Aktuelle Milchmarktanalyse (Mi 28. Aug.2024)
Die Milchanlieferungen in führenden Erzeugerländern auf Weltebene bleiben in der 1. Jahreshälfte 2024 um knapp 1 % unter dem Vorjahr. Die verringerten Mengen gehen zum größten Teil auf die USA und einer Summe kleinerer Produzenten zurück; Neuseeland gehörte 3 Monate lang auch dazu. Demgegenüber liegt die EU-Erzeugung um +0,9 % über Vorjahresniveau. In geringen Umfange legt auch Australien wieder zu, während Neuseeland stagniert; in beiden Ländern hat das Milchwirtschaftsjahr gerade wieder begonnen.
In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten ist eine große Spreizung der Milcherzeugung zwischen Österreich (+4,3 %), Polen (+3,8 %) und Frankreich (+2,9 %) auf der einen Seite und Irland (-1,3%), Niederlande (-2 %) und Bulgarien (-6,1 %) auf der abfallenden Seite zu beobachten. In Deutschland bewegt sich die Milchanlieferung knapp auf Vorjahresniveau und geht aktuell saisonüblich weiter zurück.
Milchprodukte: Das verringerte Rohmilchangebot führt weltweit zu einer global knappen Versorgung bei Butter mit der Folge von Preisen im Höchstpreisbereich um die 6.000 €/t (Global Dairy Trade Auktion im Aug.24). Magermilchpulverpreise bleiben aufgrund der zurückhaltenden Nachfrage aus China auf vergleichsweise gut durchschnittlichen Niveau. Eine ansteigende Erzeugung auf der Südhalbkugel wird vorerst nicht ausreichen, den saisonalen Rückgang auf der Nordhalbkugel auszugleichen.
Die Terminkurse für die kommenden 6 Monate zeigen weiter steigende Tendenzen. An der EEX-Börse in Leibzig notiert Butter für den Liefertermin September bei 7.747 €/t und MMP bei 2.553 €/t jeweils mit steigender Tendenz für die Folgemonate dieses Jahres. Die Börsenmilchwerte (ife Kiel) errechnen sich auf Größenordnungen oberhalb der 50 ct/kg Marke bis zum Ende dieses Jahres. Für die Frühjahrsmonate 2025 werden stagnierende Ergebnisse vorausberechnet.
Die tatsächlichen Milchauszahlungspreise an die Erzeuger liegen im EU-Durchschnitt um +4 % über Vorjahresniveau. Deutschland (+9 %), Niederlande (+10 %), Dänemark (+12%) und Irland (+13 %) erzielen überdurchschnittliche Ergebnisse, während Italien (-4 %) und Spanien (-10%) deutliche Abstriche hinnehmen müssen.
Wöchentliche Notierungen an der Börse Kempten bzw. Hannover (28.08.2024)
Butter: Die Notierungen für Butter (Päckchen und Block) sind nochmal höher gesetzt worden. Eine rückläufige Erzeugung und knappe Vorratsbestände sind bei sehr guter Nachfrage die maßgeblichen Einflußfaktoren. Der Exportabsatz hält sich nicht zuletzt durch den hohen €-Kurs in Grenzen, entwickelt aber erkennbar keinen preissenkenden Angebotsdruck im Inland.
Käse: Die Notierungen für Käse zeigen weiterhin eine feste Tendenz. Die Nachfrage stößt auf eine begrenzt verfügbare Angebotsmenge. Eine grundlegende Änderung ist bislang nicht zu erkennen.
Milchpulver: Hierzulande bleiben die Notierungen vorerst relativ stabil. Im internationalen Handel kommt jedoch Bewegung nach oben. Mit Hilfe des Exports wird die Erwartung auf moderate Preissteigerungen geweckt.
ZMP Live Expertenmeinung
Die anhaltend niedrige globale Milchanlieferung unter Vorjahresniveau verschärft die Versorgungslage insbesondere im Butter- und Käsesektor. Im Falle von Milchpulver sorgt die zurückhaltende chinesische Importnachfrage für Entspannung. Die Milchpreise befinden sich weiterhin in einer aufsteigenden Tendenz, die auch für die restlichen Monate des Jahres anhalten könnte.