Brasilien will die Beimischung von Ethanol zum Benzin von 25 % auf maximal 27,5 % erhöhen. Das teilte gestern die neue Landwirtschaftsministerin Katia Abreu der ausländischen Presse mit. Damit soll die kränkelnde Zuckerindustrie des Landes gestützt werden. Die Regierung wird dafür im Februar eine Ankündigung veröffentlichen sodass die Maßnahme dann 90 Tage später in Kraft treten kann. Zuvor wird die Autoindustrie dazu gehört, ob der aus Zucker hergestellte Zusatz die Motorenleistung einschränkt.
Diese Maßnahme kommt drei Tage nach der Ankündigung für die Wiedereinführung einer Benzin- und Dieselsteuer zum 1.Februar, von der man sich eine bessere Wettbewerbssituation für Ethanol verspricht. Auch das ist eine Maßnahme, die die Zuckerindustrie stützt. Die Ministerin will aber noch weitere Schritte folgen lassen. Das sind bisher nur zwei von vielen Versprechen, die die Investoren beschwichtigen sollen, die in Südamerikas größter Volkswirtschaft investiert haben. Das Wirtschaftswachstum stagniert seit Jahren. Sie will beispielsweise gegen den Willen des Zuckerindustrieverbandes CNA den Landerwerb von ausländischen Investoren erleichtern.
Ein Gesetzesvorschlag im Kongress zur Einführung von Exportzöllen auf Sojabohnen lehnt die Regierung von Dilma Rousseff ab. Die Regierungschefin will im März mit ihrer Landwirtschaftsministerin nach China und Moskau reisen, um Zollsenkungen für Kaffeeimporte zu verhandeln und die Bedenken gegen genetische veränderte Organismen z.B. im Mais zu zerstreuen. Das hatte Brasiliens Maisausfuhren in den letzten Jahren begrenzt. Außerdem sollen Sicherheitsbedenken gegen andere Lebensmittel ausgeräumt werden. Russland, derzeit der wichtigste Käufer für brasilianisches Rindfleisch, soll dazu animiert werden, noch mehr Sojabohnen und andere Güter aus Brasilien zu kaufen.
Das ehrgeizige Engagement von Rousseff für den Landwirtschaftssektor verärgert den linken Flügel in der Regierung und die Umweltschützer. Quelle Reuters