Die Notierungen im Sojakomplex zeigten sich in der zurückliegenden Woche schwankungsanfällig. Der Markt startete mit leichten Verlusten bei Sojabohnen und Sojaschrot, wobei die enttäuschenden Exportzahlen im Vergleich zum Vorjahr sowie die anhaltende Zurückhaltung Chinas infolge des Handelsstreits belastend wirkten. Dass Mexiko, Ägypten und Pakistan zwar größere Abnehmer waren, konnte die strukturelle Schwäche durch das Ausbleiben chinesischer Käufe nicht kompensieren. Zur Wochenmitte sorgten Analystenschätzungen für eine gewisse Stabilisierung, nachdem die Marktteilnehmer von einer leicht rückläufigen Ernteerwartung in den USA ausgegangen waren. Diese Schätzungen gewannen besondere Bedeutung, da der monatliche Wasde-Report infolge des anhaltenden Regierungsstillstands verschoben wurde. Allerdings weckten politische Spannungen zwischen China und den USA zum Wochenschluss neue Zweifel an einer baldigen Entspannung, was zu erneuten Verlusten bei Sojabohnen und Sojaschrot führte. Die massive Verschärfung im Ton Chinas bezüglich dem Handel mit den seltenen Erden, sorgt für mehr Druck, da dem Sojakomplex in den Verhandlungen eventuell eine geringere Priorität eingeräumt werden könnte. International für Aufmerksamkeit sorgte Brasilien, mit der Meldung über stark gestiegene Exporte, die auf einen Rekordkurs zusteuern.
Am Rapsmarkt präsentierte sich das Bild uneinheitlich. In Kanada gerieten die Canola-Notierungen zeitweise unter Druck, begünstigt durch günstiges Erntewetter und Berichte über überdurchschnittliche Erträge, während gleichzeitig logistische Engpässe bei Verarbeitungsbetrieben vermeldet wurden. Neue Absatzperspektiven, wie ein bilaterales Abkommen zwischen der kanadischen Provinz Saskatchewan und Indonesien, könnten mittelfristig entlastend wirken. An der Euronext schwankten die Rapspreise teils stark, zogen zum Wochenschluss jedoch an.
ZMP Live Expertenmeinung
Die aktuelle Gemengelage am Ölsaatenmarkt bleibt angespannt. Während Analysten den Ausfall offizieller USDA-Daten durch eigene Schätzungen kompensieren, fehlt dem Markt damit dennoch eine zentrale Orientierung. Der Handelsstreit zwischen China und den USA stellt unverändert eine erhebliche Belastung für die Preisentwicklung dar, insbesondere bei Sojabohnen. Die steigenden brasilianischen Exporte zeigen, wohin sich die Nachfrage derzeit verlagert. Kurzfristig könnten politische Impulse vom geplanten Gipfeltreffen Ende Oktober neue Dynamik bringen. Bis dahin dürften schwankungsanfällige Kurse das Bild prägen. Beim Raps könnte die Erwartung überdurchschnittlicher Erträge in Kanada kurzfristig preisdämpfend wirken, auch wenn einzelne logistische Engpässe in der Verarbeitung dagegenhalten. Momentan profitiert Europa allerdings von einem schwächeren Euro.