27.
12.13
Raps- und Sojamarkt: Rück- und Ausblick zum Jahreswechsel

Ölsaaten Cockpit, 27.12.2013

Bullish
  • Starker Nachholbedarf Auffüllung der Vorratsbestände
  • Hohe Anteile an Risikoprämien für das tatsächliche Ernteergebnis
  • Unsicherheit in der Logistik
  • Starke Nachfragsteigerung aus China
Bearish
  • Erwartungen an hohes Angebot im Sojakomplex aufgrund der Flächenausdehnung
  • bisher günstige Witterungsaussichten
  • Wechselkurse: starker Euro
  • Verbesserungen und Verhaltensänderungen bei der Lierferabwicklung aufgrund geänderter Marktlage

Ölsaatenmarkt zum Jahreswechsel 2013/14

Anhaltend hohe Sojaschrotpreise und enttäuschend niedrige Rapspreisentwicklungen waren die im 2. Halbjahr 2013 prägenden Erfahrungen im Ölsaatensektor.

Im Sojakomplex bestand die zunächst berechtigte Hoffnung, dass nach einer hohen südamerikanischen Ernte im 2. Quartal des Jahres 2013 in Höhe von rd. 145 Mio. t (Vorjahr 115 Mio. t) die Sojapreise deutlich nachgeben würden. Logistikprobleme verhinderten zunächst den Kursrückgang. Die zwischenzeitlichen Befürchtungen im Aug.-13 um eine trockenheitsgeschädigte US-Sojaernte bewahrheiteten sich zwar nicht, sorgten aber in der Folge für einen Anstieg der Sojapreise. Die US-Sojaernte wird heute auf 88 Mio. t (Vorjahr 82,5 Mio. t) geschätzt. Insgesamt wäre von der Angebotsseite ein preissenkender Überhang zu erwarten gewesen, der bis heute auf sich warten läßt.

Auf der Verbrauchsseite stand  eine im Vergleich zur Angebotssteigerung moderate Zunahme von rd. 12 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. China’s Importbedarf  blieb 2012/13 auf gleichem Niveau und soll erst im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 um 9 Mio. t bzw. 15 % steigen.

Eigentlich hätte nach den Ergebnissen der verbesserten Versorgungsbilanz eine deutliche Reduzierung der Sojapreise eintreten müssen. Aber die Kurse gaben nur wenig nach, obwohl die Terminnotierungen an den Börsen fallende Kurse in Aussicht gestellt hatten.

Die Entwicklungen in der Realität verliefen jedoch anders als die Statistik glauben machen wollte. Es begann mit den nicht ganz ungewohnten Hafenarbeiter- und LKW-Fahrerstreiks in Brasilien, die die Auslieferung der Sojabohnen verzögerten. Fast drei Monate lang mussten Schiffe auf ihre Beladung warten. Erschwerend für die knappen Umschlagkapazitäten kam eine unkoordinierte gleichzeitige Exportaktivität der brasilianischen Maisausfuhren dazu.

Maßgeblich entscheidend wurde jedoch die Verkaufszurückhaltung der argentinischen Sojafarmer. Die stark inflationierende argentinische Währung veranlasste die Eigentümer von Sojabohnen ihre Ware in den Silos als wertbeständiges Sachvermögen zu belassen und nur die notwendigsten Verkäufe zur Deckung des Liquiditätsbedarfs zu tätigen. Unterstützt wurde diese Verhaltensweise durch die politischen Verbandsaktivitäten gegen den Staat. Die Exportsteuern auf Agrarausfuhren finanzieren rd. 40 % der Staatseinnahmen. Von der Farmerlobby wird diese einseitige Belastung zugunsten der Allgemeinheit als zu hoch empfunden. Aufrufe zu Verkaufsstreiks wurden daher vielbeachtet. Als Folge der EU-Zollbelastung für argentinischen Biodiesel aus Sojaöl brach die Bohnenverarbeitung in diesem Bereich regelrecht ein, so dass auch von dieser Seite das für Europa dringende notwendige Sojaschrot fehlte.

Die Folge: bis in die jüngste Zeit werden argentinische Sojabohnen in einer Größenordnung von 10 Mio. t bzw. 25 % der Alterntemengen gebunkert und der Marktversorgung vorenthalten. Solche Mengen auf den Markt gebracht hätten ausgereicht, das Preisniveau deutlich zu senken.

