Russische Nahrungsmittelkurse boomen – ein hoher Preis für den Ukraine-Konflikt
Das russische Importverbot für Nahrungsmittel ab August 2014 als Gegenmaßnahme zu den westlichen Sanktionen hat zu einem wirtschaftlichen Niedergang mit niedrigeren Einkommen geführt. Die Kaufkraft des Rubel im internationalen Handel ist um 75 % gefallen. Die allgemeine Inflationsrate liegt bei 18 % und Zinsen kosten deutlich über 20 %.
Die Nahrungsmittelpreise in Russland sind im Durchschnitt zwischen 14 und 18 % gestiegen. Das russische Nahrungsmittelangebot ist um 10 bis 15 % gesunken. Mehr Geld für weniger Ware.
Die Schweinefleischimporte sind im ganzen Jahr 2014 um 30 % gefallen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Importverbot nur in Teilen des Jahres gegriffen hat. Der Versuch durch Ersatzimporte aus Brasilien, Chile und Serbien die Bedarfslücke zu decken, ist zum überwiegenden Teil misslungen. Die Lieferungen wurden durch knapp verfügbare Mengen, steigende Einstandspreise, hohe Transportkosten und den Kaufkraftverlust des Rubel einfach zu teuer.
Der Ansatz, mit Hilfe staatlicher Förderung die russische Eigenerzeugung zu erhöhen, hat nur in ersten kleinen Anfängen Wirkung gezeigt. Die hohen Verdienstspannen im Agrarsektor ermuntern Agrarinvestitionen, aber deren Ergebnisse werden erst mittelfristig wirksam.
Die Verbraucherpreise für Schweinefleisch sind in Russland um 22 bis 30 % je nach Teilstück gestiegen. Die Konsumenten sind daher teilweise auf Geflügelfleisch umgestiegen. Das weiße Fleisch ist bei einem Selbstversorgungsgrad von 90 bis 95 % in Russland in größerem Maße verfügbar. Die Importe aus Brasilien, Argentinien und die Türkei waren ergiebiger als im Falle von Schweine- und Rindfleisch. Dennoch sind die Hähnchenpreise im Dezember 2014 um 34 % höher ausgefallen als im Vorjahresmonat.
Das ohnehin schon teure Rindfleisch verteuerte sich nur um 10 bis 12 %. Die vergleichsweise wenig notwendigen Ersatzimporte kamen wie bisher schon aus Brasilien, Argentinien und die Türkei.
Die seit Jahrzehnten rückläufige Milcherzeugung Russlands konnte im Jahr 2014 um 1 % gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Eine erhebliche Milchmenge ist der Käseerzeugung zugute gekommen. Die Einfuhr von Käse ist ab dem Einfuhrverbot im Aug. 2014 um 30 % gefallen. Die EU hatte bis dahin einen Anteil von 60 % an den russischen Importen, die Ukraine hatte bis 2013 noch 80 % der Käseausfuhren nach Russland geschickt. Ersatzlieferungen aus einer Vielzahl von nicht gesperrten Ländern konnten nur knapp 10 % des russischen Importbedarfs decken.
Die russische Importsperre ist auf ein Jahr bis zum August 2015 befristet. Dennoch dürfte angesichts der Entwicklungen im Ukraine-Konflikt nicht mit einer Aufhebung gerechnet werden. Denkbare Teilimportlockerungen werden durch das hinzugekommene Kaufkraftproblem kaum große Wirkungen erzielen. Eine Rückkehr zu alten Verhältnissen ist unwahrscheinlich. Ein volles Jahr 2015 wird für die russischen Verbraucher zur Nagelprobe.