Der Sojakomplex durchlief eine stark schwankende Woche, in der enttäuschte Erwartungen und politische Rhetorik den Kursverlauf bestimmten. Zum Wochenstart dominierten zunächst Verluste nach den neuen USDA-Zahlen, da insbesondere die gesenkten Exportprognosen auf die Stimmung drückten. Der zunächst gefeierter China-Deal erwies sich als unklar in seiner Umsetzung, was sich auch in den USDA-Zahlen niederschlug: Nur ein Bruchteil der gemeldeten Exportmengen war konkret China zuzuordnen. Für eine abrupte Trendwende sorgte dann eine Ankündigung von Ex-Präsident Trump, China stehe vor umfangreichen US-Importkäufen. Diese Äußerung befeuerte die Kurse der Sojabohnen sowie des Sojaschrots zwischenzeitlich deutlich. Nachbörslich meldeten Medien tatsächlich Bestellungen über mehrere Hunderttausend Tonnen durch COFCO. Bestätigungen durch das USDA folgten am Dienstag und Mittwoch mit Verkäufen von insgesamt über 1,1 Millionen Tonnen. Dennoch blieben Marktteilnehmer skeptisch, da das Volumen weit von den öffentlich diskutierten Zielmarken entfernt ist. Im weiteren Wochenverlauf prägten Gewinnmitnahmen und neue brasilianische Exportprognosen das Bild. Die Ernteschätzung dort wurde leicht nach unten angepasst, bleibt aber hoch. Gleichzeitig gaben rückläufige Exportinspektionen und schwache Sojaschrotzahlen dem Markt keine neue Unterstützung. Auch die weiteren Ölsaaten zeigte sich unstet: Während Canola zwischenzeitlich von zurückhaltenden Verkäufern profitierte, belastete der schwelende China-Konflikt das Exportgeschäft. In Paris folgte der Raps weitgehend den Impulsen des Sojakomplexes und pendelte in engen Bahnen um die Marke von 485 €/t.
ZMP Live Expertenmeinung
Trotz einiger positiver Schlagzeilen bleibt der Sojamarkt in einer Phase der Unsicherheit. Die angekündigten China-Käufe stützen die Stimmung zwar kurzfristig, doch reichen sie bei Weitem nicht aus, um die prognostizierten Exporte zu erreichen. Die Ernteschätzungen in Südamerika wurden zwar leicht zurückgenommen, doch bleibt das Angebot global weiterhin üppig. Die Verarbeitungszahlen in den USA geben zwar Halt, doch fehlt es an nachhaltigem Rückenwind aus dem Exportgeschäft. Der Rapsmarkt bewegt sich weitgehend im Fahrwasser des Sojasegments und leidet unter anhaltender Zurückhaltung im internationalen Handel, insbesondere im Canola-Sektor. Kurzfristig bleibt das Umfeld daher volatil mit begrenztem Aufwärtspotenzial.