Auf der Nachfrageseite muss festgestellt werden, dass in der Erwartung hoher südamerikanischer Sojaangebote und fallender Kurse eine eigene vorsorgende Vorratslagerung weitgehend ausgeblieben ist.  Die tatsächlich knapp gehaltene Ware musste zu jeden geforderten Preis gekauft werden, wenn man nicht leer ausgehen wollte.

Die heute erwarteten großen Ernten im Frühjahr 2014 mit möglicherweise größeren Preisrückgängen hat die Verkaufseinstellung bisher nicht erheblich beeinflussen können. Bis zur neuen Ernte im März/April besteht noch ein erhebliches Wachstums- und Ernterisiko. Zwischenzeitlich sorgte eine tagelange Hitzewelle in der Vorweihnachtswoche zwischen 30 und 40 Grad in Argentinien für wieder steigende Aufgelder bei den Sojakursen. Die Wetterprognosen sehen aber durchaus mehrere Niederschlagsfronten um den Jahreswechsel z. T mit sehr ergiebigen Regenfällen voraus. Aber nicht jede Einzelregion wird begünstigt sein.

Für 2014 wird in Brasilien mit einer Rekordsojaernte zwischen 88 und 90 Mio. t gerechnet. Die schwachen Maispreise veranlassen brasilianische Farmer als Zweitfrucht nicht den Mais, sondern nochmal die Sojabohne nachzubauen. Argentinien rechnet mit 53 bis  55 Mio. t, ebenfalls auf Rekordniveau. Die kleinen Staaten Paraquay und Uruquay sollen zusammen fast 15 Mio. t beisteuern. Insgesamt wird (wieder mal) ein Riesenangebot an Soja aus Südamerika in Höhe von 155 Mio. t erwartet.

Aber noch steht die Erzeugung erst am Anfang der Bestandsentwicklung und die ertragsentscheidenden Perioden der Blüte und Kornbildung stehen im Febr.-14 noch bevor. Erst wenn die Ernte gelaufen und - ganz wichtig – die Ware auf den Transport zum Verbrauchsstandort gebracht ist, werden die derzeit hohen Risikoprämien in den Preisen abschmelzen. 

Für den weiteren Verlauf des Jahres 2014 steht angesichts einer günstigen Soja-Mais-Preis- Relation die Erwartung an, dass die US-Farmer im April/Mai-2014 ebenfalls verstärkt die Sojabohne gegenüber dem Mais bevorzugen. Marktexperten rechnen zwar auch mit einer größeren Sojafläche im Vergleich zum Vorjahr, aber der Rückgang der Maisfläche soll  begrenzt bleiben. Die sog. kleinen Getreidearten wie Gerste, Roggen und Triticale werden Flächen abgeben müssen.

Insgesamt besteht zum Jahreswechsel die begründete Aussicht, dass ein reichliches Sojaangebot im  Jahr 2014 bevorsteht.

Auf der Nachfrageseite steht im Vordergrund der hohe und steigende Einfuhrbedarf Chinas mit geschätzten 69 Mio. t bzw. rd. 10 Mio. mehr als im Vorjahr. Nachholbedarf besteht weltweit in Sachen Aufstockung der Reservebestände. Europa wartet dringend auf größere Sojaschrotlieferungen.

Bilanziert man die geschätzten Angebots- und Nachfrageerwartungen kommt eine Erhöhung der Endbestände um gute 15 % heraus. Die sich erheblich verbessernde  Versorgungslage führt nach alten Marktregeln zu einer deutlichen Verringerung der kommenden Marktpreise. Ausschlaggebend ist die Verbesserung der aktuellen Engpasslage im Sojaschrotbereich. Die hinteren Börsentermine deuten nachgebende Sojakurse vorerst noch zögernd an.

Die letztjährige Erfahrung sollte man beachten: nicht das Angebotspotenzial allein ist entscheidend, sondern die tatsächlichen Lieferungen. Nach offiziellen Angaben soll Brasilien erhebliche Verbesserung in der Logistik vorbereitet haben, damit Pannen wie im letzten Jahr sich nicht wiederholen. Allerdings ist die brasilianische Mentalität von besonderer Art. Karneval fällt auch in die Zeit der ersten Verladungen. Die Fußball-WM kommt dazu. Offizielle Verlautbarungen aus Argentinien sind aufgrund der starken politischen Einfärbung mit besonderer Vorsicht zu genießen. 

