12.
09.13
17:00

Nicht mehr Zielvorgaben, sondern Grenzen für NaWaRo

Grenzen der Bioenergie-Gewinnung (Beschlussvorlage des EP)

Das Europaparlament (EP) hat in seiner Sitzung am 11.09.2013 beschlossen,  die Nutzung von Biokraftstoffen zu begrenzen.  Der Anteil von Biokraftstoffen aus Agrarrohstoffen der Nahrungsmittel- und Futtermittelkette (1. Generation) soll auf 6 Prozent begrenzt werden.. Die EU-Kommission hatte 5 % vorgeschlagen. Biotreibstoffe der 2. Generation aus Abfällen sollen bis 2020 einen Mindestanteil von 2,5 Prozent im Verkehrssektor bekommen. Für Antriebe mit Strom ist ein Mindestanteil von 1,5 Prozent vorgesehen.

Mögliche Waldrodungen durch die Konkurrenz um knappe Flächen sollen ab 2020 mit einbezogen werden. Bis dahin ist eine Überarbeitung des umstrittenen iluc-Konzepts vorgesehen. Biotreibstoffe aus Speiseöl und tierischen Fetten sollen doppelt angerechnet werden. Kraftstoff aus Algen und Bakterien wird vierfach gezählt.

Jetzt müssen sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine Position einigen. Anschließen wird mit dem EP verhandelt.

Ausgewählte Vor- und Nachteile der Bioenergie-Gewinnung im Überblick:

Bioenergie

Pro

Contra

Geringe   Klimarelevanz: Bei der Umwandlung von Biomasse wird zum größten Teil nur   das CO2 ausgestoßen, welches vorher durch die Pflanzen gebunden wurde. Hoher   Flächenbedarf: Der Anbau von   Biomasse fordert einen  hohen Flächen-bedarf,   der regional Nutzungskonkurrenzen auslösen kann.      
Biomasse als   Energiespeicher: Biomasse lässt sich auch in großen Mengen lagern, ohne   dass der Energiegehalt sinkt und dann einsetzen, wenn Energie gebraucht wird Hoher Massenbedarf:   Der Energiegehalt von Biomasse variiert stark und liegt zwischen 0,3 und 4   kWh/kg. Die  Energie-gehalte der   fossilen Energieträger (z. B. Erdgas bei 10 kWh/kg). Es entsteht eine   Nutzungskonkurrenz um die knappe Fläche  mit Schwächung anderer Märkte.
Mehrfachnutzung der   Bioenergie: Biomasse kann In Form einer Kaskade genutzt werden, d. h.   erst stofflich und später energetisch als Abfallprodukt. Darüber hinaus   können aus Resten der energetischen Umwandlung Wirtschaftsdünger hergestellt   werden. Aufwändige   Logistik: Die Produktion und Aufbereitung von Biomasse für die   energetische Nutzung erfordert eine weitreichende Logistik mit   Maschineneinsatz und Verkehrsflächennutzung. Dies kann zu Beeinträchtigungen   in Siedlungsbereichen führen.
Dezentrale Nutzung –   Wertschöpfung im ländlichen Raum: Sinnvolle Nutzung der großen Biomassen   erfordert große, aber auch aus Transportgründen begrenzte Einzugsgebiete; der   ländliche Raum eignet sich dafür und fördert die dortige Wertschöpfung Nachhaltigkeitskriterien:   Um den Ausbau der Bioenergie nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten bedarf   es einschlägiger Kriterien, die seitens der Akteure eingehalten werden   müssen. Einige Nachhaltigkeitskriterien wurden bereits gesetzlich   vorgeschrieben (z.B. EEG, Cross Compliance, Kreislaufwirtschaftsgesetz…), in   den Aktionsplänen berücksichtigt oder aber selbstverpflichtend eingehalten.

 Die Pioniereuphorie der ersten Jahre ist vorbei. Bei nüchterner Betrachtung werden die Nachteile der Bioenergie-Gewinnung immer gewichtiger herausgestellt. Jetzt werden mehr Grenzen als Zielvorgaben diskutiert und beschlossen.

Zu Beginn der Förderung nachwachsender Rohstoffe für die Bioenergie-Gewinnung waren noch Agrarüberschüsse ein Problem. Ein "Lösungsansatz" hieß damals noch Flächenstillegung bis zu 15 %.  Diese Bracheflächen konnten alternativ für nachwachsende Rohstoffe gebraucht werden. Jetzt sind Grenzen erreicht, möglicherweise regional auch überschritten. Eine ernst zu nehmende  Nahrungs- und Futtermittelkonkurrenz ist entstanden; sie war nicht von Anfang an gegeben. Rechtzeitige und vorausschauende politische Dimensionierung der Maßnahmen und Gegensteuerung ist nicht unbedingt eine Stärke der Politiker, wenn es um die Gunst der Wähler geht. Politischer Handlungsbedarf ist erst dann erreicht, wenn ausreichend hoher Entscheidungsdruck aufgebaut ist. 

Die Trilogie von Europäischen Parlament, Europäischer Kommission und EU-Ministerrat dient der Kompromissfindung über eine mittlerweile allgemein anerkannte Problemstellung.

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