Der Sojakomplex zeigte sich in der vergangenen Woche überwiegend schwach, auch wenn es zum Wochenschluss hin leichte Gegenbewegungen gab. Besonders Sojaschrot blieb durchgehend unter Druck. Auslöser der Abwärtsbewegung war neben rückläufigen Exporten aus den USA vor allem die vorübergehende Aussetzung der argentinischen Exportsteuer. Infolge dieser Maßnahme hatte China innerhalb kürzester Zeit rund 1,3 Millionen Tonnen Sojabohnen geordert, was die Hoffnungen auf eine Rückkehr chinesischer Käufe auf dem US-Markt dämpfte. Dass der Steuererlass nur zwei Tage Bestand hatte, führte zu einer Stabilisierung bei den Sojabohnen, reichte jedoch nicht aus, um Schrot ebenfalls zu stützen. Die Exportzahlen der USDA lagen mit 724.500 Tonnen im unteren Analystenbereich. Die US-Erntebewertungen verschlechterten sich leicht, blieben jedoch im saisonalen Rahmen. Aus Argentinien wurde ein Rekord bei den Sojaausfuhren gemeldet, der laut Ministerium erstmals die Marke von 10,5 Millionen Tonnen in einer Saison überschritt.
Im Raps- und Canola-Markt wirkten wetterbedingt gute Erntebedingungen in Kanada zunächst preisdämpfend. Hinzu kamen massive Exportrückgänge, die auf anhaltend hohe chinesische Zölle zurückzuführen sind. Der Canola-Handel blieb daher volatil, konnte sich aber zum Wochenschluss etwas erholen. In Paris bewegten sich die Rapsnotierungen nur leicht. Unterstützung kam von festen Rohölpreisen.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Märkte für Sojabohnen und Canola geraten zunehmend unter geopolitischen Einfluss. Insbesondere das kurzfristige argentinische Steuerexperiment hat gezeigt, wie empfindlich die US-Märkte auf politische Eingriffe reagieren. Die anhaltende Abwesenheit chinesischer Käufe in den USA dürfte mittelfristig schwer wiegen. Auch bei Sojaschrot ist keine Entspannung in Sicht, zumal sich die Nachfrage zuletzt abgeschwächt zeigte. Im Raps- und Canola-Markt könnten mögliche Ernteverzögerungen in Kanada für neue Impulse sorgen, doch dämpfen strukturelle Absatzprobleme den Spielraum nach oben. Eine klare Richtungsentscheidung dürfte vom USDA-Bericht zur Lagerlage ausgehen, der in Kürze erwartet wird.