Der Rapsmarkt ist mit einem Anteil von weniger als 15 % nur ein kleiner Teil des Ölsaatenmarktes, der eindeutig vom Sojakomplex angeführt wird. Im Teilsektor der pflanzlichen Öle spielt das preiswerte Palmöl mit einem Marktanteil von 30 % eine dominante Rolle. Raps wird in seinem Wert entscheidend von den Ölpreisen (Pflanzliche und mineralische) bestimmt, während Rapsschrot eine untergeordnete Rolle spielt.   

Die bisher schwachen Rapspreise im 2. Halbjahr 2013 waren eine Folge ungewöhnlich niedriger Palmölkurse und nachlassenden Interesses an Biodiesel. Im Dezember drückte die überraschend hohe Ernteschätzung Kanadas auf die Kurse. Selbst eine leichte Verbesserung der Palmölnotierungen brachte keine durchschlagende Auftriebstendenz. 

Die Aussichten für den Rapsmarkt 2014 werden weiterhin stark vom Sojakomplex beeinflusst werden. Dieser verspricht angesichts der sich entspannenden Versorgungslage keine nennenswerten Preisbesserungen, eher im Gegenteil. Von der Palmölseite geht man wieder von relativ stabilen Kursen aus, aber im Vergleich zu früheren Jahren auf unterdurchschnittlichem Niveau. Die Reduzierung der Rapsanbauflächen könnte zu einem geringeren Ernteaufkommen führen, aber ausschlaggebend werden die Flächenerträge bleiben. Untersucht man die Terminkurse in Paris und Winnipeg als führende Leitbörsen für Rapssaat ist erkennbar, dass die Preisaussichten für 2014 eher gedämpft ausfallen. 

Raps- und Sojamarkt: Rück- und Ausblick zum Jahreswechsel
ZMP Live+ Logo

ZMP Live Expertenmeinung

Die Aussichten für 2014, auf dem Sojasektor zu günstigen Preisen Eiweißfuttermittel einkaufen zu können, können nach aktuellem Stand als gut begründet angesehen werden. Die verbleibenden Risiken sollten nicht übersehen, aber auch nicht überschätzt werden.

Die Perspektiven für steigende Rapspreise im Jahre 2014 sind sowohl für altertige Ware wie für die neue Ernte 2014 aufgrund der drückenden Sojakurse gering.Auch der wertbestimmenden Ölseite her nicht keine großen Verbesserungen zu erkennen.

ZMP Marktbericht kompakt
Aktuelles von den Märkten kompakt für Sie zusammengefasst

Achtung, du siehst derzeit historische Daten da du entweder kein ZMP Live+ Mitglied oder nicht eingeloggt bist. Hol dir jetzt den Informationsvorsprung!

11.
05.24
14:38

USDA schätzt Ölsaatenproduktion auf Rekordniveau Das US-Agrarministerium (USDA) hat in seiner jüngsten Mai-Ausgabe die weltweite Ölsaaten-erzeugung 2024-25 auf ein Rekordniveau von 687 Mio. t (Vorjahr 658 Mio. t) geschätzt. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Zuwachs +4,4 %. Der Verbrauch wird auf 671 Mio. t veranschlagt. Daraus errechnet sich eine…

13.
04.24
09:21

USDA: Weltweite Ölsaatenmarktlage 2023/24 kaum verändert zum Vormonat Die globale Ölsaatenerzeugung 2023/24 wird unverändert zum Vormonat auf 658,5 Mio. t veranschlagt. Der Verbrauch steigt um 1 Mio. t auf 648 Mio. t. Damit verringert sich der Vorratsbestand nur unwesentlich und bleibt mit 130,6 Mio. t über dem Durchschnitt zurückliegender Jahre…

21.
03.24
12:56

COCERAL schätzt EU-27-Rapsernte 2024 auf 19,13 Mio. t: - 4,6 % zum Vorjahr Der Dachverband der europäischen Agrarhändler (COCERAL) schätzt in seiner Mrz.-24 Ausgabe die EU-Rapsernte auf 19,13 Mio. t (Vorjahr 20,5 Mio. t). Das bedeutet einen Rückgang zum Vorjahr um -4,6 %. Maßgeblichen Anteil am voraussichtlich geringeren Ergebnis haben die…

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Jetzt registrieren

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich