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11.13
09:46

Hohe Kurse bei Sojabohnen, niedrige Notierungen bei Sojaöl, hohe Preise für Sojaschrot

Wider Erwarten anhaltend hohe Sojaschrotpreise - auch dauerhaft?

Für den unbefangenen Beobachter gibt der Sojaschrotmarkt Rätsel auf. Das Jahr 2012/13 endete mit steigenden Überhangbeständen und im laufenden Jahr 2013/14 wird eine um 7 % steigende Ernte erwartet. Damit steigt das Gesamtangebot in doppelter Weise. Trotz zunehmenden Verbrauchs in 2013/14 sollen die Endbestände von 4 auf 6 % des Verbrauchs ansteigen. Damit wird eine überdurchschnittlich gute Versorgungslage signalisiert und die Preise hätten deutlich nachgeben müssen.

Wenn man die Börsenkurse in Chicago und Hamburg verfolgt, dann ist zwar das hohe Durchschnittsniveau von Mai bis September 2013 mit einem Wert von 430 € je t in Hamburg mittlerweile unterschritten worden, aber ein erwarteter Preisrückgang unter die 400 € je t Marke ist dauerhaft noch nicht eingetreten. Im Monat November haben die Kurse noch einmal zugelegt und sollen zum Thanks-Giving-Day (US-Erntedankfest Do, 28. Nov) einen erneuten Höhepunkt erreichen. Auch für die Frühjahrsmonate 2014 präsentieren sich die Schrotkurse fest oberhalb der 400 € je t Marke, obwohl die Aussichten auf eine südamerikanische Rekordernte nicht schlecht stehen.

Auch das Preisverhältnis Soja zu Mais mit 3,2 zu 1 läuft auf höchstem Niveau; üblich sind Verhältnisse von 2,2 bis 2,5 zu 1. Das ist für nord- und südamerikanische Farmer eine klare Herausforderung, Sojabohnen auf steigenden Flächen auszusähen und auf den Mais im Haupt-und Zweitfruchtanbau zu verzichten. Diese Entwicklung ist bereits in vollem Gange und wird sich voraussichtlich im Frühjahr 2014 fortsetzen.

Wie ist die vom üblichen Marktgeschehen abweichende aktuelle Preisentwicklung zu erklären?  Mehrere Gründe sind in Erscheinung getreten.

(1)  Ein 1. Grund ist in der Verkaufszurückhaltung argentinischer Farmer zu finden, die noch über fast ein Drittel ihrer alten Ernte in Höhe von 15 bis 16 Mio. t in ihren Silos verfügen. Die Ware wird als wertbeständiges Sachvermögen gegenüber der mit fast 30 % inflationierenden argentinischen Währung zurückbehalten. Politische Gründe wegen zu hoch empfundener Exportsteuern unterstützen diese Verhaltensweise. Dem Markt werden auf diese Weise 10 bis 13 Mio. t vorenthalten, das entspricht etwa 5 % vom Verbrauch.

(2)  Eine Verkaufszurückhaltung ist auch bei den US-Farmern mit der Ernte 2013 zu beobachten. Das wird daran spürbar, dass die Erzeugerpreise recht stabil bleiben und damit die Börsenkurse auf hohem Level halten.

(3)  Der entscheidende Grund dürfte jedoch von der starken chinesischen Nachfrage ausgehen. Neben dem laufenden Bedarf will China seine Reserven weiter aufbauen. Dabei spielen die Vorkontrakte eine beachtliche Rolle, die die chinesischen Einkäufer in starkem Umfange als Optionen halten und damit Ware binden. Ob diese Vorkontrakte auch alle eingelöst werden, wird bezweifelt, weil die Vermutung besteht, dass beim tatsächlichen Eintreten einer südamerikanischen Rekordernte den brasilianischen und argentinischen Billigangeboten der Vorzug eingeräumt wird.

(4)  Hohe Einstandspreise der Ölmühlen für die Sojabohne und vergleichsweise schwache Sojaölpreise fordern beim Schrotverkauf den notwendigen Preisausgleich heraus. Die tatsächlichen Ölschrotlieferungen fallen knapp aus, während pflanzliche Öle mehr als gut durchschnittlich im Angebot stehen.

Die derzeit hohen Sojaschrotpreise beinhalten noch eine beachtliche Risikoprämie für die kommenden Sojaernten in Süd- und Nordamerika. Dieser Risikozuschlag wird in dem Maße abgebaut, wie die Wachstumsbedingungen und die  Ernteaussichten mit fortschreitendem Zeitablauf sicherer eingeschätzt werden können. Die Sojaschrotpreise haben ein größeres Preispotenzial nach unten, als es die derzeitigen Terminkurse für das Frühjahr 2014 anzeigen.

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