Unterschiedliche Preisanstiege im Ölsaatensektor – Hintergründe
Die jüngste Schätzung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) hat dem ohnehin schon vorhandenen Kursanstieg im Ölsaatensektor noch einmal einen besonderen Schub verliehen. Allerdings konzentriert sich das Augenmerk schwerpunktmäßig auf den Ölschrotmarkt und weniger intensiv auf den Teilmarkt der pflanzlichen Öle.
Der USDA-Bericht hat eine grundlegende Trendumkehr von einer bislang hohen und steigenden Versorgungslage im Ölsaatensektor zu einer deutlich abfallenden Vorratsentwicklung dokumentiert. Die Endbestände von 92,25 Mio. t noch im Jahre 2014/15 werden für das Ende des Wirtschaftsjahres 2016/17 auf knapp 77 Mio. t zurückgenommen. Dieser 15 %ige Rückgang ist überwiegend das Ergebnis einer Verbrauchssteigerung von rd. 20 Mio. t, während sich das Produktionsvolumen in diesen beiden Jahren nur knapp behaupten kann.
Dabei ist der Sojabohnenmarkt am stärksten betroffen. Die Endbestände werden innerhalb von 2 Jahren für das Ende 2016/17 um 10 Mio. t geringer eingestuft. Den Hauptanteil trägt Argentinien mit einem Rückgang der Vorratsmengen um rd. 8 Mio. t. Brasilien und China sind mit jeweils mit – 2,5 Mio. t beteiligt, während die USA ihre Bestände um 3 Mio. t aufbauen sollen.
Im Sojaölbereich wird ein weitgehend ausgeglichenes Nachfrage-Angebotsverhalten. Die steigende Erzeugung wird von der gleichfalls steigenden Nachfrage vollständig aufgenommen. Die Verringerung der Sojaölbestände fällt kaum ins Gewicht.
Dagegen entstehen im Sojaschrotbereich Versorgungsengpässe. Im Zweijahresvergleich ab 2014/15 steigt die Erzeugung zwar im 20 Mio. t an, aber der Verbrauch wird um 25 Mio. t höher eingestuft. Hohe Zuwachsraten von mehr als 10 % werden in den südostasiatischen Importländern wie Vietnam, Indonesien, Thailand und Südkorea erwartet. Die Endbestände fallen um rd. 2 Mio. t bzw. 15 % zurück.
Die globale Rapserzeugung wird im 3. aufeinanderfolgenden Jahr nochmals niedriger geschätzt. In den beiden führenden Anbauregionen der EU und Kanada sind die Anbauflächen deutlich zurückgenommen worden. Auch Chinas Erzeugung soll 2016/17 kleiner ausfallen. Der Rapsverbrauch gibt zwangsläufig nach. Zum teilweisen Ersatz werden andere Rohstoffe herangezogen. In 1. Linie kommt das steigende Angebot von Sojaöl in Betracht. Die Rapsendbestände fallen auf die Hälfte im Vergleich zum Jahr 2014/15 zurück.
Die aktuelle Palmölerzeugung leidet in diesem Jahr unter den Nachwirkungen der El Niño-Trockenheit. Die hohen Vorratsbestände werden nach und nach abgebaut. Die Palmölpreise befinden sich auf hohem Niveau und werden nur durch die niedrigen Rohölkurse und Sojaölpreise in Schach gehalten. Für das Wirtschaftsjahr 2016/17 wird wieder mit einer Steigerung der Produktion gerechnet.
Die weitere Entwicklung 2016/17 wird in hohem Maße vom US-Sojaanbau, der Ertragsbildungsphase und dem Ernteergebnis geprägt werden.