Der Sojamarkt startete unter dem Eindruck des Zollurteils des obersten US Gerichts verunsichert in die Woche. Zu Wochenbeginn gerieten die Bohnen an der Chicago Board of Trade unter Druck, da Marktteilnehmer fürchteten, China könne sich wieder stärker günstigeren Offerten aus Brasilien und Argentinien zuwenden. Schwache US Exportzahlen verstärkten diese Skepsis, zumal die Verschiffungen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben und der Saisonwert ein Mehrjahrestief markiert. Auch Sojaschrot konnte sich diesem Umfeld zunächst nicht entziehen.
Zur Wochenmitte hellte sich die Stimmung spürbar auf. Aussagen aus Peking, wonach keine sofortigen Gegenmaßnahmen geplant seien und man Gesprächsbereitschaft signalisiere, ließen die Notierungen anziehen. Gleichzeitig senkte die brasilianische Handelsvereinigung ANEC ihre Februarprognose für Soja und Schrot. Gerüchte über mögliche chinesische Großkäufe trieben die Bohnen zeitweise auf ein Dreimonatshoch. Allerdings blieb der wachsende Preisabstand zwischen brasilianischer und US-Ware ein belastender Faktor.
Gegen Ende der Woche überwogen erneut Zweifel. Weitere durchwachsene Exportmeldungen des USDA, die Aussicht auf eine brasilianische Rekordernte sowie Unsicherheiten rund um die künftige US Biokraftstoffpolitik dämpften die Kauflaune. Auch ein mögliches Spitzentreffen zwischen Washington und Peking steht offenbar auf der Kippe.
Am Canolamarkt in Winnipeg setzte sich der Aufwärtstrend zunächst fort, bevor eine Verschnaufpause eintrat. Die Verarbeitung in Kanada lag im Januar über Vorjahr, während die Anlieferungen rückläufig waren. Zum Wochenschluss stabilisierten sich die Kurse wieder. An der Euronext in Paris zeigte sich Raps schwankend und folgte insgesamt den internationalen Vorgaben.
ZMP Live Expertenmeinung
Die Märkte bleiben stark von handelspolitischen Schlagzeilen abhängig. Solange keine klaren Kaufimpulse aus China vorliegen, dürfte jeder Anstieg anfällig für Rückschläge bleiben. Die große brasilianische Ernte wirkt als stetiges Gegengewicht zu Hoffnungen auf eine Belebung der US Nachfrage. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Kursspitzen, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Für die kommenden Wochen ist daher mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Entscheidend wird sein, ob konkrete Abschlüsse die jüngsten Hoffnungen untermauern können.