Der europäische Milchmarkt zeigt Ende Juli eine kurzfristige Stabilisierung auf den Produktmärkten. Butter, Milchpulver und Käse konnten sich zuletzt überwiegend befestigen. Gleichzeitig bleiben die Milchanlieferungen in der EU und besonders in Deutschland deutlich über dem Vorjahr. Während der Kassamarkt noch unter Angebotsdruck steht, rechnet die ansteigende EEX-Terminkurve im Herbst mit einer besseren Milchverwertung.
1. EU-Produktpreise
Die jüngsten offiziellen EU-Notierungen wurden am 22. Juli 2026 aktualisiert und beziehen sich auf die Woche bis zum 19. Juli.
| Produkt | EU-Preis | zur Vorwoche | zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Butter | 396 €/100 kg | +2,3 % | –46 % |
| Magermilchpulver | 274 €/100 kg | +1,4 % | +15 % |
| Vollmilchpulver | 332 €/100 kg | +1,9 % | –22 % |
| Cheddar | 332 €/100 kg | +0,3 % | –28 % |
| Gouda | 377 €/100 kg | +0,1 % | –23 % |
| Molkenpulver | 140 €/100 kg | +2,4 % | +50 % |
Die breite Wochenbefestigung zeigt, dass der unmittelbar stärkste Preisdruck nachgelassen hat. Daraus ergibt sich jedoch noch keine nachhaltige Trendwende: Butter, Vollmilchpulver und Käse liegen weiterhin erheblich unter ihren außergewöhnlich hohen Vorjahreswerten. Vergleichsweise widerstandsfähig zeigen sich Magermilch- und Molkenpulver.
2. EU-Rohmilchpreis und Milchanlieferung
Der durchschnittliche EU-Erzeugerpreis lag im Mai bei 42,6 ct/kg. Das waren 0,3 % weniger als im April und 19,6 % weniger als im Mai 2025. Für Juni wird vorläufig ein weiterer Rückgang auf rund 42,3 ct/kg geschätzt. Der aktuelle, aus Butter und Magermilchpulver abgeleitete EU-Milchäquivalentwert liegt mit etwa 39,1 ct/kg nochmals deutlich darunter.
Das europäische Milchaufkommen bleibt expansiv, die Dynamik schwächt sich aber ab. Im Mai lag die EU-Milchanlieferung 2,4 % über Vorjahr; kumuliert von Januar bis Mai betrug der Zuwachs 3,7 %. Bis April waren es noch 4,0 %. Damit verringert sich der Mengenüberhang, von einer tatsächlichen Verknappung kann jedoch noch nicht gesprochen werden.
Die zusätzliche Milch floss überproportional in lagerfähige Standardprodukte. Von Januar bis April stieg die Butterproduktion um 9,7 %, die Herstellung von Magermilchpulver um 11,7 % und die Käseproduktion um 3,4 %. Diese Mengen begrenzen das weitere Aufwärtspotenzial der Produktpreise.
3. Deutschland: Milchanlieferung
Für KW 29 wird eine deutsche Milchanlieferung von 631.688 t ausgewiesen. Gegenüber der Vorwoche waren das 0,2 % weniger, gegenüber der Vorjahreswoche aber weiterhin 4,0 % mehr. Kumuliert erreichte die deutsche Milchanlieferung 18,63 Mio. t und lag damit 5,7 % über dem Vorjahreszeitraum.
| ZMB-Wochenwerte KW 29 | Menge | zur Vorwoche | zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Milchanlieferung | 631.688 t | –0,2 % | +4,0 % |
| Butterproduktion | 4.968 t | +7,9 % | +1,5 % |
| Magermilchpulver | 4.353 t | +30,5 % | +45,0 % |
| Käse | 29.457 t | +0,9 % | +1,7 % |
Der saisonale Rückgang der Milchmenge setzt sich damit nur langsam durch. Besonders der starke Wochenanstieg der Magermilchpulverproduktion erhöht kurzfristig den Vermarktungsdruck.
4. Deutsche Erzeuger- und Spotmilchpreise
Der zuletzt verfügbare deutsche Durchschnittspreis für konventionelle Milch lag im Mai bei 38,98 €/100 kg. Gegenüber April entsprach dies einem Anstieg von 1,8 %, gegenüber Mai 2025 jedoch einem Rückgang von knapp 27 %.
