Zu Wochenbeginn richteten sich alle Augen auf das politische Aufeinandertreffen zwischen den USA und China. Vertreter von Donald Trump und Xi Jinping trafen sich – diesmal nicht am Telefon, sondern direkt in London. Die Erwartungen waren groß, die Erleichterung nach dem Gespräch zunächst auch. Doch wer gehofft hatte, dass nun eine klare Richtung für den Agrarhandel vorgegeben würde, wurde schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Aussagen blieben vage. Sojabohnen reagierten mit einem Auf und Ab. Der Markt scheint derzeit nach einem Anker zu suchen. Zwar konnten die USA neue Abnehmer für ihre Bohnen finden – Mexiko, Japan, Ägypten –, doch das Fehlen Chinas als früherem Hauptkunden lastet schwer.
Am Donnerstag schließlich das vermeintlich große Finale: Ein Abkommen zwischen Washington und Peking. Denn im Deal fehlte das, worauf die Sojahändler seit Monaten warten – eine klare Botschaft zugunsten des Agrarsektors. Die Euphorie hielt kaum länger als ein Nachmittag. Stattdessen rücken wieder altbekannte Faktoren ins Rampenlicht: Wetterdaten, Pflanzbedingungen und der Blick auf den anstehenden USDA-Bericht. Dann sorgte am heutigen Freitag ein geopolitischer Paukenschlag für Bewegung: Israels Angriff auf den Iran ließ den Ölpreis steigen – und mit ihm Sojaöl.
Canola ging diese Woche auf kleine Rallye. Während Raps in Paris eher schwächelte, sorgten in Kanada vor allem trockene Böden und Wetterängste für steigende Kurse. Die Erwartung kräftiger Regenfälle in Alberta dämpfte die Stimmung nicht. Viele Marktteilnehmer spekulieren bereits darauf, dass die vorhandenen Niederschlagsmengen zu gering sind, um eine Wende zu bringen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Ölsaatenmärkte bleiben stark von geopolitischen Entwicklungen geprägt. Solange der US-chinesische Handelskonflikt keine klaren Perspektiven für den Agrarsektor bietet, dürfte die Volatilität hoch bleiben. Wetterbedingungen in Nordamerika sowie die Entscheidung der US-Umweltbehörde zur Biokraftstoffquote werden die Märkte in den kommenden Wochen beeinflussen. Kurzfristig könnten geopolitische Spannungen wie im Nahen Osten zusätzliche Preisschwankungen auslösen. Noch ist nicht absehbar wie stark der Konflikt eskalieren wird.