Gestern hat die argentinische Regierung den Beschluss gefasst, die Sojabohnenbestände auf den Farmen anhand von verkauften Speicher-Säcken nachzuvollziehen. Damit sollen die Steuerbehörden in die Lage versetzt werden, das Einkommen der Farmer besser einzuschätzen und Steuern einzufordern. Mit außerordentlich hohen Mais- und Sojavorräten auf den Farmen in der argentinischen Pampa schützen sich die Farmer vor der zweistelligen Inflationsrate.
Die Regierung und die Agrarlobby in Argentinien liegen sich bereits seit Jahren wegen einer restriktiven Exportpolitik in den Haaren. Um die Lebenshaltungskosten nicht ins Uferlose zu steigern, wurden die Exporte von Mais und Sojabohnen zum Leidwesen der Farmer immer öfter begrenzt. Durch das Horten auf den Höfen entgeht dem Staat aber die Einkommenssteuer. Vor der im Oktober stattfinden Präsidentschaftswahl, bei der Christina Fernandez nicht wieder gewählt werden kann, hat die Regierung aber sehr hohe Kosten.
Argentinien, der drittgrößte Sojaexporteur der Welt, hat auf Sojabohnenexporte einen Zollsatz von 35 % festgesetzt. Mit der Kontrolle der Vorräte auf den Höfen geht eine Berichtspflicht einher, der den Druck auf die Farmer zusätzlich erhöht. Die Regierung benötigt scheinbar dringend Geld. Mais und Sojabohnen haben eine große strategische Bedeutung für Argentinien.
Das dortige Landwirtschaftsministerium schätzt die aktuelle Sojabohnenernte 2014/15 auf die Rekordmenge von 58 Mio. Tonnen, gegenüber 53,4 Mio. Tonnen im Jahr zuvor. Das USDA kommt in seiner letzten Schätzung auf 56 Mio. Tonnen.