuhbestandszahlen eine größere Rolle als die Milchleistungssteigerungen je Kuh. Selbst auf den Intensivstandorten der EU, USA und Kanada gilt diese Beobachtung wenn auch in kleinerem Umfang. Antriebsmomente sind die hohen Milchpreise der jüngeren Vergangenheit, die zu Investitionen in der Milchwirtschaft animiert haben.

Im 1. Halbjahr 2014 wurde die Angebotssteigerung an Milchprodukten durch eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage insbesondere aus China weitgehend abgefangen. Die chinesischen Einfuhren erhöhten sich zum Vorjahreszeitraum um +89 % im Falle von MMP, und +70 % bei Vollmilchpulver. Auch wenn die Mengen noch gering sind, beginnt eine neue Phase der chinesischen Importe von Butter und Käse, die in der jüngeren Zeit Steigerungen von + 67 bis +121 % gegenüber dem Vorjahresmonaten erreicht haben. Dazu gehört auch UHT-Trinkmilch, die interessanterweise zu  40 % aus Deutschland stammt. Höhere Transportkosten scheinen es den Chinesen wert zu sein, ein garantiert einwandfreies Produkt zu erhalten.

Die chinesische Regierung hat strenge Hygiene- und Qualitätsregeln für den Milchsektor  erlassen, um das grundsätzliche Misstrauen gegenüber einheimischen Produkten abzubauen. Allerdings scheint der Melaminskandal so nachhaltig im Verbraucherbewusstsein verankert zu sein, dass keine grundlegende Änderung im Konsumverhalten zu beobachten ist. Gleichzeitig erweisen sich die neuen Regelungen als contraproduktiv für die kleinstrukturierte chinesische Milchwirtschaft, deren Erzeugung trotz staatlicher Subventionen nicht so recht vorankommen will.

Schwierigkeiten mit der Produktionssteigerung haben nach wie vor die USA, die auf ihren Zentralstandorten Kalifornien und den Südstaaten mit den Nachwirkungen der Trockenperioden zu kämpfen haben. Weitgehend unveränderte Kuhbestände und stagnierende Milchleistungen führen zu einem Nullwachstum im Jahre 2014. Eine schwache Inlandsnachfrage setzt Auslandsverkäufe im MMP-Bereich frei. Der US-Export profitiert vom chinesischen Käse-Boom.

Chinas steigende Käseeinfuhren kommen auch der EU zugute. Allerdings findet überwiegend ein Austausch zwischen den gesperrten Käse-Exporten nach Russland und den steigenden China-Importen statt, ohne dass eine nennenswerte Exportsteigerung für die EU im Käsesegment herauskommt. Dagegen sind die Ausfuhrsteigerungen von + 31% im Falle von MMP umso beachtlicher. Der EU-Vollmilchpulververkauf in Drittländer erreicht beachtliche 15 % Steigerung. Algerien und der Nahe Osten stehen dabei ganz oben auf der Liste. Der Butterexport liegt zwar im positiven Bereich, bleibt aber ein schwieriges Geschäft.

Die 3 %-ige Zunahme der Milcherzeugung im weltgrößten Produktionsgebiet EU konnte im ersten Halbjahr 2014 mit steigenden Exporten relativ gut verkraftet werden. Für das 2. Halbjahr wird zwar saisonal mit einer abfallenden EU-Milchanlieferung gerechnet, bleibt aber immer noch über den Werten des Vorjahres.

Während Australien einem Null-Wachstum entgegen sieht, rechnet Neuseeland mit einer Produktionssteigerung von + 4 % für das ganze Jahr 2014 gegenüber einem sehr schwachen Vorjahr. Zurzeit stehen die Kühe überwiegend noch trocken. Im August beginnt die neue Milchsaison und wird ihren Höhepunkt im Okt. 2014 erreichen. Zwar geht der Produktionszuwachs zu 100 % in den Export, aber die Mengen von zusätzlich 1 Mio. t zusätzlicher Milcherzeugung sind gemessen am Gesamtmarkt von fast 500 Mio. t der wichtigsten Produktionsgebiete überschaubar.

Die Kurse für Milchprodukte haben nach einer starken Anfangsphase im 1. Halbjahr 2014 erheblich nachgelassen. Die jüngste GDT-Auktion Mitte Juli 14 drückte die Durchschnittpreise unter den langjährigen Mittelwert. Das Ausbleiben der überdurchschnittlich hohen China-Einkäufe noch im Frühjahr/Frühsommer hat sich deutlich ausgewirkt. Für das 2. Halbjahr 2014 wird mit einer Preiskonsolidierung auf niedrigem Niveau gerechnet, aber dazu bedarf es einer kräftigen Nachfrage aus China, wenn auch nicht in dem überhöhten Maße der ersten 6 Monate des Jahres 2014.

Die deutlich herabgesetzten Weltmarktnotierungen für Milchprodukte werden auch die EU-Milchpreise in Mitleidenschaft ziehen. Die Kursanpassungen in Europa fallen im Vergleich zu Neuseeland regelmäßig heftiger aus. Im Gegenzuge verfügt die EU über ein international fast konkurrenzloses Frischproduktegeschäft.

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