Der Sojakomplex zeigte sich in der zurückliegenden Woche deutlich unter Druck. Zwar sorgte ein positiver Start nach Thanksgiving mit Exportbuchungen von über 1 Million Tonnen sowie einem Privatverkauf an China zunächst für freundliche Impulse bei den Bohnen, doch schon zu Wochenbeginn überwogen zunehmend Zweifel an der tatsächlichen Kaufbereitschaft Pekings. Zwar wurden einzelne Mengen an China gemeldet, doch die Gesamtzahlen bleiben weit hinter den offiziellen Erwartungen zurück. So müsste China bis Jahresende rein rechnerisch noch rund 9 Millionen Tonnen Sojabohnen in den USA ordern, um frühere Zusagen einzulösen. Hinweise auf neue Abschlüsse blieben jedoch aus. Stattdessen machten Gerüchte die Runde, dass China erneut in Brasilien aktiv geworden sei, zumal Brasiliens Exporte für Dezember laut Anec deutlich über dem Vorjahreswert liegen könnten. Auftrieb versprachen sich US-Farmer von angekündigten Finanzhilfen durch die US-Regierung, konkrete Details stehen aber noch aus. Bei Sojaschrot dominierten ebenfalls Abgaben. Die Exportzahlen fielen schwach aus und lagen in allen Segmenten unter den Schätzungen.
Auch bei Canola und Raps setzte sich die schwache Tendenz fort. Trotz eines insgesamt festen Ölmarkts gaben die Notierungen in Winnipeg an fünf Handelstagen in Folge nach. Bremsend wirkte die neue Ernteschätzung von Statistics Canada, die für 2025/26 nun bei 21,8 Millionen Tonnen liegt. Das wäre ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Auch die australische Canola-Ernte wird mit 7,2 Millionen Tonnen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt erwartet. An der Euronext in Paris folgten die Rapsnotierungen den globalen Vorgaben und schlossen die Woche ebenfalls mit einem Minus ab.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz einzelner Lichtblicke bleibt der Sojamarkt zurzeit von Unsicherheit geprägt. Die Nachfrage aus China verläuft schleppend, was Zweifel an der Erfüllung angekündigter Importziele aufkommen lässt. Neue Abschlüsse stützen zwar punktuell, reichen aber nicht aus, um den allgemeinen Abwärtstrend zu stoppen. Auf der Angebotsseite belastet das steigende Exportvolumen aus Brasilien zusätzlich. Im Canola- und Rapssegment wirken die starken Ernteprognosen in Kanada und Australien weiter preisdämpfend. Kurzfristig bleibt der Markt somit unter Druck. Erst neue politische Impulse oder größere chinesische Käufe könnten eine Kehrtwende einleiten.