Der europäische Börsenbetreiber Euronext will nach der Einführung seiner überarbeiteten Milch-Futures weitere Rohstoffe wie Zucker, Biodiesel und Metalle Finanzderivate anbieten. Das sagte Nick Kennedy, Leiter der Entwicklungsabteilung der Gemeinschaftsbörse, gestern in einer Pressekonferenz.
Die Euronext-Gruppe, zu der auch die Pariser Matif gehört, ist bereits jahrelang mit seinen Terminkontrakten auf Weizen, Raps und Mais erfolgreich. Nach der Abspaltung von der Intercontinental-Exchange (ICE) im letzten Jahr ist man jetzt auf der Suche nach weiteren Betätigungsfeldern. Inzwischen hat man ein Kompetenzteam für die Bereiche Pflanzenöle, Biodiesel und Metalle rekrutiert, um den Diversifierungsprozess der Börse voranzutreiben. Der EU-Zuckermarkt wird mit dem Wegfall des Quotensystems im Jahr 2017 liberalisiert und bietet insofern ein interessantes Betätigungsfeld.
Für dieses Jahr hat aber die Wiedereinführung des Milchmarktes obere Priorität für Kennedy. Mit dem Ende des EU-Milchquotensystems wird am Ende des ersten Quartals 2015 eine Reihe von Finanzinstrumenten eingeführt, die die Preissicherung in diesem Marktumfeld ermöglichen sollen.
Bereits in 2011 hatte die Pariser Börse einen Terminkontrakt auf Milchpulver aufgelegt, der vom Markt aber nicht angenommen wurde. Nun sollen neben Magermilch Futures auch Kontrakte auf Butter und Molke Pulver sowie Optionen angeboten werden. Seit 2011 habe sich die Marktlage komplett verändert und das Interesse an Finanzinstrumenten hat deutlich zugenommen. Nach dem Ende des Quotensystems werden die Milchpreise in der EU volatiler. Einen steigenden Bedarf in Asien und Afrika sieht das Beratungsunternehmen Agritel. Gegenüber der Produktionsmenge von 2013 könnte die EU-Milchproduktion bis 2020 um 11 Mio. Tonnen steigen. Das russische Importembargo hat zwar zu fallenden Preisen geführt, an den optimistischen Aussichten ändert das aber nur wenig.