Der Sojakomplex beendete die Vorwoche mit einer insgesamt ruhigen, leicht festen Tendenz. Die Kurse orientierten sich zunächst an den Gewinnen der Vortage, während Marktteilnehmer vor allem auf neue Daten zur Verarbeitung von Fetten und Ölen in den USA warteten. Die vom US Landwirtschaftsministerium gemeldete Verarbeitung im Januar lag mit rund 227,8 Mio. Bushel nahe den Erwartungen und brachte entsprechend kaum neue Impulse. Belastend wirkten dagegen steigende Sojaölbestände. Parallel richtete sich der Blick zunehmend auf Südamerika. Mehrere Analysehäuser reduzierten ihre Prognosen für die brasilianische Sojabohnenernte leicht auf rund 178 Mio. t, während der Erntefortschritt weiterhin hinter dem Vorjahresniveau zurückbleibt. Dennoch blieb das erwartete Produktionsniveau hoch und dämpfte zwischenzeitlich die Kauflaune. Geprägt war der Markt diese Woche jedoch von geopolitische Entwicklungen. Der Konflikt im Nahen Osten sorgte für deutliche Bewegungen an den Energiemärkten, was zeitweise auch den Sojabohnen Auftrieb verlieh. Dennoch gerieten Fundamentaldaten immer wieder stärker in den Fokus. Dazu gehörten schwache US Exportbuchungen sowie die Aussicht auf umfangreiche Lieferungen aus Brasilien, deren Ausfuhren im März erneut steigen könnten. Zum Wochenschluss stützte vor allem die kräftige Rohölrally die Notierungen, während Sojaschrot überwiegend unter Druck blieb.
Auch am Raps und Canolamarkt bestimmten internationale Entwicklungen das Bild. Zuletzt sorgte die Entscheidung Chinas, Zölle auf kanadische Agrarimporte teilweise auszusetzen, für kräftige Aufschläge bei Canola. Diese Nachricht nährte Hoffnungen auf eine Belebung des Handels mit dem wichtigen Absatzmarkt. Im weiteren Verlauf blieb der Markt volatil und orientierte sich teilweise an den Vorgaben der konkurrierenden Pflanzenölmärkte. Kurzzeitig geriet der Raps in Paris unter Druck, ehe steigende Energiepreise und das insgesamt freundlichere Umfeld wieder Unterstützung brachten. Aufmerksamkeit galt zudem den kanadischen Flächenprognosen. Die erwartete Canola Anbaufläche fiel mit 21,8 Mio. acres etwas kleiner aus als vom Markt erwartet. Allerdings verwiesen Händler darauf, dass die Datenerhebung noch vor dem jüngsten Handelsabkommen mit China erfolgt war und mögliche Nachfrageimpulse daher nicht berücksichtigt.
ZMP Live Expertenmeinung
Der Ölsaatenmarkt steht derzeit im Spannungsfeld zwischen geopolitischen Risiken und sehr komfortablen Angebotsaussichten in Südamerika. Besonders die erwartete große brasilianische Sojabohnenernte dürfte den internationalen Wettbewerb in den kommenden Wochen verschärfen. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Exportzahlen aus den USA, dass die Nachfrage nicht uneingeschränkt mithalten kann. Kurzfristig könnten allerdings Energiepreise weiterhin als wichtiger Stimmungsfaktor wirken, insbesondere für Sojaöl und den gesamten Pflanzenölkomplex. Auch die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen China und Kanada bleibt für den Canolamarkt relevant. Für die nächste Zeit bleibt das Thema um den Iran dominierend. Entscheidend wird sein, ob es der internationalen Staatengemeinschaft gelingt eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. Zur Zeit ist ein baldiges Ende des Konfliktes nicht in Sicht und lässt weiter steigende Energiepreise vermuten.