Die Sojamärkte starteten mit einem herben Rückschlag in die Handelswoche. Entgegen den Erwartungen hob das USDA die US-Ernte leicht an und überraschte zudem mit höheren Lagerbeständen. Diese Entwicklung wirkte besonders vor dem Hintergrund der schwächelnden Exportbilanz belastend, auch wenn China zuletzt wiederholt größere Mengen orderte. Brasilien bleibt im Fokus des Marktes: Während die US-Schätzungen von 178 Millionen Tonnen ausgehen, senkte Brasiliens Agrarbehörde Conab ihre eigene Prognose leicht, während das Beratungsunternehmen Agroconsult ein neues Rekordniveau erwartet. Die widersprüchlichen Angaben sorgten für Unsicherheit, zumal die Wetterlage in vielen Anbauregionen weiterhin günstig erscheint. In Argentinien belasten hingegen zunehmende Trockenphasen die Bestandsbewertungen. Kurzzeitig sorgten starke US-Exportzahlen und ein überdurchschnittlicher NOPA-Crush für eine Erholung bei Sojabohnen, während Sojaschrot sich schwächer entwickelte.
Der Rapsmarkt in Europa zeigte sich im Wochenverlauf volatil. Nach anfänglicher Schwäche sorgte ein starker Impuls aus dem Canola-Markt für Rückenwind. Hier beflügelte die Hoffnung auf eine Entspannung im kanadisch-chinesischen Handelskonflikt die Notierungen, auch wenn Analysten die Erwartungen an den bevorstehenden Staatsbesuch dämpften. Canola schwankte teils heftig zwischen Gewinnen und Verlusten, was sich auch auf die Euronext übertrug. Insgesamt blieb der Markt jedoch fest genug, um sich nach der USDA-induzierten Schwäche wieder zu stabilisieren. Der Raps profitierte zum Wochenschluss zusätzlich von festen Preisen bei Pflanzenölen, darunter auch Sojaöl, das sich dem Abwärtssog zumindest teilweise entziehen konnte.
ZMP Live Expertenmeinung
Die USDA-Daten zum Wochenstart trafen den Sojamarkt empfindlich und entfalteten über mehrere Handelstage hinweg bärischen Druck. Die US-Bestände sind höher als erwartet, zugleich trübt die Aussicht auf eine üppige brasilianische Ernte die Stimmung. Dennoch zeigen sich die Nachfrageindikatoren zuletzt stabiler: Große Exportbuchungen, insbesondere durch China, sowie ein starker Verarbeitungsmonat in den USA senden bullische Signale. Entscheidend bleibt die Entwicklung in Südamerika, wo Wetter- und Erntedaten weiterhin stark divergieren. Kurzfristig könnte der Markt volatil bleiben, mittel- bis langfristig orientieren sich die Händler stärker an der tatsächlichen Ernteentwicklung in Brasilien und Argentinien. Auch bei Canola dürften die Gespräche zwischen Kanada und China richtungsweisend werden.