Der Sojakomplex zeigte sich in dieser Berichtswoche mit deutlicher Aufwärtsdynamik, getragen von überraschend restriktiven USDA-Zahlen im Wasde-Bericht und politischen Impulsen aus Washington. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump die Zollpause mit China um weitere 90 Tage zu verlängern, sorgte zu Wochenbeginn für kräftige Kursgewinne bei Sojabohnen und Sojaschrot, obwohl Marktanalysten die von Trump geforderte Vervierfachung chinesischer Käufe als unrealistisch einstuften. Die USDA-Prognose einer kleineren US-Sojaernte von 116,8 Millionen Tonnen trotz rekordverdächtiger Flächenerträge von 53,6 bushel je acre (~ 3,6 t/ha) setzte im Wochenverlauf weitere bullische Akzente. Entscheidend war dabei vor allem der Rückgang der Anbaufläche auf den niedrigsten Stand seit ungefähr zwölf Jahren, was Sorgen über eine mögliche Unterversorgung im Inland verstärkte. Während die globalen Produktionszahlen für Brasilien und Argentinien unverändert blieben, führten gesenkte US-Endbestandsprognosen zu zusätzlicher Unterstützung. Canola stand dagegen unter starkem Druck, da China einen Antidumpingzoll von 75,8 Prozent auf kanadische Canolaimporte ankündigte, was die ICE-Notierungen zeitweise um mehr als 30 kanadische Dollar einbrechen ließ und auch den Rapsmarkt an der Euronext belastete. Erst im weiteren Wochenverlauf kam es zu einer technischen Gegenbewegung, begünstigt durch einen stark überverkauften Markt. Der Raps an der Euronext folgte dem internationalen Umfeld mit moderaten Gewinnen, doch die Stimmung bleibt angesichts der chinesischen Handelspolitik und der starken südamerikanischen Konkurrenz verhalten.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Sojanotierungen profitieren derzeit von einem seltenen Zusammenspiel aus knapper US-Anbaufläche und politischer Entspannung im Handelsstreit mit China. Kurzfristig dürfte die bullische Stimmung anhalten, solange keine belastenden Produktionsmeldungen aus den US-Anbauregionen eintreffen. Allerdings könnte das aktuell hohe Preisniveau die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporte rasch schmälern, vor allem angesichts der starken Ernteerwartungen in Südamerika. Bei Canola bleibt die Lage angespannt, denn der massive chinesische Zoll stellt den kanadischen Exportmarkt vor eine langanhaltende Belastungsprobe. Auch für den Raps in Paris könnten schwankende Vorgaben aus Übersee kurzfristig für Bewegung sorgen.