Die Notierungen im Sojakomplex standen in der zurückliegenden Woche unter starkem Einfluss makroökonomischer und geopolitischer Entwicklungen. Während der USDA-Quartalsbericht bei den Sojabohnen eher bullische Akzente setzte (die Bestände lagen mit 316 Mio. Bushel unter den Erwartungen) überwogen letztlich die bärischen Kräfte. Die laufende US-Ernte entwickelte sich planmäßig, übte jedoch anhaltenden Druck auf die Kurse aus. Hinzu kam die gedämpfte Exportdynamik: Die wöchentlichen Inspektionszahlen lagen unter dem Niveau des Vorjahres und blieben hinter den Erwartungen zurück. Der politische Konflikt um den argentinischen Exportsteuererlass bestimmte ebenfalls das Marktgeschehen. Durch die kurzfristige Freigabe von Exporten in Milliardenhöhe, vor allem in Richtung China, sehen sich US-Händler im Nachteil. Die verärgerten Reaktionen aus der US-Regierung unterstreichen die Brisanz dieser Entwicklung. Auf der Angebotsseite berichteten brasilianische Analysten von einem außergewöhnlich frühen Start der neuen Sojasaison. Trotz unterschiedlicher Schätzungen bleibt der Trend klar: Die Aussaat ist deutlich weiter als im Vorjahr, begünstigt durch gute Wetterbedingungen.
Im Sojaschrotmarkt fehlten nachhaltige Impulse. Die Kurse bewegten sich volatil, reagierten aber empfindlich auf das schwache Umfeld. Die Sojaöl-Preise litten unter der ausbleibenden Veröffentlichung wichtiger Öl- und Fettstatistiken infolge des US-Shutdowns, was zusätzliche Unsicherheit erzeugte.
Am Canola-Markt standen zügige Erntefortschritte und eine schwache Exportnachfrage im Fokus. Trotz unter den Erwartungen liegender Produktionsschätzungen setzte sich der Preisrückgang fort. Auch Raps an der Euronext konnte dem Abwärtsdruck nur vorübergehend entkommen und pendelte zum Wochenausklang auf niedrigem Niveau.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz zunächst bullischer USDA-Zahlen konnte sich der Sojamarkt nicht von der schwachen Grundstimmung lösen. Zu dominant waren die makroökonomischen Belastungen und politischen Spannungen rund um Argentinien, das durch den Exportsteuererlass wichtige Marktanteile kurzfristig zurückgewinnt. In den USA sorgt der Shutdown für ein Informationsdefizit, das Unsicherheit schafft. Die frühe Aussaat in Brasilien deutet auf eine große Ernte hin, was mittelfristig zusätzliches Angebot erwarten lässt. Auch beim Sojaschrot bleibt die Lage angespannt, solange keine neuen Exportimpulse auftauchen. Am Canola-Markt dürfte der Erntedruck kurzfristig weiter belasten, auch wenn die Produktionsschätzungen für Kanada unter dem Erwartungswert liegen. Insgesamt bleibt der Preisdruck hoch, zumal die wichtige Käuferseite, allen voran China, bedingt durch die hohen Zölle, zögerlich reagiert.