Der Sojamarkt wurde zu zum Ende letzter Woche von der politischen Eskalation zwischen den USA und China erschüttert. Eine Drohung des US-Präsidenten mit Strafzöllen ließ die Notierungen am Freitag deutlich abrutschen. Zwar beruhigte sich die Lage rasch nach diplomatischen Deeskalationsversuchen, doch das Vertrauen in eine baldige Normalisierung des bilateralen Handels blieb brüchig. Entsprechend zurückhaltend reagierten die Kurse, auch nachdem das USDA Exportinspektionen von knapp einer Million Tonnen meldete. Die Werte lagen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres, was die strukturelle Schwäche des US-Sojaexports unterstreicht. Hinzu kam im weiteren Verlauf erneut politischer Druck von Präsident Trump, der öffentlich Chinas Kaufverzicht kritisierte und Importbeschränkungen für Speiseöl in den Raum stellte. Da China mit Zöllen und Einschränkungen bei den seltenen Erden droht, wächst die Sorge, dass der Sojakomplex nicht mehr im Zentrum der anstehenden Verhandlungen steht.
Fundamentale Impulse kamen aus Brasilien. Dort wurde eine Rekordfläche gemeldet, und auch die Produktionsschätzungen bleiben auf Höchstniveau. Dennoch sorgten hohe Prämien für eine geringere Kaufbereitschaft seitens Chinas. Marktbeobachter rechnen damit, dass Peking mittelfristig auf staatliche Lagerbestände zurückgreifen muss, sollte sich der Importverzicht gegenüber den USA fortsetzen. Die Verarbeitungskapazität in den USA legte zuletzt deutlich zu, was sich in starken NOPA-Zahlen widerspiegelte. Die Sojaschrotpreise profitierten davon, während Sojaöl auf breiter Front nur verhalten reagierte.
Am Rapsmarkt konnte sich die Euronext nach dem Wochenauftakt erholen, verlor zum Wochenschluss jedoch wieder an Boden. Die Canola-Futures zeigten eine ähnliche Entwicklung. Hoffnungen auf eine Normalisierung des Handels zwischen Kanada und China sorgten zeitweise für Auftrieb, wurden zum Wochenende aber von Gewinnmitnahmen und globalem Preisdruck gebremst.
ZMP Live Expertenmeinung
Die geopolitische Lage bleibt das zentrale Risiko für den Sojamarkt. Zwar wurde die Eskalation zwischen Washington und Peking vorerst entschärft, doch die Aussagen Trumps zeigen, wie schnell neue Unruhe entstehen kann. Gleichzeitig drückt der Ausblick auf Brasiliens Rekordernte die Stimmung. Selbst stabile Verarbeitungszahlen in den USA und eine positive Entwicklung beim Sojaschrot reichen derzeit nicht aus, um eine klare Aufwärtsbewegung zu etablieren. Die kurzfristige Hoffnung auf eine Entspannung der Handelsbeziehungen zwischen Kanada und China wurde zum Wochenschluss gedämpft. Insgesamt bleibt der Ölsaatenmarkt stark anfällig für politische und fundamentale Schwankungen.