Der Sojakomplex zeigte sich in der Berichtswoche uneinheitlich. Zu Beginn sorgte der überraschend bullische Marktverlauf nach dem Wasde-Report für Verwirrung, da das USDA seine Prognosen für Anbaufläche, Ertrag und Gesamtproduktion entgegen der Erwartungen anhob. Viele Marktteilnehmer deuteten die Kurszuwächse vom Freitag zuvor als technische Erholung am vermeintlichen Jahrestief. Spätestens zur Wochenmitte setzte jedoch wieder Ernüchterung ein: Mit Blick auf die steigenden brasilianischen Ernteerwartungen sowie die schleppenden US-Verhandlungen mit China geriet der Markt erneut unter Druck. Hoffnung keimte zwischendurch durch eine angekündigte Telefonkonferenz zwischen Donald Trump und Xi Jinping auf, was am heutigen Freitag stattfinden wird. Doch konkrete Fortschritte blieben aus, ebenso wie eine erste chinesische Sojabohnenbestellung der laufenden Saison. Die Exportzahlen fielen hingegen solide aus. Auch die US-Verarbeitung erreichte im August laut NOPA einen neuen Monatsrekord. Letztlich konnten diese positiven Faktoren die bärische Grundstimmung jedoch nicht dauerhaft drehen.
Bei Raps und Canola verlief die Woche ähnlich wechselhaft. Canola wurde zunächst von optimistischen Signalen aus einem chinesisch-kanadischen Handelsdialog gestützt, ehe Ernterückmeldungen und die Bekanntgabe niedriger Exportvolumina den Druck erhöhten. Die kanadische Statistikbehörde bezifferte die erwartete Canola-Ernte auf 20,03 Mio. Tonnen, ein leichtes Plus gegenüber August. Für Sojabohnen in Kanada wird hingegen ein Rückgang erwartet. In Brasilien hob Conab die Prognose für die kommende Sojabohnenernte auf 177,67 Mio. Tonnen an. Die steigenden weltweiten Angebotsprognosen sowie rückläufige Palmölpreise belasteten gegen Ende der Woche zusätzlich. Ein Lichtblick blieb der europäische Rapsmarkt, der sich stabil zeigte und zuletzt deutlich zulegen konnte.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Ölsaatenmärkte bleiben stark von geopolitischen Entwicklungen und neuen Ernteschätzungen geprägt. Während sich bei Soja punktuell Hoffnung auf eine Belebung der chinesischen Nachfrage zeigt, fehlt es bislang an konkreten Abschlüssen. Die jüngsten Aussagen aus dem politischen Umfeld werden genau beobachtet, haben aber noch keine nachhaltige Wirkung entfaltet. Das Angebotsbild bleibt global betrachtet komfortabel, sowohl in Nord- als auch Südamerika. Entsprechend könnte jeder weitere Fortschritt im China-Handel kurzfristig bullische Impulse setzen, doch die übergeordneten Fundamentaldaten sprechen derzeit für ein anhaltend bärisches Umfeld. Beim Raps zeigen sich europäische Preise stabiler, doch auch hier steht die Konkurrenz durch Canola aus Kanada zunehmend im Fokus. Insgesamt ist kurzfristig eher mit volatilen Seitwärtsbewegungen als mit klaren Trends zu rechnen.