07.
08.15
08:26

China braucht mehr "Schweinefleisch"

Korrektur bei Chinas Agrarpolitik: auf hohe Maisvorräte verzichten, dafür mehr Schweinefleisch erzeugen

Die chinesischen Schweinefleischpreise erreichen mit 3,60 €/kg ungewöhnliche Größenordnungen für ein Land, dass um die preisgünstige Versorgungssicherung seiner Bevölkerung mit den Hauptnahrungsmitteln besorgt ist.  

Die Schweinepreise in China sind besonders stark mit Beginn des Jahres 2014 gestiegen. Der Schweinebestand – insbesondere die Sauenhaltung - wurde aus Gründen einer länger andauernden Unwirtschaftlichkeit  um rd. 10 % gesenkt. Jetzt fehlen die Ferkel für die Mast und das Fleisch für den wachsenden Verbrauch.

Die zunehmende Unwirtschaftlichkeit hatte seine Ursachen in einer einseitigen staatlich gesteuerten Mindestpreisgarantie für Mais zwecks Anreiz zur Mehrerzeugung und Versorgungssicherung. Der Mais wurde vom Staat für ein Kursniveau von 35 € je dt übernommen. Damit billiger Importmais das Preisniveau nicht unterlaufen sollte, wurden die Einfuhrmengen kontingentiert. Die zusätzlichen Maisflächen verdrängten den chinesischen Sojaanbau. Dafür verlässt sich China zu mehr als 80 % auf den Sojaimport.

Von der Einfuhrsteuerung ausgenommen waren u.a. Gerste und Sorghum. Mit den halb so teuren alternativen Futtermittelimporten konnte  in den hafennahen Standorten eine rentable Schweinemast insbesondere im Süden des Landes beibehalten und teilweise ausgebaut werden. Maisimporte blieben auf niedrigem Niveau, dafür stiegen die Gersten- und Sorghumeinfuhren umso kräftiger an.

In den zentralen Maiserzeugungsgebieten im Nordwesten des Landes häuften sich die staatlichen Vorräte. Versuche, Mais aus staatlichen Lägern zu einem leicht herabgesetzten Preis an die Schweinehalter wieder zu verkaufen, schlugen mangels Nachfrage weitgehend fehl.

Die hohen Futterkosten sind  letztendlich die Ursache der Verknappung an Schweinefleisch und den hohen Preisen. Bei anhaltend steigender Nachfrage versechsfachten sich die chinesischen Schweinefleischimporte innerhalb weniger Jahre. Für 2015 rechnet man mit einer Einfuhrmenge von mehr als 1,3 Mio. t.

Eine Fortsetzung dieser Agrarpolitik ist schwerlich denkbar. China wird auf den Anspruch eines hohen Selbstversorgungsgrades bei Mais Abstriche machen müssen, um den zunehmenden Schweinefleischverbrauch einer wachsenden Bevölkerung bei steigenden Einkommen stärker Rechnung zu tragen.

Die steigenden Schweinefleischimporte Chinas bestehen im Wesentlichen aus weniger wertvollen Teilstücken, die allerdings nur als Ergänzung zu den wertvolleren Frischfleischteilstücken dienen können. Das preisbestimmende Frischfleischsegment kann bedarfsdeckend fast ausschließlich nur aus dem eigenen Lande stammen.

Trotz möglicher Verbilligung der Futterkosten wird es China nicht leicht fallen, die Schweinefleischerzeugung zu forcieren. Die noch 30 % Hinterhofhaltungen werden zunächst durch moderne Neubauten in industriemäßigen Maßstab ersetzt werden müssen. Das geschieht nur bei ausreichend hohen  Gewinnaussichten. Dabei gilt es das große Problem der Flächenknappheit Chinas verbunden mit der Umweltschutzproblematik zu lösen. Außerdem fehlt es immer noch an einer regionalübergreifenden Logistik und insbesondere einer ausreichend geschlossenen Kühlkette.  

Schweinefleischexporte aus der EU profitieren zwar vom chinesischen Defizit mit steigendem Mengenabsatz, allerdings mit begrenzter Wertigkeit zwischen 1,30 bis 1,50 € je kg. Für grundlegende Preisverbesserungen hierzulande reichen die Exporterlöse nicht aus.

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Jetzt registrieren

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich