Der Sojakomplex zeigte sich in der Berichtswoche uneinheitlich. Sojabohnen bewegten sich zunächst seitwärts, bevor sie zum Wochenschluss deutlich zulegten. Impulse lieferte die Pro Farmer Crop Tour, deren erste Ergebnisse in Ohio und South Dakota über dem Vorjahresniveau lagen. Zwar berichteten Scouts auch von Wetterstress in Teilen Indianas und Nebraskas, insgesamt überwiegen jedoch bislang die positiven Ertragseinschätzungen. Die USDA-Bestandsbewertung blieb stabil bei 68 Prozent in gut/ausgezeichnetem Zustand, was ein saisonaler Höchstwert seit 2020 ist. Unterstützung kam hingegen durch einen Flash-Sale nach Mexiko sowie die US-Exportverkäufe der neuen Ernte, die mit 1,143 Mio. Tonnen deutlich über den Erwartungen lagen und ein neues Jahreshoch markierten.
Im Sojaöl-Segment sorgte insbesondere der Nopa-Bericht für Impulse. Die Verarbeitung von Sojabohnen erreichte im Juli mit 195,7 Mio. Bushel ein Rekordniveau, während die Sojaölbestände auf den niedrigsten Stand seit 21 Jahren fielen. Diese Entwicklung verlieh den Sojaölnotierungen spürbaren Auftrieb, zusätzlich verstärkt durch Spekulationen über eine bevorstehende Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA zu Ausnahmeregelungen im Biokraftstoffbereich. Auch die Sojaschrotnotierungen zeigten sich volatil, konnten gegen Ende der Woche aber wieder zulegen.
Im Canola-Markt dominierten wirtschaftspolitische Spannungen. Die Einführung vorläufiger Zölle durch China drückte die Kurse an der ICE Winnipeg deutlich, zumal erste chinesische Käufe von australischer Ware die Marktverlagerung bestätigten. Erst zum Wochenschluss kam es zu einer technischen Erholung. Der Rapsmarkt an der Euronext Paris folgte den globalen Vorgaben, blieb aber insgesamt schwankungsanfällig.
ZMP Live Expertenmeinung
Der Sojamarkt reagierte in der Berichtswoche auf gegensätzliche Impulse. Während stabile Bestandsbewertungen und frühe Crop-Tour-Ergebnisse auf ein überdurchschnittliches Ertragspotenzial hindeuten, sorgen starke Inlandsverarbeitung und sinkende Sojaölbestände für Unterstützung. Vor allem das knappe Ölangebot hat gegen Ende der Woche bullische Signale gesetzt, wobei mögliche EPA-Entscheidungen im Biokraftstoffsektor zusätzliche Dynamik entfalten könnten. Im Canola-Segment bleibt die Handelspolitik mit China das zentrale Belastungsthema. Der Markt reagierte deutlich, auch wenn die Erholung am Freitag eher technischer Natur war. Der Blick richtet sich nun auf neue Exportzahlen und die weiteren Ertragseinschätzungen aus den US-Anbauregionen.