In der zurückliegenden Woche bestimmten politische Spannungen und schwache Exportzahlen das Geschehen an den Ölsaatenmärkten. Vor allem der Sojamarkt geriet durch einen erneut aufflammenden Handelskonflikt zwischen den USA und China kräftig unter Druck. Ein Truth-Social-Beitrag von Präsident Donald Trump aus der Vorwoche, in dem er China scharf kritisierte, sorgte für erhebliche Verunsicherung an den Börsen und drückte die Sojakurse zunächst auf ein Mehrwochentief. Peking konterte mit ähnlichen Vorwürfen, doch gegen Ende der Woche folgte die Überraschung: Trump und Chinas Präsident Xi telefonierten früher als erwartet – ein Signal der Entspannung, das dem Markt Auftrieb verlieh.
Trotz dieses diplomatischen Hoffnungsschimmers bleibt das fundamentale Bild angespannt. Die Exportnachfrage nach US-Sojabohnen ist auffallend schwach. Die jüngsten Ausfuhren lagen zwar leicht über dem Vorwochenwert, aber deutlich unter dem Vorjahresniveau. Auch die Verkäufe von Sojaschrot und -öl blieben liegen zwar im Bereich der Erwartungen, jedoch am unteren Ende.
Während politische Unsicherheiten dominieren, gerieten auch klimatische und währungstechnische Faktoren hinsichtlich Canola zunehmend in den Fokus. In den westlichen Präriestaaten Kanadas sorgten Niederschläge in der Vorwoche zwar für etwas Entspannung, reichten aber vielerorts nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Gleichzeitig belastete ein starker kanadischer Dollar die Canola-Preise in Winnipeg. Die Verunsicherung rund um die neue Ernte bleibt groß – nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Australien, wo die Ernteprognose aufgrund anhaltender Trockenheit gesenkt wurde.
Der Rapsmarkt in Europa zeigte sich von diesen Turbulenzen vergleichsweise unbeeindruckt. An der Euronext in Paris bewegten sich die Preise in einem engen Korridor und entwickelten sich stabil. Unterstützend wirkte dabei vor allem die relative Knappheit der alten Ernte sowie das internationale Umfeld bei den Pflanzenölen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Ölsaatenmärkte bleiben in einem fragilen Gleichgewicht. Politische Entwicklungen – insbesondere zwischen den USA und China – könnten kurzfristig für heftige Kursbewegungen sorgen. Die Nachfrage, vor allem aus China, bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Solange keine klare Trendwende bei den Exporten erkennbar ist, dürfte der Markt nervös bleiben. Gleichzeitig hängt vieles von den Wetterverhältnissen in den kommenden Wochen ab: Sollte sich die Trockenheit in Nordamerika und Australien verschärfen, schlägt sich das schnell auf den Preis nieder.