Rabobank: 2015 soll ein turbulentes Jahr für die Schweinehaltung werden
In ihrem ersten Vierteljahresbericht 2015 stellt die Rabobank die ihrer Meinung nach wesentlichen Einflussfaktoren auf die Schweinefleischerzeugung im Jahre 2015 heraus:
- Wie entwickelt sich die PEDv-Epidemie auf dem nordamerikanischen Kontinent , in Asien und möglicherweise auch in Europa (erste Funde in der Ukraine) ?
- Welche Folgen hat die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Russland, Belarus, Ukraine, Baltikum, Polen und angrenzenden Ländern?
- Wie wird das russische Importverbot in politischer Hinsicht zukünftig gehandhabt?
- Welche Entwicklungen sind bei den Wechselkursen ($, € u.a.) im Hinblick auf die Exportwirtschaft zu erwarten?
Im Jahre 2014 hat Nordamerika infolge der PEDv-Epidemie eines der größten Produktionseinbrüche gepaart mit Rekordpreisen und Gewinnen in der Schweinehaltung erlebt. In Europa verursachte der russische Importstopp ein Überangebot an Schweinefleisch, der die Preise in der 2. Jahreshälfte bis in die jüngste Zeit auf ein ruinöses Niveau drückte. Und in China wurde der Anstieg der Schweinefleischerzeugung durch hohe Futtermittel- und niedrige Schweinepreise mit der Konsequenz hoher Verluste erheblich zurückgeworfen.
Mit Beginn des Jahres 2015 zeichnet sich bisher nur schwache Anzeichen einer Wiederholung des PEDv-Epidemie in dem Ausmaß des Vorjahres ab. Es werden zwar wöchentlich neue Fälle gemeldet, aber die Verbreitung bleibt auf einem unteren Level stehen. Allerdings ist die Gefahr aufgrund der noch nicht überwundenen kalten Jahreszeit noch nicht vorbei.
Preiszyklisch bedingte überdurchschnittlich steigende US-Schweinebestände bei anhaltend hohen Schlachtgewichten könnten im Jahre 2015 zu einem hohen Schweinefleischangebot führen. Wenn der Dollarkurs weiterhin stark bleibt, wird der Export schwieriger. Das könnte die US-Schweinefleischnotierung stark unter Preisdruck bringen. Die Notierungen liegen zurzeit bei umgerechnet 1,37 €/kg, allerdings in erheblichen Maße durch die schwankenden Wechselkurse hin- und hergetrieben. Die Terminkurse zur Grillsaison 2015 zeigen aber nach oben.
In Europa verhindert der anhaltende russische Importstopp einen deutlichen Preisauftrieb. Allerdings sollte man die positiven Exportstützungseffekte des schwachen Euro nicht unterschätzen. Im ersten Halbjahr werden die Schlachtzahlen eher niedriger ausfallen, so dass in der Vorratsaufbauphase für die Grillsaison anziehende Kurse erwartet werden. Eine teilweise Öffnung des russischen Marktes ist zwar unsicher, könnte aber eine weitere preisunterstützende Wirkung entfalten.
Die abgestockten Sauenbestände in China führen zu einer relativen Knappheit der Mastschweine und des Schweinefleischaufkommens im ersten Halbjahr 2015, so dass die Schweinepreise in China sich im oberen Mittelfeld bewegen sollten. Die chinesischen Schweinfelsichimporte sollen um 17 % steigen.
Brasiliens Träume einer starken Exportaktivität in Richtung Russland werden durch die russische Kaufkraftschwäche deutlich abgemindert. Außerdem haben erhebliche Ausfuhrverluste in die Ukraine und andere Staaten den gesamten Schweinefleischexport Brasiliens nicht steigen lassen, sondern ist sogar noch leicht rückläufig geworden.
Wie sich die einzelnen Einflussfaktoren im Verlauf des Jahres noch präsentieren werden, ist höchst unsicher. Daher ist die Einschätzung eines turbulenten Jahres 2015 nicht von der Hand zu weisen.