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08.18
15:39

Russlands Exporteure beschleunigen Getreideexporte

Exporteure in Russland werden in den kommenden Monaten ihre Getreideausfuhren beschleunigen, weil sie ab Dezember Ausfuhrbeschränkungen befürchten müssen. Spekulationen über mögliche Exportbeschränkungen beim größten Weizenexporteur der Welt hatten am Freitag die Börsenkurse stark nach oben gepuscht. Die Furcht vor einer engeren Marktversorgung nach einer von Trockenheit begrenzten Ernten am Schwarzen Meer, in Europa und in Australien.
Die Schätzung für Russlands Weizenernte 2018 wurde vom USDA inzwischen auf 68 Mio. Tonnen reduziert. Im Vorjahr wurden dort 85 Mio. Tonnen geerntet. Im Verhältnis zum 5-Jahres-Mittel ist das immer noch eine große Ernte, aber letzte Woche baten Mischfutterhersteller in Russland ihre Regierung darum, nicht unbegrenzt viel Getreide zu exportieren, weil sie fürchten, dass die Futterkosten im Land zu sehr steigen. Deshalb gab es am Freitag Überlegungen, die Weizenexporte im Wirtschaftsjahr 2018/19, das am 1. Juli begann, auf 30 Mio. Tonnen zu beschränken.
Das führte dazu, dass russische Landwirte kein Getreide mehr für den Export anboten, um höhere Preise zu erpressen. Exporteure hingegen wollen baldmöglichst mehr Getreide ausführen. Sie erwarten ein Szenario, wo der Wechselkurs des Rubels und schlechte Getreidequalitäten nur noch bis Januar einen freien und liquiden Getreidemarkt ermöglichen. In der zweiten Saisonhälfte (Januar bis Juni 2019) werden ohnehin die Verladungen weniger und Händler werden mit Verkaufsabschlüssen vorsichtiger. Erst Recht, wenn Ausfuhrbeschränkungen drohen.
Geringere Exporte aus Russland engen den globalen Getreidemarkt weiter ein und Konkurrenten in Europa und die USA bekommen mehr Chancen zu liefern. Seit dem 1. Juli bis zum 15. August exportierte Russland 6,8 Mio. Tonnen Getreide. Das ist ein Plus von 46 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr, weil die Ernte 2018 sehr früh begann. Darin enthalten sind 5,5 Mio. Tonnen Weizen. Am Freitag schätzte das russische Agrarministerium die Weizenexporte 2018/19 noch auf 35 Mio. Tonnen.
Es steht auch noch nicht fest, welchen Mechanismus Russland für potentielle Ausfuhrbeschränkungen anwenden will. Die Ausfuhrzölle sind bis zum 1. Juli 2019 auf Null Prozent festgeschrieben. Im Jahr 2010 schockte Russland den Weltmarkt mit einem totalen Bann auf Getreideexporte weil die Ernte sehr klein ausfiel. In 2015 wendete man formlose Interventionen an, was es Händlern erschwerte, russisches Getreide anzubieten. Insofern haben es Händler derzeit leichter, ihr Geschäft auf eine Ausfuhrbeschränkung einzustellen.
Händler hoffen darauf, dass die Beschränkung auf Ausfuhren auf 30 Mio. Tonnen im weiteren Verlauf der Ernte aufgehoben wird, sofern der Rubel-Wechselkurs stabil bleiben sollte. Der Wechselkurs ist derzeit so schwach, wie seit April 2016 nicht mehr, weil die USA Sanktionen gegen Russland verhängt haben. So könnten die Pläne des Agrarministeriums durch höhere politische Interessen geleitet werden. Die russische Regierung strebt zwar mehr Lebensmittelexporte an, die Versorgung der lokalen Märkte hat aber obere Priorität.

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