21.
03.14
Warten wir vergebens auf fallende Sojapreise - wie im letzten Jahr?

Ölsaaten Cockpit, 21.03.2014

Bullish
  • sehr knappe Vorratsbestände
  • Nachholbedarf beim Vorratsaufbau weltweit
  • Risikofaktor Wetter während der Anbausphase, in der Ertragsbildungsphase
Bearish
  • hohe südamerikanische Ernten gleichen aus
  • Durchschnittserträge gleichen Anbauflächen aus
  • starker Eurokurs verstärkt Kaufkraft beim Sojaschrotimport
  • weniger drängende China-Nachfrage

Prognosen für den Sojamarkt – Rabobank tanzt aus der Reihe

Für die zukünftige Entwicklung auf dem Sojamarkt rückt zunehmend der demnächst anstehende Sojaanbau in den USA in den Blickwinkel. Dazu liegen eine Reihe von Anbauschätzungen vor, die zwar unterschiedlich, aber doch weitgehend auf einer Linie gleich lauten: die US-Anbaufläche wird deutlich eine Größenordnung zwischen 80 bis 83 Mio acre  (32,4 bis 33,2 ha) ausgedehnt. Die Rabobank widerspricht diesen  Vorhersagen mit der Einschätzung, dass die Sojafläche mit 78 Mio. acre (31,6 Mio. ha) sich nur geringfügig gegenüber dem Vorjahr erhöhen werde.

(1) Die Befürworter einer höheren Anbaufläche führen das alte Argument ins Feld, dass zum Zeitpunkt kurz vor der Aussaat das Soja-Mais-Preisverhältnis entscheidend sei. Es herrscht Wettbewerbsneutralität zwischen Soja und Mais, wenn das Verhältnis bei 2 bis 2,2 zu 1 besteht.  Seit Monaten jedoch zeigen die Kursrelationen ein eindeutiges Verhältnis von 2,5 bis 2,7 zu 1. Nach den Erfahrungsregeln aus früheren Jahrzehnten ist damit ein klarer Vorteil für den Anbau von Sojabohnen abzuleiten.

(2) Ein weiteres Argument für die Vergrößerung der US-Sojafläche resultiert aus den langandauernden Kälteperioden bis in die nächsten Wochen hinein, die den Boden unter der Solltemperatur von 8 bis 10 Grad Celsius hält. Wird diese Temperaturschwelle nicht überschritten, ist die Aussaat von Mais nicht ratsam, weil das Samenkorn nicht keimt, sondern im denkbar ungünstigsten im Boden verfault. Optimale Saattermine für den Mais ist die Zeit bis Mitte Mai. Danach gesäter Mais verspricht geringere Erträge. Für die Sojabohne gelten zwar ähnliche Bedingungen, die Bohne ist  aber spätsaatverträglicher, d.h. spätere Saattermine sind weniger ertragsempfindlich. In den nördlichen Anbauregionen der USA kommt noch das Argument der Spätreife des Maises mit der Gefahr von Frühfrösten gegenüber der etwas frühreiferen Bohne verschärfend hinzu.

Pflanzenbauberater liefern ein weiteres Argument. In der Boomphase des Anbaus von Mais für Bioethanol sei häufig Mais in Monokultur angebaut worden. Das reichert die maisspezifischen Krankheiten an und vernachlässige den Fruchtfolgevorteil der Leguminose  Soja. Farmer hätten jetzt die Chance neben der preislichen Überlegenheit, zusätzlich die Fruchtfolgevorteile der Bohne zu nutzen.

Das alles läßt die Rabobank wenig gelten und betont stattdessen, dass die Preisverhältnisse im letzten Jahr auch bei 2,6 zu 1 gelegen hätten, ohne das allzu große Anbauveränderungen stattgefunden hätten. In jüngerer Zeit seien die Preisverhältnisse schon auf 2,4 zu 1 gefallen. Daher sei nur mit einer sehr moderaten Umwidmung der Flächen auszugehen. Es gehe mehr darum, ein ausgeglichenes Versorgungsverhältnis zwischen Mais und Soja herzustellen.  

Gleichwohl betont die Rabobank,  dass die Überhangbestände an Sojabohnen in den USA so gering wie noch nie seien. Sowohl Sojabohnen und noch mehr Sojaschrot sei bis in die Monate Juli August 2014 nur schwer zu beschaffen, solange die neue Ernte nicht eingebracht sei. Auch die Vorratshaltung sei nicht ernsthaft betrieben worden, so dass mit einem enormen Nachholbedarf gerechnet wird. Das alles werde die Preise hoch halten. Rabobank veranschlagt Sojaschrotpreise bis in den Herbst 2014,  die um $100 je sht höher liegen als zurzeit an den Börsen gehandelt wird.  

Wie auch immer die Anbauflächen ausfallen werden, die gewichtige Komponente der stark witterungsabhängige Hektarertrag kann die Entwicklung nochmal gewaltig beeinflussen. Eine Mio. acre Anbauunterschied liefert bei Durchschnittserträgen  von 42 Bu/acre im Jahre 2013  42 Mio bu. Dividiert man die 42 Mio.  bu durch durchschnittliche 80 Mio. acre kommt eine Ertragsdifferenz von 0,52 bu je acre bzw. 1,25 % vom Durchschnittsertrag heraus. Der mehrjährige Durchschnittsertrag beläuft sich auf 45,2 Bu/acre. Sollte die kommende US Ernte 2014 Durchschnittserträge liefern, könnten aufgrund der höheren Flächenerträge 6 Mio. acre kompensiert werden. Vor diesem Hintergrund relativiert sich der Streit um die Anbaufläche im Hinblick auf spätere tatsächlichen Ernten und zugehörigen Preisen.

Abwarten und beobachten!

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ZMP Live Expertenmeinung

Die Einschätzung der Rabobank auf eine unwesentlich vergrößerte US-Sojafläche in den kommenden Wochen bzw Monaten und daraus resultierende hohe Sojaschrotpreise fast auf gleichen Niveau wie im vorigen Herbst ist noch wenig fundiert. Es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen, die die US-Farmer veranlassen können, deutlich mehr Soja anzubauen. Mit ihrer Sojapreisprognose im Herbst 2014 widerspricht sich die Rabobank selbst.

Aber selbst bei durchschnittlichen Verhältnissen ist allein aufgrund  von höheren Durchschnittserträgen als im Vorjahr mit einer guten US-Ernte zu rechnen.

Dennoch ist das Risiko einer schwachen Ernte nicht von der Hand zu weisen. Die Unsicherheit besteht aber mehr im Ertragsniveau und dem Ernterisiko als in der Einschätzung der Anbaufläche.

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