Trotz einzelner Erholungsversuche blieb der Sojakomplex in der vergangenen Woche unter Druck. Sojabohnen bewegten sich im Wochenverlauf nur leicht, doch Sojaschrot verzeichnete merkliche Rückgänge. Hintergrund waren einerseits die anhaltend fehlenden Exportabschlüsse mit China, andererseits belastete die Aussicht auf eine üppige US-Ernte die Stimmung. Während die Sojabohnenexporte zuletzt hinter den Vorjahreswerten zurückblieben, stiegen die Vorabbuchungen für die neue Saison auf den zweitbesten Stand seit 25 Jahren. Dies nährte Spekulationen, dass zumindest einzelne Großkäufe bereits vorbereitet werden, auch wenn China bislang auffällig abwesend bleibt. Gleichzeitig sorgten Meldungen über eine deutlich ausgeweitete Produktionsprognose in Brasilien für zusätzliche Unsicherheit. Marktfokus lag außerdem auf einer möglichen Entspannung im US-chinesischen Handelskonflikt. Eine geplante Reise des chinesischen Chefverhandlers nach Washington nährte die Hoffnung auf baldige Vertragsabschlüsse – mit potenziell starken Kursausschlägen je nach Ausgang der Gespräche.
Am Canola-Markt standen die Kurse unter erheblichem Druck. Nachdem die Woche zunächst mit leichten Verlusten begonnen hatte, sorgte der Produktionsbericht der kanadischen Statistikbehörde am Freitag für eine regelrechte Kursexplosion nach unten. Die geschätzte Erntemenge von 19,9 Millionen Tonnen übertraf nicht nur die Vorjahresmenge, sondern auch deutlich das Fünfjahresmittel. Damit wächst die Erwartung einer der besten Ernten der letzten Jahre, trotz geringer Anbaufläche. Zusätzliche Belastung kam aus dem Fernosthandel. Die Zölle Chinas auf kanadisches Canola bleiben bestehen, während sich die Regierung in Saskatchewan um diplomatische Lösungen bemüht. In Europa folgte Raps dem schwachen Canola-Trend und musste gegen Ende der Woche kräftige Verluste hinnehmen.
ZMP Live Expertenmeinung
Der Sojamarkt steht weiterhin im Spannungsfeld zwischen optimistischen Vorabbuchungen und der auffälligen Zurückhaltung Chinas. Sollte es in den anstehenden Gesprächen zwischen Peking und Washington zu einem Durchbruch kommen, könnten die Kurse kurzfristig deutlich anziehen. Bis dahin bleibt der Markt anfällig für Enttäuschungen. Der Canola-Markt hingegen dürfte vorerst unter dem Eindruck der überdurchschnittlichen Ernteprognose stehen. Selbst wenn die Schätzung konservativ angesetzt sein sollte, zeigt sich das Angebot deutlich robuster als bislang erwartet. Das belastet auch den Rapsmarkt in Europa, der sich dem globalen Abwärtstrend nicht entziehen konnte. Kurzfristig überwiegen die bärischen Faktoren.