Sojaschrotkurse: steigend in USA, fallend in Europa – wer passt sich wann wem an?
Die Sojaschrotpreise in den USA zeigen seit Jahresbeginn eine Aufwärtsentwicklung, die nur durch gelegentliche Rücksetzer kurzfristig unterbrochen wurde. Demgegenüber haben sich die Hamburger Börsenkurse mit zeitweisen Schwankungen grundsätzlich nach unten bewegt. Mittlerweile ist eine so starke Annäherung zwischen beiden Kursentwicklungen eingetreten, dass die Erklärungen mit Hilfe von Terminkäufen, Wechselkursänderungen, Transportkosten, Wettbewerbsdruck von anderen Ölschroten nicht überzeugen wollen.
Die im Durchschnitt steigenden US-Sojapreise sind eine Folge der zunehmenden Verknappung der Vorräte im eigenen Lande. Die Exporte sind weit über das Ziel der Vorausschätzungen hinausgegangen und stellen die Versorgung im eigenen Lande in Frage. Die monatelangen Hoffnungen auf Stornierung der chinesischen Optionskäufe wurden bis in die jüngere Zeit enttäuscht. China hat aufgrund negativer Erfahrungen im vergangenen Jahr mit ausbleibenden Lieferungen aus Südamerika vorerst an den US-Kontrakten festgehalten.
Mittlerweile sind die chinesischen Vorratsläger überfüllt, so dass der Warenabfluss aus den USA unterbleibt. Die chinesischen Sojaschrotkurse sind seit Jahresbeginn um 11 % gefallen. Allerdings kommt die Entscheidung etwas zu spät. Soja ist in den USA bis zur neuen Ernte im Sept.-14 knapp verfügbar. Etwas Entspannung versprechen die umgelenkten chinesischen Schiffstransporte aus Brasilien in die US-Golfhäfen. Die Preisdifferenz zwischen Brasilien und den US-Häfen ist ausreichend groß, damit noch ein Geschäft zu machen. Die ganz große Entspannung ist von diesen Reimporten jedoch nicht zu erwarten, weil die Sojamengen mehr in den Veredlungsregionen im Innern des Landes als in den hafennahen Standorten gebraucht werden. Ein möglicher Transport verteuert die Ware.
Angesichts der Rekordernten in Südamerika, die im steigenden Umfange jetzt und in den nächsten Monaten angeboten werden, will eine steigende Preistendenz nicht so recht ins Bild passen. Allerdings ist für die vorderen Termine noch mit einem weltweit beachtlichen Nachholbedarf zu kalkulieren, denn die Vorratsläger in den Importgebieten sind so gut wie leergefegt. Jede angebotene Schiffsladung ist daher heiß begehrt. Aktuelle Notierungen für brasilianisches Sojaschrot im Hafen Paraganua liegen bei 375 €/t und in Rotterdam bei 435 €/t (Stand 30. Apr.-14). Die Differenz geht zu erheblichen Teilen auf die Umschlag-, Fracht und Vermarktungskosten zurück.
Die späteren Terminkurse an den führenden Börsen (Chicago auf der Angebotsseite; China auf der Nachfrageseite) zeigen jedoch deutliche Abwärtsbewegungen. Die Chicagoer Börse notiert für die Aug.-14-Lieferung Kurse um 370 € je t, für Sep.-14 rd. 343 €/t und Okt.-14 rd. 317 €/t. Gegenüber den aktuellen Maikursen von 420 €/t ist ein Kursabschlag für die Herbsttermine von 50 bis 100 € je t zu erwarten. Voraussetzung ist jedoch, dass die zukünftig erwartet günstige Versorgungslage nicht durch unvorhergesehene Ernteeinbußen speziell beim US-Sojaanbau auftreten. Die Preisabschläge in China fallen mit 50 € je t moderater aus.
Im Ergebnis werden sich die US-amerikanischen Kurse mit entsprechendem Zeitverzug den fallenden Preisentwicklungen in Südamerika anschließen müssen.
ZMP Live Expertenmeinung
In den USA steigen die vorderen Sojakurse immer noch an. Sojaschrot notiert zuletzt in Chicago bei 420 €/t. Ursache ist das US-spezifische Problem eines physisch überverkauften Marktes mit Problemen einer ausreichenden Inlandsversorgung bis zum Anschluß an die neue Ernte 2014. Reimporte sind notwendig.
Die zunehmend steigenden Lieferungen aus den südamerikanischen Rekordernten drücken zwar auf die Kurse, haben aber in den vorderen Terminen noch nicht genug Kraft aufgebaut, um den drängenden Sofort- und Nachholbedarf der Importländer Paroli bieten zu können.
Für den Spätsommer, Herbst/Winter wird mit erheblich abfallenden Sojaschrotkursen in einer Größenordnung von 50 bis 100 € je t kalkuliert. Das zeigen die Börsenkurse. Voraussetzung bleibt jedoch mindestens durchschnittliche Angebots-Nachfrageverhältnisse in der kommenden Zwischenzeit. Eine besondere Rolle spielt dabei die US-Sojaernte, deren Aussaat gerade begonnen hat.