27.
12.13
Aussichten auf den Ferkelmarkt 2014: Ferkel bleiben vorerst knapp

Ferkel-Cockpit, 27.12.2013

Bullish
  • Sauenbestände weitgehend unverändert
  • Geringe strukturelle Veränderungen
  • Ferkelleistungen im durchschnittlichen Rahmen
  • Stabile Nachfrage aufgrund des Mastplätze-Überhangs
  • Stagnierende Ferkelimporte
Bearish
  • Grundsätzliche Abhängigkeit vom Schweinepreis
  • Indirekter Einfluss der Futtermittelpreise

Der Ferkelmarkt zum Jahreswechsel 2013/14

Knappe Ferkelangebote und entsprechend stabile Ferkelpreise im gesamten EU-Raum war das prägende Merkmal des Jahres 2013. Das Notierungsniveau lag deutlich über den mehrjährigen Durchschnittswerten. Erzeugerpreise ab Hof orientierten sich auf EU-Ebene zwischen 45 und 55 € je 25 kg Ferkel bei durchschnittlichen Konditionen. Die typischen Ferkelpreisschwankungen speziell mit der Kursschwäche im Herbst fielen schlichtweg aus. Auch die schwankenden Schweinepreise hatten nur begrenzten Einfluss auf die Notierungen.

Die vorausgehenden jahrelangen Abstockungen der Sauenbestände in der EU mit den Schwerpunkten in Osteuropa und der BR.-D. und die abflauende Produktivitätssteigerung infolge verbesserter Genetik und struktureller Effizienzsteigerung haben grundlegend zu dieser Knappheit geführt. Den letzten Anstoß lieferte die neue EU-Haltungsverordnung für Sauen mit einem schlagartigen Abbau der Sauenzahlen speziell in den unteren Bestandsgrößenklassen.

Auf der Nachfrageseite hat die jahrelang anhaltende Investitionsneigung für Mastställe speziell in Deutschland für einen Nachfrageüberhang gesorgt, der nur durch 10 Mio. Ferkelimporte annähernd ausgeglichen werden konnte. Die im Jahre 2013 erstmals reduzierten Importmengen haben zu der wesentlichen Festigung der Ferkelnotierungen beigetragen. Dabei genießt Deutschland noch den Vorteil der Transportnähe zu den  Lieferländern. Sollten die deutschen Ferkelpreise jedoch mal nachlassen, eröffnet sich den  Exportregionen ausreichend Absatzpotenzial in den osteuropäischen Ländern.

Der über Jahre anhaltende Boom des internationalen Ferkelhandels im EU-Binnenmarkt mit Exportsteigerungen von 1 Mio.  Stück  je Jahr ist mit 2013 zu Ende gekommen. Die Abflachungen waren bereits in den vorhergehenden Jahren zu erkennen. Jetzt ist tatsächlich ein Rückgang eingetreten.

Aussichten für das Jahr 2014

Auf europäischer Ebene ist zunächst kein grundlegender Wandel in der Entwicklung der Sauenbestände und der Ferkelleistung je Sau und Jahr zu erkennen. Allerdings ist davon auszugehen, dass aufgrund verbesserter Wirtschaftlichkeit infolge geringerer Futterkosten, stabiler Ferkelpreise, Leistungssteigerungen in abgeschwächter Form sowie geringer Zinskosten die Investitionsneigung langsam wieder steigen wird.

Mittlerweile sind aber die Mindestgrößen für eine rentable Sauenherde auf Einheiten oberhalb von 300 Muttertieren angewachsen. Das erfordert einen Mindestkapitalbedarf von 1,5 Mio. € und mind. eine volle Arbeitskraft. Für die notwendige Flächenausstattung und deren Bewirtschaftung bleibt wenig Spielraum. Überwiegend werden Lohnarbeitskräfte notwendig werden, deren Einkommen durch eine weitere Erhöhung des Bestandes finanziert werden muss. Daraus folgt, dass nur vereinzelte wachstumsfähige und –willige Betriebe Aufstockungen in diesen Dimensionen wagen werden. Eine breit gestreute Erweiterung der spezialisierten Sauenhaltung wie in früheren Jahren üblich, ist daher eher nicht zu erwarten. In den Konzentrationsgebieten hindert die knapp verfügbare Fläche in der Breite starke Herdenvergrößerungen. Inwieweit in Zukunft einzelne „Großhaltungen“ den gleichen Effekt entwickeln wie eine Mehrzahl von „Kleinhaltungen“ ist nicht endgültig zu beurteilen. In der Vergangenheit jedenfalls ist die Sauen- und Ferkelzahl im Inland trotz strukturellen Wandels eher gesunken.

