Schweinefleischmarkt 2015: hoher Angebotsdruck aus USA, weggebrochener Russland -Import, EU auf der Suche nach Ausfuhrersatz, verhaltenene chinesische Nachfrage
Für das Jahr 2015 kristallisieren sich mehrere herausragende Einflussfaktoren auf den weltweiten Schweinefleischmarkt heraus.
An vorderer Stelle ist der länger andauernde Verlust der russischen Schweinefleischimporte herauszustellen. Noch im Jahr 2012 betrugen die Einfuhren über 1 Mio. t mit einem deutlichen Schwerpunkt aus Europa Für das Jahr 2015 rechnet man nur noch mit 0,2 Mio. t. Eine Öffnung der russischen Grenzen ist aus politischen Gründen aufgrund des anhaltenden Ukraine-Konfliktes schon nicht wahrscheinlich. Darüberhinaus kommt die fehlende Kaufkraft aufgrund des sehr schwachen Rubelkurses und der gesunkenen Einkommen infolge Preisrückganges der Energieexporte. Die staatlich subventionierte Eigenerzeugung wird man so schnell nicht wieder mit Importen unterlaufen wollen. Nicht zuletzt wird die Häufung der Schweinepestfälle in Polen und im Baltikum als möglicher Hinderungsgrund auzulisten sein.
An zweiter Stelle ist die Entwicklung in den USA zu nennen. Nach einem Jahrhundertjahr 2014 mit hohen Unternehmergewinnen kommt jetzt der Gegenschlag. Die Fleischvorräte haben sich auf + 8 % gegenüber dem 5-jährigen Mittelwert aufgetürmt. Die Sauenbestände sind um 4,6 % gewachsen. Die PEDv-Seuche hat nur die Hälfte bis ein Drittel der vorjährigen Verluste in den kalten Monaten von Jan bis März 2015 gebracht. Die Schlachtgewichte liegen weiterhin mit 5 bis 6 kg über den Durchschnittswerten früherer Jahre. Der starke Dollarkurs erschwert den Export. Die Ausfuhren nach China sind um die Hälfte gesunken.
Die Hoffnungen werden auf einen steigenden US-Inlandsverbrauch gesetzt, allerdings sind Verzehrzunahmen von über 8 % wenig realistisch. Zweifel werden auch daran geäußert, ob die Produktionssteigerungen mit 6 % nicht doch zu niedrig geschätzt worden sind. US-Schweinepreise stehen stark unter Druck. Preise werden zwischen 1,20 aktuell und 1,50 €/kg in der Grillsaison gehandelt.
Chinas weltweit führende Schweinefleischerzeugung bleibt 2015 nur knapp konstant. Gründe bestehend in der fehlenden Rentabilität im Jahre 2014 infolge ungünstiger Schweine-Futtermittelpreisrelationen. Es sollen mehr als 12 % der Sauen geschlachtet worden sein. Schweinekrankheiten sind ebenfalls für den gestoppten Entwicklungsprozess in China verantwortliche. Auf der Nachfrageseite wird mit einem gebremsten Zuwachs von nur 0,5 % gerechnet im Vergleich zu mehrjährigen Durchschnittswerten um die 2 %.
Die Erwartungen an die chinesischen Importe sind von ursprünglichen 1 Mio. t auf 0,8 Mio. t zurückgenommen worden. Zählt man Hongkong mit 0,36 Mio. t dazu, werden rd. 1,16 Mio. t ins Reich der Mitte geliefert werden. China importiert allerdings Schweinefleisch in einer geringen Werthöhe von 1,30 bis 1,50 € je kg.
Die EU wird 2015 noch vor den USA beim Export an der Weltspitze stehen. Rd. 2,4 Mio. t sollen in Drittländer geliefert werden. Angesichts des Wegfalls der Russlandausfuhren müssen sich die europäischen Exporteure in anderen Märkten einkaufen und die dort vorhandene Konkurrenz verdrängen. Das geht nur über den Preiskampf. Mächtigster Gegner sind die USA mit ihren Niedrigpreisangeboten. Unterstützung finden die EU-Ausfuhren durch den schwachen Eurokurs.
Insgesamt wird das Schweinepreisniveau im Jahre 2015 durch die Marktlage unter Druck stehen. Die Höhenflüge der Preise in der Region oberhalb der 1,70 €/kg-Marke sind vorerst nicht in Sichtweite. Dabei hilft die bevorstehende Grillsaison kurzfristig mit, aber die Aussichten für den Herbst 2015 sind alles andere als rosig zu nennen.