Am Spotmarkt hat sich die Situation wieder eingetrübt. Für die Woche vom 20. bis 26. Juli wurden folgende Preise gemeldet:
| Region | Spotmilchpreis | zur Vorwoche |
|---|---|---|
| Nord/West | 35,50 ct/kg | –1,50 ct |
| Süd | 36,00 ct/kg | –3,00 ct |
Die deutlich rückläufigen Spotpreise zeigen, dass die deutsche Rohstoffversorgung weiterhin komfortabel ist. Die zwischenzeitliche Verknappung infolge der Hitze hat sich nicht dauerhaft fortgesetzt.
5. Kieler Rohstoffwert Milch
Der aktuellste verfügbare Kieler Rohstoffwert betrifft Juni 2026. Er sank gegenüber Mai um 1,8 ct/kg beziehungsweise 4,8 % auf 35,70 ct/kg ab Hof. Gegenüber Juni 2025 beträgt das Minus 14,1 ct/kg. Es war der zweite monatliche Rückgang in Folge.
Hauptursache war die schwächere Eiweißverwertung: Der durchschnittliche Erlös für Magermilchpulver fiel um 7,2 % auf 2,58 €/kg. Butter verbesserte sich dagegen leicht auf durchschnittlich 4,06 €/kg. Der Rohstoffwert bildet die theoretische Verwertung über Butter und Magermilchpulver ab und ist nicht mit dem tatsächlichen Auszahlungspreis einer Molkerei gleichzusetzen.
6. EEX-Entwicklung
Der offizielle Final Settlement Price für den Liquid-Milk-Future Juli 2026 wurde auf 38,98 €/100 kg festgesetzt.
Die Produktterminmärkte weisen mit Stand 29. Juli 2026 eine klar ansteigende Kurve aus:
| Termin | Butter | SMP | Molkenpulver |
|---|---|---|---|
| Juli 2026 | 3.966 €/t | 2.743 €/t | 1.331 €/t |
| August 2026 | 4.044 €/t | 2.850 €/t | 1.400 €/t |
| September 2026 | 4.175 €/t | 2.850 €/t | 1.455 €/t |
| Oktober 2026 | 4.388 €/t | 2.900 €/t | 1.465 €/t |
| Dezember 2026 | 4.488 €/t | 2.940 €/t | 1.500 €/t |
Von Juli bis Dezember steigt die eingepreiste Butterverwertung um rund 13 %, SMP um gut 7 % und Molkenpulver um knapp 13 %. Die Kurve signalisiert die Erwartung einer saisonal niedrigeren Milchmenge und einer besseren Produktverwertung im vierten Quartal. Sie ist jedoch noch kein Beleg dafür, dass sich diese Erholung am Kassamarkt tatsächlich durchsetzt.
7. Italienischer Spotmarkt
Die italienische Spotmilch bleibt auf vergleichsweise hohem Niveau, gab zuletzt aber nach. Am 27. Juli wurde für Lieferungen an norditalienische Molkereien eine Spanne von 45,00 bis 47,50 €/100 kg festgestellt. Gegenüber der Vorwoche entsprach dies einem Rückgang von 4,6 %. Eine Woche zuvor hatte die Spanne noch bei 47,50 bis 49,50 €/100 kg gelegen.
Der italienische Markt liefert damit weiterhin ein positives regionales Signal. Der jüngste Rückgang zeigt jedoch, dass auch dort die zuvor sehr dynamische Befestigung zunächst an Grenzen stößt.
ZMP Live Expertenmeinung
Der EU-Milchmarkt ist kurzfristig neutral bis leicht freundlich einzuschätzen. Die breite Befestigung der Produktpreise und die steigende EEX-Terminkurve zeigen, dass der Markt eine saisonale Entlastung im Spätsommer und Herbst erwartet. Die hohen europäischen Milchmengen und die stark ausgeweitete Butter- und Pulverproduktion verhindern jedoch weiterhin eine eindeutig bullishe Bewertung.
Für Deutschland bleibt die Lage neutral bis bärisch. Die Milchanlieferung liegt klar über Vorjahr, die Spotpreise sind erneut gefallen und der Kieler Rohstoffwert signalisiert weiterhin eine schwache Standardproduktverwertung. Eine nachhaltige Verbesserung der Auszahlungsperspektive setzt voraus, dass die deutsche Milchmenge deutlich stärker saisonal zurückgeht und sich die an der EEX eingepreiste Herbsterholung auch am physischen Markt bestätigt.