Der Sojamarkt zeigte sich in der abgelaufenen Woche von seiner dynamischen Seite. Nach einem schwachen Vorwochenabschluss kehrte rasch neuer Optimismus zurück, ausgelöst durch versöhnliche Töne aus Washington und die Spekulation auf ein baldiges Spitzentreffen zwischen US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping. Die Hoffnung auf ein Wiederanlaufen der US-Sojaexporte nach China trieb die Notierungen mehrmals auf neue Zwischenhochs. Aussagen von US-Agrarministerin Rollins zur Erschließung alternativer Absatzmärkte in Südamerika sorgten kurzzeitig für zusätzliche Fantasie, auch wenn Marktanalysten den Erfolg dieser Strategie skeptisch bewerten. Einen handfesten Kurstreiber stellte die wieder auflebende Rohölrally dar, die nach neuen US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie auch den Sojakomplex erfasste. Sojaöl profitierte dabei mittelbar über die gestiegene Biodiesel-Nachfrage, während Sojaschrot weiterhin von stabiler Binnen- und Exportnachfrage getragen wurde. Eine deutlich gesteigerte Anbaudynamik in Brasilien sowie eine Rekordernteprognose des Branchenverbands Abiove dämpften den bullischen Grundton nur leicht.
Canola-Futures in Winnipeg blieben zunächst richtungslos, gerieten zwischenzeitlich unter Druck, erholten sich aber zum Wochenschluss im Zuge der Rohölrally deutlich. Die angespannte Absatzlage auf dem Exportmarkt sowie überdurchschnittliche Erntemeldungen wirkten dabei tendenziell belastend. In Paris setzte Raps seinen Erholungskurs fort. Hier stützte vor allem der freundliche internationale Ölmarkt, während neue fundamentale Impulse weitgehend ausblieben.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Kursentwicklung beim Soja bleibt in hohem Maße von geopolitischen Signalen geprägt. Sollte das angekündigte Gipfeltreffen Ende Oktober tatsächlich stattfinden und mit konkreten Handelserleichterungen enden, könnten die Sojanotierungen weiteren Auftrieb erhalten. Gleichzeitig mahnen Marktbeobachter zur Vorsicht: Ohne reale Exportabschlüsse bleibt der Aufwärtstrend fragil. Die starke Anbaudynamik in Brasilien wirkt langfristig preisdämpfend. Beim Raps bleibt der Blick auf die Energiepreise entscheidend. Vor allem die Entwicklung an den Rohölmärkten dürfte auch in den kommenden Wochen maßgeblich für die Preisrichtung sein.