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07.13
17:05

Chinas Ernährungswirtschaft vor großen Herausforderungen

Wie schafft es China auf 800 Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche je Einwohner seine Bevölkerung in einem hohen Maße selbst ernähren zu können. Im Vergleich dazu verfügt Deutschland über 1.500  qm und steht an 2. Stelle nach den USA als weltgrößter Agrarimporteur. Die USA verfügen über 5.400 qm LN je Einwohner, betreiben aber auch einen starken Agraraußenhandel sowohl auf Im- wie Exportseite.

Eine Studie der IOWA University hat die chinesische Ernährungswirtschaft  auf wichtige Merkmale hin untersucht und dabei folgendes herausgefunden.

  1. China setzt eine hohe Anzahl an Arbeitskräften ein, um die knappe verfügbare Agrarfläche möglichst mehrfach im Jahr nutzen zu können. Unter günstigsten Bedingungen sind es 5 Reisernten je Jahr.
  2. Bis vor 5 Jahren wurden 50 % der Schweine in Hinterhofhaltungen mit den Abfällen aus den Ernten, aus den Haushalten und Restaurants produziert. Arbeitskräfte waren damit beschäftigt, die Abfälle einzusammeln und aufzubereiten.
  3. Die zur Verfügung stehende Landfläche wurde traditionell bis die Höhenlagen hinein in Terassenwirtschaft intensiv mit Handarbeit genutzt. In jüngerer Zeit wurden selbst trockene Gebiete mit Bewässerung landwirtschaftlich verfügbar gemacht. Ganze Flüsse wurden umgeleitet. Seen wurden leergepumpt.
  4. Die Knappheit an Proteinen aus tierischer Herkunft hat zu einer 100 % Verwertung der  Tierkörper geführt. Traditionelle Aufbereitungs- und Ernährungsgewohnheiten tragen zu dieser Verlustminimierung bei.
  5. In ländlichen Regionen wird nach alter Gewohnheit immer noch eine vegetarische Kost bevorzugt.  

Mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung ist eine wachsende Landflucht eingetreten. Die Folgen sind vielfältig. Die Arbeitskräfte auf dem Lande fehlen. Ein Maschineneinsatz ist auf vielen Feldern nicht möglich oder rentabel. Schwierige Flächen fallen zunehmend brach oder werden weniger intensiv bewirtschaftet. Die Landflüchtlinge beanspruchen in  den Randzonen der ohnehin schon starken Ballungsgebiete zunehmenden Wohnraum und Straßenbau.  Jährlich gehen 3 bis 4 % des wertvollen Ackerlandes verloren. Gleichzeitig wachsen die Ansprüche an die Ernährung mit reichhaltigen Essen und einem steigenden Anteil an höher veredelten Nahrungsmitteln.

Entsprechend schnell hat sich der Import von Agrarrohstoffen wie Soja, Mais und Reis entwickelt. Umgerechnet importiert China auf diese Weise  Grundnahrungsmittel von einer Fläche von 30 Mio. ha, doppelt so groß wie die bundesdeutsche landwirtschaftliche Nutzfläche.  

Für die weitere Zukunft stellt sich die Frage, ob China seine bisherige Politik der Selbstversorgung mit Nahrungsmittel tierischer Herkunft auf der Grundlage eigener und importierten Futtermittel aufrechterhalten kann, die Wertschöpfung im eigenen Lande betreibt oder auf den Direktimport von höher veredelten Produkten zurückgreifen muss.

Im Falle der Versorgung mit Milchprodukten ist die Frage weitgehend entschieden. Der ursprüngliche rasante Aufschwung der chinesischen Milchwirtschaft Anfang der 2.000er Jahre  ist schlagartig mit dem Melaminskandal im Jahre 2006 zusammengebrochen. Man traut der eigenen Veredlungswirtschaft nicht, das Image der Eigenherstellung ist massiv gestört. Trotzdem ist die Nachfrage nach Milchprodukten ungebrochen gewachsen und wird durch steigende Importe aus Neuseeland, Australien und den USA bedient.  

Die inländische Fleischerzeugung ist teuer, begrenzt produktiv und wenig umweltschonend. Importiertes Sojaschrot ist um 100 $ je t  und Mais um 120 $ je t höher als in den USA. Allein die Futterkosten für ein Schwein sind in China um 40 % höher als in den USA. Der Krankheitsdruck ist enorm groß und resultiert aus dem Nebeneinander der unter 30 %-Anteil  gefallenen Hinterhofhaltungen und den neu errichteten Schweinehaltungszentren mit häufig fehlenden Wissen im Umgang mit Hygiene und verbeugenden sowie kurativen Mitteln. Schweinepreise unterhalb von umgerechnet 2,5 € je kg decken nicht die chinesischen Vollkosten bei niedrigen Löhnen und Baukosten.  

Die Ansprüche einer wachsenden Mittel- und Oberschicht an westliche Ernährungsgewohnheiten zwingen China zu einer Reihe von Zwischenlösungen. Zunächst wurde die Autarkie bei Sojabohnen mit Anfang des Jahres 2003 aufgegeben: China ist zwischenzeitlich mit zwei Drittel Handelsanteil weltgrößter Importeur von Sojabohnen. Die freiwerdenden Flächen wurden für den verstärkten Maisanbau verwendet. Mit dem laufenden Jahr 2013/14 wird deutlich, dass auch hier die die Reserven erschöpft sind und vermehrt Mais importiert werden muss.

Eine Übergangslösung ist auch der Import von Schweinefleischteilen, die nach westlichen Wertvorstellungen minderwertig bzw. nicht für die Nahrungskette mehr geeignet erscheinen. Schweinsköpfe, Ohren, Pfoten, Ringelschwänzchen u.ä gelten in China als Delikatesse. Die Importe überschreiten bereits die Mio. t Grenze.

Die zukünftige Herausforderung: Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft.

3 Beispiele:

a)    Maisanbau erfolgt häufig noch mit Handhacken und Jäten zur Unkrautbekämpfung. GVO-Sorten und PS-Einsatz könnten die Erträge um 30 % steigern und das Arbeitskräfteproblem lösen

b)    Gezielte Ausbildung in der Handhabung von gesundheitsvorsorgenden Mitteln in der Tierhaltung, leistungsgerechter Fütterung und Haltung

c)    Verbesserung der Arbeitskräfteproduktivität durch Mechanisierung und Automatisierung.

Nahrungsmittelverschwendung ist in China jedenfalls kein Thema, aber die Nichtausschöpfung vorhandener Ressourcen schon.

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