Steigende EU-Rindfleischexporte im 1. Halbjahr 2014 ersetzen teilweise verhinderte Schweinefleischausfuhren
Die in den letzten Jahren eher mäßigen EU-Rindfleischexporte gewinnen wieder an Fahrt. In den ersten 5 Monaten sind die Rindfleischausfuhren der EU um +17,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.
Während noch im Jahre 2012 die Türkei größter Abnehmer europäischen Rindfleisches gewesen ist, sind diese Lieferungen fast auf Null heruntergefahren worden. Zunehmende Eigenerzeugung und preiswertere Konkurrenzangebote haben die EU-Ausfuhren in die Türkei verdrängt.
Andere Einfuhrländer treten in den Vordergrund. Allen voran marschiert Russland mit einer Zunahme von +18.000 t bzw. + 64 % in 5 Monaten. Ganz offensichtlich wird hier ein teilweiser Ausgleich für die gesperrten Schweinefleischimporte gesucht. Rindfleischnebenprodukte werden genauso gerne genommen wie gefrorene Ware. Frischwarenimporte und Lebendeinfuhren spielen allerdings nur eine geringe Bedeutung. Im 2. Halbjahr dürfte der Aufschwung gemäßigter ausfallen, weil aufgrund des Weideabtriebs verstärkt eigene Ware zu erwarten ist. Möglicherweise sind bis dahin auch die Grenzen für EU-Schweinefleischeinfuhren teilweise wieder offen.
Mit einer Zuwachsrate von + 98 % bzw. rd. +9.500 t allein in den ersten 5 Monaten 2014 steht Hongkong an 2. Stelle in der Rangfolge der zunehmenden Rindfleischimporteure aus der EU. Im Gegensatz zu Russland wird hier mit weiteren Steigerungen zu rechnen sein. Chinas Einfuhren aus der EU sind noch von untergeordneter Bedeutung
Bemerkenswert sind die Einfuhrsteigerungen der afrikanischen Staaten Elfenbeinküste und Angola. Im den ersten 5 Monaten sind aus der EU 15.000 t dorthin geliefert worden. Hohe Zuwachsraten von +30 % - aber von einem geringerem Ausgangsvolumen berechnet - sind auch für Marokko und Angola zu beobachten. Stabile und einkommensstarke afrikanische Länder werden zunehmend zu Nachfragern nach höherwertigen Nahrungsmitteln, wobei Schweinefleisch aus weltanschaulichen Gründen nicht in Betracht kommt.
Die internationalen Rindfleischpreise zeigen eine breite Differenzierung auf. In den Nordamerika ziehen die Kurse aufgrund der trockenheitsbedingten Rindfleischknappheit überproportional stark an. Der Notierungsanstieg wird durch den PEDv-bedingten Angebotsrückgang im US-Schweinefleischsektor unterstützt. In Indien, Australien und Neuseeland bewegt sich das Rindfleischpreisniveau nur auf halber Höhe der US- und EU-Preise. Qualitätsunterschiede, Marktentfernungen und Konkurrenz zum preiswerten Geflügelfleisch sind die entscheidenden Einflussfaktoren.
Mit der wieder zunehmenden Rindfleischerzeugung in Südamerika in den letzten 2 bis 3 Jahren ist das seit 2010 schlagartig von unter 2 auf über 3,5 € je kg gestiegene Preisniveau heute nicht mehr zu halten. In den südamerikanischen Ländern spielen die Währungsinstabilitäten eine wesentliche Rolle bei der Preisbeurteilung.
Auch die EU-Rindfleischpreise orientieren sich zunehmend niedriger in der Preisspanne zwischen 3,5 und maximal 4 € je kg bezogen auf den R3-Bullen. Die augenblickliche Tendenz ist angesichts der niedrigen Schweinepreise und ausreichender Exportüberschüsse eher leicht nachgebend.