Die Ölsaatenpreise gingen nach einer kurzen Rally ab Mittwoch wieder in den Rückwärtsgang. Raps verlor in den letzten beiden Handelstag die Zuwächse der ersten Wochenhälfte und notiert aktuell wieder unter dem Niveau vom vergangenem Freitag. Gestern Abend stand zur Schlussglocke ein Kurs von 456,75 Euro/t auf der Anzeigetafel. Am heutigen Freitag wird bis zum frühen Nachmittag ein Tagestief von 448,00 Euro/t gehandelt. Es gab zwar wenig fundamentale neue Neuigkeiten für Raps, dennoch vermochte der Importstopp, ausgesprochen von Ungarn und Polen, für ukrainisches Getreide und die Exportverzögerungen über die Schwarzmeerroute für kräftige Kursaufschläge zu sorgen. Mit Wideraufnahme der Inspektionen der ukrainischen Agrargüterschiffe und der politischen Einigung zwischen der Ukraine und Polen schalteten die Ölsaaten insgesamt wieder in den Rückwärtsgang. Die EI-Importe von Raps und Sonnenblumen sind gegenüber dem letzten Wirtschaftsjahr weiterhin hoch. Rund 2,15 Mio. Tonnen Raps und 1,6 Mio. Tonnen Sonnenblumen wurden im bisherigen Wirtschaftsjahr gegenüber dem Vorangegangenen mehr eingeführt. Rückläufig haben sich hingegen die Sojaimporte entwickelt. In Kanada sorgt eine Schlechtwetterfront für Verzögerung der Canola-Aussaat.
Der Sojamarkt blickt in dieser Woche weiterhin nach Südamerika. Die Prognosen für Argentinien bleiben auf reduziertem Niveau. Die Zustandsbewertungen der Pflanzen sind schlecht und die bereits begonnene Ernte deutet teilweise darauf hin, dass die Produktion wohl noch etwas geringer ausfallen dürfte als bisher angenommen. In den USA haben die Farmer mit der Aussaat begonnen, das Tempo dürfte aber aktuell etwas langsamer ausfallen, da Wetterberichte ungünstige Bedingungen in den kommenden Tagen vorhersagen. An der CBoT enttäuschten zudem in dieser Woche die Exportbuchungen. Lediglich 100.000 Tonnen Bohnen wurden in der vergangenen Woche gebucht, das ist gegenüber der Vorwoche ein Rückgang von 73 Prozent. Der Internationale Getreiderat hat gestern seine Prognose für die globale Sojaproduktion für die kommende Saison erhöht und rechnet mit einer Erntemenge von 401 Mio. Tonnen. Das ist nicht nur ein Plus von 2 Mio. Tonnen gegenüber der März-Schätzung des IGC sondern würde auch die diesjährige Ernte um 31 Mio. Tonnen übertreffen.
| Kassamärkte im Blick | Euro/Tonne | ||||||||||
| Raps | 23. Mrz. | 30. Mrz. | 5. Apr. | 13. Apr. | 20. Apr. | +/- | |||||
| Hamburg | 437,00 | 481,00 | 459,00 | 435,00 | 459,00 | 24,00 | |||||
| Straubingen | 434,00 | 481,00 | 460,00 | 436,00 | 460,00 | 24,00 | |||||
| Sojaschrot | |||||||||||
| Hamburg | 520,00 | 516,00 | 505,00 | 502,00 | 484,00 | -18,00 | |||||
| Magdeburg | 530,00 | 526,00 | 515,00 | 512,00 | 494,00 | -18,00 | |||||
| Mainz | 535,00 | 539,00 | 526,00 | 526,00 | 509,00 | -17,00 | |||||
| Rapsschrot | |||||||||||
| Hamburg | 343,00 | 338,00 | 338,00 | 338,00 | 338,00 | 0,00 | |||||
| Hamm | 345,00 | 340,00 | 343,00 | 366,00 | 359,00 | -7,00 | |||||
| Niederrhein | 340,00 | 340,00 | 340,00 | 357,00 | 353,00 | -4,00 | |||||
Ölsaaten-Aktualisieren,
Update Ölsaaten vom 25.04.2023
Zum Wochenauftakt legte Raps zu. An der Euronext/Matif stand gestern ein Schlusskurs von 459 Euro/t für den Frontmonat Mai auf der Anzeigetafel und damit 2,50 Euro mehr als am vergangenen Freitag. Mit Handelsstart heute zeigen sich schwächere Tendenzen für alle Kontrakte an der Pariser Börse.