Aufgrund der jüngsten deutschen Viehzählung lassen sich bei allem kritischen Vorbehalt gegenüber den Zahlen folgende richtungsweisende Merkmale herausstellen:

(1) Die Zahl der Sauen ist gegenüber der Vorjahreszählung um - 3,3 % gefallen, aber  gegenüber der Maizählung 2013 unverändert geblieben. Die Zahl der Jungsauen hat tendenziell abgenommen. Eine durchschnittliche Leistungssteigerung der Ferkel je Sau und Jahr zwischen 0,15 bis 0,2 könnte zu einem Mehraufkommen an Ferkeln von 0,4 Mio. Stück führen. Angesichts von 50 Mio. Ferkel je Jahr in Deutschland fällt das Ergebnis eher bescheiden aus.

(2) Die Zahl der zum Zählungszeitpunkt trächtigen Sauen wurde mit -0,1 %, die Zahl der trächtigen Jungsauen mit -0,7 % gegenüber  der Mai-Zählung festgestellt. Die daraus in den ersten Monaten 2014 anfallenden Ferkelzahlen werden das angebot kaum vergrößern.

(3) Ferkelimporte aus DK und NL fallen aufgrund der attraktiven Preise in den Frühjahresmonaten erfahrungsgemäß größer aus. Ob das auch für 2014 gilt, ist zu bezweifeln, weil die Vorjahresmonate  Spitzenwerte gebracht haben, die nachfolgend nicht wieder erreicht wurden.

(4) Ferkelpreise orientieren sich zwar grundlegend auch an den Schweinepreisen, entwickeln aber im Jahresverlauf eine typische Eigendynamik mit überdurchschnittlich hohen Frühjahrs- und unterdurchschnittlichen Herbstpreisen. Entscheidend ist dabei das jeweilige Angebots-Nachfrage-Verhältnis.  Die anhaltende Knappheit an Ferkeln wird in der Tendenz zu hohen Kursen beitragen. Möglicherweise schaffen nachgebende Futtermittelpreise die notwendige Luft, erhöhte Ferkelpreise zu bezahlen.

Die grundlegende Steuerung des Schweinefleischangebotes geht von der Ferkelerzeugung aus. Sauenzahlen und die Zahl der abgesetzten Ferkel sind die entscheidenden Parameter, Verluste variieren im Regelfall nur in geringer Bandbreite. Auch das durch Abrechnungsmasken eingegrenzte durchschnittliche Mastendgewicht gewinnt erst an nachrangiger Stelle an Bedeutung. Plusminus 100 g sind bei 60 Mio. Schlachtungen rd. 6.000 t Schlachtgewicht im Vergleich zu 5,5 Mio. t in Deutschland. Im Gegensatz dazu bringen 0,4 Mio. Ferkel mal 95 kg SG => 38.000 t Schlachtgewicht.

Anhaltend hohe Ferkelpreise über einen Zeitraum von 2 Jahre dürfte wieder zu Anreizen verstärkter Ferkelerzeugung beitragen. Die Auswirkungen sollten spätestens im Jahre 2015 sichtbar werden. Der Schweinezyklus funktioniert, wenn auch in abgeschwächter Form. In der Zwischenzeit kann jedoch noch einiges Förderliches oder Behinderndes im Markt und - wahrscheinlich noch durchschlagender - im politischen Raum geschehen.

Aussichten auf den Ferkelmarkt 2014: Ferkel bleiben vorerst knapp
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ZMP Live Expertenmeinung

Die  Ferkelpreise dürften im 1. Halbjahr 2014 nach üblicher Saisonregel eine steigende Tendenz aufweisen. Unterstützend wirken in diese Richtung die nach Viehzählungsergebnissen geringen Zahlen trächtiger Sauen, die in der Frühjahrszeitspanne abferkeln. In Erwartung der Grillsaison ab Mai 2014 mit üblicherweise steigenden Schweinepreisen wird die Aufstallungsbereitschaft der Mäster vergleichsweise hoch ausfallen. Unterstützung kommt durch vergleichsweise niedrigere Futterkosten. Für das 2. Halbjahr sind die Entwicklungen weniger konkret zu begründen. Man kann aber davon ausgehen, dass die Bereitschaft zur Bestandaufstockung bei den Sauenhaltern zunimmt. Aber das dauert seine Zeit, bis die ersten Ferkel im Jahre 2015 an den Markt kommen.

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