Die Sojabohnenmärkte erlebten in dieser Woche eine Achterbahnfahrt, geprägt von schwankenden Exportimpulsen, Rekorderwartungen bei den US-Erträgen und Konkurrenzdruck aus Südamerika. Zum Wochenstart behaupteten sich die Bohnen trotz Handelszoll-Sorgen und der anhaltenden Kaufzurückhaltung Chinas, während der Sojaschrotmarkt von einer kräftigen Gegenbewegung profitierte. Stützend wirkten überraschend hohe US-Exportinspektionen, die auf ein Sechsjahreshoch für diese Jahreszeit kletterten. Deutschland und Ägypten waren die führenden Abnehmer.
Zur Wochenmitte drückte eine Schätzung von S&P Global die Stimmung: Mit erwarteten 53,5 bushel/acre (~ 36 dt/ha) lägen die Flächenerträge deutlich über der USDA-Prognose und auf Rekordkurs. Trotz anhaltender chinesischer Zurückhaltung zeigten die Juni-Zensusdaten solide US-Sojaexporte. Ein erneuter Preisrückgang folgte, auch belastet durch die Erwartung einer Hitzewelle in Teilen der Anbaugebiete. Zum Wochenschluss sorgten starke US-Exportverkäufe - sowohl aus alter als auch aus neuer Ernte - für Auftrieb. Die Verkäufe neuer Ernte erreichten ein Jahreshoch, während Brasilien im Juli mit 12,3 Mio. t einen Exportrekord für diesen Monat verbuchte. China importierte im Juli so viele Sojabohnen wie nie zuvor für diesen Monat, auch wenn das Vormonatsergebnis knapp verfehlt wurde.
Am Canola-Markt überwogen zunächst Abgabedruck und wetterbedingte Belastungsfaktoren in den Präriestaaten. Niederschläge in trockenen Regionen und ein schwaches Umfeld drückten die Notierungen zeitweise auf ein Zweimonatstief. Gegen Ende der Woche setzte eine Erholung ein, gestützt von knappen Altbeständen und solider Endverbrauchernachfrage. Dennoch schlägt die aggressive Preispolitik der Australier, die auf den chinesischen Markt drängen derzeit auf die Stimmung der Händler. An der Euronext in Paris folgte Raps dem wechselhaften Muster: frühe Verluste, gefolgt von einer leichten Stabilisierung und einem Wochenfinish im Plus.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Ölsaatenmärkte stehen derzeit zwischen zwei starken Kräften: Auf der einen Seite drückt die Aussicht auf rekordverdächtige US-Erträge in Verbindung mit einer üppigen brasilianischen Versorgung auf das Preisniveau. Auf der anderen Seite stabilisieren kräftige US-Exportverkäufe und die anhaltend hohe globale Nachfrage, allen voran aus China, die Kurse. Für Canola bleibt das Wetter in den Präriestaaten ein entscheidender Faktor, wobei die jüngsten Niederschläge kurzfristig preisdämpfend wirken könnten. Raps in Paris könnte sich bei einer anhaltend festen Nachfrage im Endverbrauchersegment fangen. Insgesamt erscheint eine Seitwärtsbewegung mit erhöhter Volatilität wahrscheinlicher als ein klarer Trend , es sei denn Wetter oder Handelsströme liefern neue Impulse.