Anfang Mai ist die Milchanlieferung in Deutschland leicht gesunken und hat damit den üblichen saisonalen Aufwärtstrend vorerst unterbrochen. Laut der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) wurden in der 19. Kalenderwoche 0,7 % weniger Milch angeliefert als in der Woche zuvor. Noch zum Monatswechsel hatte sich die Differenz zum Vorjahresniveau auf nur 0,2 % verringert, inzwischen beträgt sie jedoch wieder 1,5 %. Diese Entwicklung ist teilweise auf eine entgegengesetzte Tendenz im Vorjahr zurückzuführen. Am Spotmarkt zeigten sich die Preise für Rohmilch uneinheitlich: Während der bundesweite Durchschnittspreis laut ife-Institut in Kalenderwoche 20 leicht um 0,5 Cent auf 41,40 Cent pro Kilo stieg, sanken die Spotpreise in den Niederlanden im Durchschnitt um 2 Cent. In Norditalien war dagegen ein weiterer Anstieg der Rohmilchpreise in der ersten Maihälfte zu verzeichnen.
Ab Mitte Mai zeigte sich der Käsemarkt in Deutschland weiterhin robust. Der Einzelhandel orderte regelmäßig, und die Industrie erfüllte ihre Vertragsverpflichtungen. Auch im Großverbraucherbereich (GV) wurde Nachfrage gemeldet, wobei Hersteller mit weiterem Bedarf bei steigenden Temperaturen und mehr Biergartenbesuchern rechnen. Das Exportgeschäft bewegte sich zuletzt im erwarteten saisonalen Rahmen, wobei sonniges Wetter und die bevorstehende Urlaubssaison zusätzliche Impulse versprechen. Auch aus Drittländern gingen weiterhin Anfragen ein. Dank der hohen Milchanlieferungen während der Saisonspitze konnte die Käseproduktion zuletzt in großem Umfang erfolgen. Kurzfristig wird jedoch mit einem Rückgang der Milchmengen und deren Inhaltsstoffe gerechnet, was laut Marktteilnehmern zu einem schnelleren Angebotsengpass führen dürfte. Trotz steigender Milchmengen war es kaum möglich, Lagerbestände aufzubauen. Die Reifelager wiesen seit Wochen geringe Mengen auf, und die gelagerte Ware war überwiegend jung. Vor diesem Hintergrund verlangen Hersteller in den kommenden Preisverhandlungen höhere Preise. Die Notierungskommission in Hannover behielt den Preis für Brotware gegenüber der Vorwoche unverändert bei, sodass die Spanne in Kalenderwoche 21 bei 4,80 bis 5,00 EUR/kg blieb. Für Blockware wurde der Preis am 21. Mai im Durchschnitt um 5 Cent gesenkt, sodass sich eine Spanne von 4,45 bis 4,65 EUR/kg ergab.
In der zweiten Hälfte des Mais bleibt die Nachfrage nach abgepackter Butter aus Sicht der Marktakteure lebhaft. Die Verkaufszahlen bewegen sich weiter auf einem saisonal typischen, hohen Niveau. Für die kommende Woche erwarten die Beteiligten durch den Feiertag und die laufende Spargelsaison eine zusätzliche Nachfragebelebung, die bisher jedoch nicht im erwarteten Maß eingetreten ist. Mitte Mai präsentierte sich der Markt für Blockbutter erneut zweigeteilt: Während die Nachfrage nach langfristigen Lieferungen ruhig blieb, stieg das Interesse an kurzfristigen Lieferungen deutlich an. Laut nationaler Verkaufszahlen lagen die Absätze sowohl über denen der Vorwoche als auch der Vorjahreswoche. Dank der hohen Milchanlieferung in der Milchspitze konnte die starke Nachfrage weiterhin gedeckt werden, was zu höheren Preisen für Blockbutter führte. Im Gegensatz dazu fielen die Butterpreise beim GlobalDairyTrade-Tender in Neuseeland am 20. Mai. Dort wurde Butter zu einem Durchschnittspreis von umgerechnet 6.944 EUR pro Tonne verkauft, was europäische Ware auf dem Weltmarkt weiterhin wenig wettbewerbsfähig macht. An der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig zeigten sich die Blockbutter-Futures für die Lieferzeiträume von Mai 2025 bis Januar 2026 wieder fester. In der 20. Kalenderwoche stiegen die Preise im Schnitt um 113 EUR auf 7.292 EUR pro Tonne. Die Erwartungen für Mai bis Dezember 2025 lagen dabei innerhalb der Kassamarktspanne, für Januar 2026 hingegen darunter. Obwohl das Handelsvolumen gegenüber der Vorwoche zurückging, blieb das Terminmarktgeschehen lebhaft: Insgesamt wurden 2.095 Tonnen (419 Kontrakte) gehandelt, das sind 1.355 Tonnen (271 Kontrakte) weniger als in der Vorwoche.
Mitte Mai hat der Markt für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität an Fahrt gewonnen. Kurzfristig bestand noch ein hoher Bedarf, sodass das Neugeschäft deutlich zulegte. Auch für spätere Liefertermine wurde verstärkt eingekauft und mehr Verträge abgeschlossen als zuvor. Mit Beginn der zweiten Maihälfte nahm die Aktivität jedoch wieder etwas ab, was unter anderem auf die leichte Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar im Exportgeschäft mit Drittländern zurückzuführen ist. Uneinigkeit über die Versorgungslage im Herbst sorgte weiterhin dafür, dass Preisverhandlungen oft ohne Ergebnis blieben. Sollte die derzeitige Trockenheit anhalten, könnte die Rohstoffmenge im Herbst erneut knapp ausfallen. Die Preise haben sich weiter stabilisiert, was sich in der Notierung widerspiegelt: Am 21. Mai setzte die Butter- und Käse-Börse in Kempten die Preisspanne für Magermilchpulver auf 2.350 bis 2.470 EUR pro Tonne, wobei das obere Ende um 20 EUR angehoben wurde. An der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig entwickelten sich die Preise für Magermilchpulver dagegen überwiegend schwächer. In der 20. Kalenderwoche sank der Durchschnittspreis für Lieferungen von Mai 2025 bis Januar 2026 auf 2.522 EUR pro Tonne, was einem Rückgang von 26 EUR gegenüber der Vorwoche entspricht. Für Mai und Juni 2025 lagen die Preisprognosen innerhalb der Spanne der Kemptener Notierung, während für die Monate Juli bis Januar die Erwartungen darüber lagen. Das Handelsvolumen ging spürbar zurück: Es wurden 1.535 Tonnen (307 Kontrakte) umgesetzt, das sind 1.435 Tonnen (287 Kontrakte) weniger als in der Vorwoche. Am GlobalDairyTrade-Tender in Neuseeland setzte sich das wechselhafte Preisgeschehen fort: Am 20. Mai fiel der Index um 0,7 %, nachdem er zu Beginn des Monats gestiegen war. Der durchschnittliche Preis über alle Lieferzeiträume lag bei umgerechnet 2.501 EUR pro Tonne.
ZMP Live Expertenmeinung
Während die Milchanlieferung nach der saisonalen Spitze leicht zurückgeht, bleibt die Inlandsnachfrage – insbesondere bei Käse und Butter – stabil bis belebt. Die Lagerbestände sind gering, was bei knapperem Angebot zu Preisanstiegen führen könnte. Gleichzeitig wirken sinkende Preise auf dem Weltmarkt, eine stärkere Euro-Wechselkurslage und rückläufige Handelsvolumina an den Terminbörsen preisdämpfend. Besonders im Exportgeschäft bleiben die Aussichten unsicher.