Der Sojakomplex startete schwach in die Woche, geprägt von Verlusten bei Sojabohnen und Sojaschrot an der CBoT. Belastend wirkten vor allem Meldungen aus Argentinien, wo sich der Zustand der Sojabestände weiter verschlechterte. Zwar lag der Anteil der Flächen mit der Bewertung gut/ausgezeichnet noch über dem niedrigen Vorjahresniveau, doch die fortgesetzten Abwärtskorrekturen nährten Sorgen über Ertragseinbußen. Zusätzlich enttäuschten die US-Exportzahlen, die sowohl unter dem Vorjahreswert als auch unter dem üblichen Verkaufstempo blieben. Zur Wochenmitte stabilisierte sich der Markt vorübergehend, nachdem die US-Sojabohnenverarbeitung im Dezember zwar hinter den Erwartungen zurückblieb, im Monats- und Jahresvergleich jedoch zulegen konnte. Auch rückläufige EU-Importe wurden zur Kenntnis genommen, ohne jedoch einen klaren Impuls zu setzen.
Gegen Ende der Woche schlug die Stimmung deutlich ins Positive um. Ein Post von US-Präsident Donald Trump zu angeblich höheren chinesischen Importzielen für US-Sojabohnen entfachte eine kräftige Rally, die Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl gleichermaßen erfasste. Trotz spürbarer Skepsis unter Analysten überwogen am Markt die Hoffnungen auf eine Belebung des Chinageschäfts, zumal zuvor ein deutlicher Rückgang der Lieferungen befürchtet worden war. Enttäuschende USDA-Exportmeldungen traten dadurch in den Hintergrund. Unterstützt wurde der gesamte Ölsaatenkomplex zudem von festen Vorgaben am Energiemarkt.
Canola in Winnipeg profitierte im Wochenverlauf von der Stärke des Sojakomplexes und von neuen Leitlinien zur US-Steuergutschrift für saubere Kraftstoffe, die nordamerikanische Rohstoffe begünstigen. Auch Raps an der Euronext Paris folgte dem positiven Trend und legte kontinuierlich zu.
ZMP Live Expertenmeinung
Kurzfristig dürfte der Ölsaatenmarkt weiter stark von politischen Aussagen und deren Glaubwürdigkeit abhängen. Die Rally zeigt, wie sensibel der Handel auf mögliche China-Impulse reagiert. Gleichzeitig bleiben die Fundamentaldaten gemischt, da Exporte und Verarbeitung nicht durchweg überzeugen. Die Entwicklung der Sojabestände in Argentinien bleibt ein Risikofaktor mit potenziell preistreibender Wirkung. Für Canola und Raps könnten biokraftstoffpolitische Vorgaben zusätzliche Unterstützung liefern. Insgesamt erscheint das Aufwärtspotenzial vorhanden, jedoch anfällig für schnelle Stimmungswechsel.