Nach dem erfolgreichen Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten der USA und Chinas startete der Markt euphorisch in die Woche. Die Zusage Pekings, bis Januar bis zu 12 Millionen Tonnen US-Sojabohnen zu importieren, ließ die Kurse zunächst deutlich steigen. Zusätzliche Impulse kamen durch ein überraschendes Abkommen mit Bangladesch, das US-Bohnen im Wert von rund einer Milliarde Dollar abnehmen soll. Doch bereits zur Wochenmitte begann die Euphorie spürbar zu bröckeln. Händler verwiesen auf die weiterhin hohen Importzölle Chinas und zunehmende Aktivitäten Pekings auf dem brasilianischen Markt. Die unklare Datenlage infolge des US-Regierungsstillstands trug zur Unsicherheit bei. Bis Freitag fielen die Preise deutlich zurück. Dies lag unter anderem daran, dass bei einer medial begleiteten Kaufzeremonie der chinesischen Cofco keine Mengenangaben gemacht wurden. Belastend wirkte zudem der starke Anstieg der brasilianischen Exporte. Laut Anec könnten sie im November auf fast 3,8 Millionen Tonnen steigen, was einem erheblichen Zuwachs zum Vorjahr entspräche.
Im Sojaschrotmarkt folgten die Kontrakte zunächst dem Aufwärtstrend, gerieten aber rasch wieder unter Druck. Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der bislang zögerlichen Entwicklung der Exporte. Auch hier fehlen offizielle Zahlen, die Schätzungen reichen jedoch von verhalten bis solide. Beim Sojaöl blieb die Nachrichtenlage überschaubar, die erwarteten Verkaufsvolumina bewegen sich auf niedrigem Niveau.
Im Raps- und Canolamarkt dominierten politische Unsicherheiten. Zwar kam es vereinzelt zu Kursaufschlägen, doch blieben diplomatische Fortschritte im Streit zwischen Kanada und China aus. Gegen Ende der Woche drückten Verluste beim Sojakomplex sowie steigender Konkurrenzdruck auch in Paris die Preise deutlich ins Minus.
ZMP Live Expertenmeinung
Die jüngsten Vereinbarungen mit China haben den Sojamarkt zunächst beflügelt, doch scheint der Optimismus bereits wieder verflogen. Die Kombination aus fehlender Transparenz infolge des US-Shutdowns, anhaltender chinesischer Importzölle und der starken brasilianischen Konkurrenz hat viele Marktteilnehmer vorsichtiger werden lassen. Entscheidend wird sein, ob und in welchem Tempo die angekündigten Käufe tatsächlich im USDA-Meldesystem auftauchen. Im Sojaschrot- und Sojaölmarkt bleibt die Nachfrage bislang gedämpft. Beim Raps zeigt sich der Markt ebenfalls richtungslos, auch wegen der politischen Hängepartie zwischen Kanada und China. In Summe dürfte der Sojakomplex zunächst unter Druck bleiben, es sei denn, belastbare Exportzahlen schaffen neue Impulse.