Der EU-Prognosedienst MARS hat gestern in seinem April-Report die Schätzung für die durchschnittlichen Hektarerträge nach oben korrigiert. Mit 3,31 t/ha werden sowohl bessere Erträge im Vergleich zur März-Schätzung als auch zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre erwartet. Im langjährigen Mittel haben Europas Landwirte 3,1 t/ha von den Feldern geholt. Für Deutschland gibt die Agentur MARS einen erwarteten Durchschnittsertrag von 3,88 Tonnen/Hektar an, was zwar etwas weniger ist als im März aber 12 Prozent über dem Wert der letzten fünf Jahre liegt. Der Deutsche Raiffeisenverband hatte in seiner ersten März-Einschätzung einen durchschnittlichen Ertrag von 3,64 Tonnen prognostiziert (Vorjahr 3,96 Tonnen/ha). Insgesamt, so die MARS-Agentur zeigen sich mit wenigen Ausnahmen in Berichtszeitraum ausreichende Niederschläge, die sowohl dem Grundwasserspiegel als auch der Bodenfeuchtigkeit insgesamt zugutekommen. Erzeuger in Deutschland sind überwiegend zufrieden mit der Entwicklung ihrer Bestände, auch wenn relativ kalte Temperaturen im März und April das Pflanzenwachstum verzögert haben. Die relativ kalten Temperaturen haben aber auch dafür gesorgt, dass sich mit regionalen ausnahmen, die meisten Erzeuger derzeit noch keine Sorgen um Schädlingsbefall machen. In Kanada wird die dortige Statistikbehörde in dieser Woche die aktualisierten Schätzungen zum Canola-Anbau bekannt geben. Im Vorfeld rechnen die Analysten mit einer Erhöhung der Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr von rund 400.000 Acres (161.800 Hektar). Ein Unwetterfront hatte jedoch in der letzten Woche zu Verzögerungen in der Aussaat von Sommerkulturen in zwei großen Anbauprovinzen gesorgt. Im Zuge auch von bärischen Tendenzen im Sojakomplex schloss Canola an der ICE in Winnipeg am ersten Handelstag der neuen Woche mit Verlusten und konnte von den positiven Vorgaben beim europäischen Raps nicht profitieren.
Am Sojamarkt richtigen sich die Blicke weiterhin in erster Linie auf Südamerika. Während es aus Argentinien zum Wochenbeginn keine brennenden Neuigkeiten gibt, meldet Brasilien einen deutlichen Erntefortschritt. Mit 92 Prozent sind mittlerweile genauso viele Flächen abgeerntet wie zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr. Im Beginn der Sojaernte in Brasilien zeigte sich noch eine wetterbedingt deutlich langsameres Erntetempo. Mehr und mehr sorgen die geernteten Bohnen für Konkurrenz zu den US-Bohnen. In den gestern veröffentlichten Exportverladungen zeigten sich sowohl gegenüber der Vorwoche als auch gegenüber der Vorjahresvergleichswoche spürbar geringere Mengen. Wie das USDA mitteilte wurden in der Woche bis zum 20.4. insgesamt 375.000 Tonnen Sojabohnen für den Export verladen, das sind 29 Prozent weniger als vor einer Woche und 28 Prozent weniger als in der Vorjahresvergleichswoche. Auf Sicht des bisherigen Gesamtjahres zeigen sich die Exportverladungen aber höher als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Mit dem vorbörslichen Handel am heutigen Dienstag zeigen die Sojabohnen keine klare Richtung. Die Termine bis Sep. 23 tragen leichte grüne Vorzechen, spätere Termine sind in der Verlustzone. Sojaschrot hingegen kann gegenüber den deutlichen Verlusten gestern heute wieder etwas an Boden gutmachen und auch beim Sojaöl zeigen sich mehrheitlich leicht festere Tendenzen.
ZMP Live Expertenmeinung
Wie beim Getreide spiegelt sich die Situation in der Ukraine auch immer wieder beim Raps wider. Diese Woche zeigt dies besonders eindrücklich. Die hohen Anbauflächen für die kommende Ernte sowie die hohen Sonnenblumen- und Rapsimporte in Europa drücken auf die Preise. Beim Soja fokussieren sich die Händler immer weiter auf die Ernte von Brasilien. Denn die Daten und Erwartungen deuten durchaus daraufhin, dass Brasilien das Interesse an US-Bohnen deutlich verdrängen dürfte.